Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps bei Arthrose der Halswirbelsäule (HWS-Arthrose). Auch unsere ersten Hinweise zu diesem Thema im ARTHROSE-INFO Nr. 6 möchten wir an dieser Stelle nochmals empfehlen.
Bücken und Vorneigen belasten die empfindlichen Wirbel im Halsbereich sehr. ,,Kopf hoch – und Brust raus“ ist deshalb eine wichtige Regel, um den Hals- und Nackenbereich zu schonen und um Beschwerden zu vermeiden. Wer im Sitzen arbeitet, kann eine gute Haltung leichter einnehmen, wenn der Schreibtisch eher hoch, der Stuhl aber eher niedrig ist. Sehr empfehlenswert sind auch Schreibtische oder Schreibaufsätze, bei denen die Schreibfläche schräg (16 Grad) gestellt werden kann.
Nicht nur Bücken und Vorneigen, sondern auch ständige Drehbewegungen des Kopfes belasten die Halswirbel. Dies ist ein Grund, weshalb die Halswirbelarthrose bei Sekretärinnen und kaufmännischen Berufen so häufig Beschwerden verursacht. Moderne Computerarbeitsplätze sollten deshalb so angeordnet sein, dass sich die wichtigsten Geräte und Unterlagen in einer geraden Blickrichtung befinden und ein ständiges Drehen des Kopfes vermieden wird. Unterarmablagen, die von Teleskopschienen geführt werden und über doppelte Scharniere verfügen, sind sehr hilfreich.
Beschwerden im Hals- und Nackenbereich können auch die Folge einer unbemerkten Sehschwäche sein. Wer seine Augen anstrengen muss, um besser sehen zu können, überlastet damit nicht nur seine Augen, sondern neigt oft auch zu Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule. Eine Arthrose der Halswirbel sollte deshalb stets Anlass sein, die Sehleistung überprüfen zu lassen. Wer bereits eine Brille trägt, sollte etwa alle 2 Jahre zum Augenarzt gehen, um die aktuelle Sehkraft zu testen.
Leicht geöffnete Fenster am Arbeitsplatz oder beim Autofahren führen oft zu einer unbemerkten, aber erheblichen Abkühlung im Nacken- und Schulterbereich. Dies kann sehr schmerzhafte Verspannungen auslösen. Offene Fenster, Zugluft und Durchzug sollte man deshalb bei jeder Arthrose der Halswirbelsäule unbedingt vermeiden. Auch empfiehlt es sich, beim Zug- oder Busfahren nicht die türnahen Plätze einzunehmen, da die Türen oft nicht korrekt schließen. Bei Klima-Anlagen in Autos sollte man nur niedrige Gebläsestufen einstellen.
Kühle Hände werden von vielen Menschen als normal empfunden. Bei beginnender oder schon fortgeschrittener HWS-Arthrose kann die damit einhergehende Unterkühlung im Bereich der Arme aber die Beschwerden oft noch verstärken. Wer zu Beschwerden im Nackenbereich neigt, sollte deshalb alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Hauttemperatur spürbar zu erhöhen. Geschlossene Schuhe, etwas wärmere Strümpfe, aber auch das Tragen hochgeschlossener Pullis oder eines Schals können ein gutes Gegenmittel sein.
Bei der HWS-Arthrose wird auch die direkte Anwendung von Wärme im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich fast immer als angenehm empfunden. Wärmflaschen, Heizkissen (Stufe 1 einstellen) oder heißes Duschen können eine deutliche Entspannung der Muskulatur bewirken. Sehr wirksam kann die Anwendung von Wärmesalben oder Wärmepackungen (z. B. KY Thermopack) sein. Beide Anwendungen werden als wohltuend empfunden und können vom Arzt verordnet werden. Die Wärmepackungen werden im Backofen erhitzt und sind mehrmals wieder verwendbar.
Das Tragen von Gesundheits- oder ,,Thermowäsche“ im Nacken- und Schulterbereich kann in der kühleren Jahreszeit eine wertvolle Selbsthilfemaßnahme sein. Unterhemden mit Schulterteil (T-Shirts) oder sogar wärmende Schulter-Nacken-Segmente aus Angorawolle können die Muskulatur spürbar lockern. Diese Wäsche kann zwar nicht vom Arzt verordnet werden, sie ist aber eine sinnvolle Investition in die eigene Gesundheit. Auch unter eleganter Kleidung kann sie unauffällig getragen werden.
,,Fango und Massage“ oder ,,Heißluft und Massage“ haben bei Beschwerden im Nackenbereich fast immer eine wohltuende Wirkung, sofern kein hochakutes Stadium vorliegt. Durch die Wärmeanwendung mit nachfolgender Massage wird die verspannte Muskulatur spürbar gelockert. Dies entlastet die Wirbelgelenke und vermindert die Beschwerden. Die behutsame Krankengymnastik kann die Muskulatur ebenfalls lockern und zusätzlich stabilisieren. Gleichzeitig dient sie der aktiven Vorbeugung.
Die Behandlung durch ,,Einrenken“ ist weit verbreitet. Sie ist auch wissenschaftlich anerkannt und verfeinert worden. Vor Beginn der Behandlung sollte mittels MRT der HWS ein Bandscheibenvorfall oder eine knöcherne Einengung ausgeschlossen werden. Im Laufe eines Jahres sollte diese Behandlung höchstens dreimal erfolgen, da sonst die Gelenke leicht überdehnt werden können und dann zu häufigem Verrenken neigen. Bei einer HWS-Arthrose sollte diese Behandlung besonders schonend erfolgen. Das Tragen einer Halskrause sollte auf die Nacht begrenzt und nur eine Woche erfolgen.
Das Schlafen ohne Kissen oder in Bauchlage ist bei der HWS-Arthrose nicht zu empfehlen. Auch zu große oder zu kleine Kopfkissen können nachteilig sein. Kopfkissen, die weich, groß genug und nicht zu voll sind, haben den Vorteil, dass man sie selbst in die entsprechende Form falten kann. Manche Betroffene berichten auch über eine gute Wirkung von Spezialkissen, die in unterschiedlichster Form angeboten werden. Vor dem Kauf sollte man sie am besten ausprobieren, da sie bei HWS-Beschwerden nur in etwa 50 Prozent der Fälle als angenehm und hilfreich empfunden werden.
Manche Menschen laden sich unbewusst mehr Aufgaben auf, als sie eigentlich tragen können. Dies gilt nicht nur für den beruflichen und privaten Bereich, sondern auch für die Freizeit. Eine daraus resultierende Überlastung führt aber nicht nur zur inneren Anspannung und Gereiztheit. Auch die Nacken- und Halsmuskulatur zeigt eine deutlich höhere Spannung. Wer das richtige Maß an Belastung und Entspannung findet, kann daher viel für seine Gesundheit tun. Bei der HWS-Arthrose wirkt sich dies in der Regel außerordentlich positiv aus.
Sportarten, bei denen die Wirbelsäule besonderen Belastungen ausgesetzt wird (z. B. Tennis, Golf, Basketball), sind oft nicht zu empfehlen. Ideale Sportarten können sein: Rückenschwimmen, entspanntes Spazierengehen, Nordic-Walking, Skilanglauf und auch Rad- oder Heimtrainerfahren. Beim Radfahren ist auf eine entspannte, aufrechte Haltung zu achten, wie sie durch bestimmte Lenkerformen unterstützt wird. So haben z. B. die altbekannten Tourenräder sowie die neuen ,,City-Räder“ eine Lenkerform, die das aufrechte Sitzen erleichtert.