Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps bei Arthrose des oberen Sprunggelenks. Sie sind als Ergänzung gedacht zu unseren Hinweisen im ARTHROSE-INFO Nr. 4, die wir nochmals empfehlen möchten. Zunächst erläutern wir die häufigsten Arten der Sprunggelenkarthrose und nennen dann einige nützliche Behandlungs- und Verhaltensgrundsätze.
In vielen Fällen ist eine Arthrose im Sprunggelenk die Folge eines früheren Unfalls. Oft entwickelt sie sich nach einem Bruch des Innen- oder Außenknöchels. Auch Verletzungen der Gelenkflächen von Schienbein, Wadenbein oder Sprungbein können zu einer Arthrose im oberen Sprunggelenk führen. Wenn diese Verletzungen in Fehlstellung verheilen, führen sie zu einer Überlastung bestimmter Teile des Gelenks, wodurch sich oft schon nach wenigen Jahren eine Arthrose entwickeln kann.
Auch Bandverletzungen können manchmal zu einer Arthrose führen. Wenn bei einem schweren Umknicken die Bänder insbesondere am Außenknöchel reißen, so heilen diese Verletzungen gelegentlich nicht vollständig aus. Das Sprunggelenk erreicht dann oft nicht wieder seine alte Festigkeit. In vielen Fällen kann dies harmlos sein und ohne ernsthafte Folgen bleiben. Manchmal entwickelt sich daraus aber eine Arthrose. Dies ist besonders oft der Fall, wenn gleichzeitig eine gewisse Muskelschwäche besteht. Eine krankengymnastische Behandlung ist daher sehr wichtig zur Kräftigung der gelenkstabilisierenden Muskulatur.
Während Typ 1 und Typ 2 die Spätfolgen eines Unfalls sind, ist bei der „primären“ Sprunggelenkarthrose eine eindeutige Ursache nicht auszumachen. Gelegentlich finden sich allerdings gleichzeitig Veränderungen wie Fehlstellungen der sogenannten Beinachsen oder Übergewicht. Auch ein schwerer Knickplattfuß bzw. Hohlfuß kann das Gelenk ungünstig belasten. Wenn diese genannten Faktoren bestehen, müssen sie bei der Therapie ebenfalls sorgfältig mitbehandelt werden.
Das Körpergewicht wirkt auf das Sprunggelenk stärker und direkter als auf alle anderen Gelenke. Bei einer Arthrose des Sprunggelenks ist deshalb die Verminderung eines bestehenden Übergewichts von grundlegender Bedeutung. Jedes abgenommene Pfund bewirkt eine Entlastung und fördert die Erholung des betroffenen Gelenks. Auch das Tragen schwerer Gegenstände (wie Koffer, Rucksäcke, Einkaufstaschen usw.) muss vermieden werden. Oft können die Schmerzen bereits allein durch diese Maßnahmen vermindert werden.
Besonders am Sprunggelenk führt die Arthrose häufig zu einer beträchtlichen Schwellung des Gelenks. Wenn eine solche Schwellneigung besteht, kann auch eine elastische Bandage als angenehm empfunden werden und damit auch die Beweglichkeit des Gelenks etwas erhöhen. Es gibt heute verschiedene Arten elastischer Bandagen, deren passenden Straffheitsgrad der Arzt je nach Untersuchungsbefund verordnet. Man sollte diese Bandagen bei Belastung tragen und möglichst nur stundenweise, um sicherheitshalber eine Schwächung der Muskulatur zu verhindern.
Wenn nicht Anschwellungen, sondern vielmehr eine Neigung zu schmerzhaftem Umknicken im Vordergrund steht, kann auch eine Bandage aus dünnem Kunststoff oder mit stabilisierenden Kunststoffeinlagen sehr nützlich sein. Oft ist sie auch aus echtem Leder, was besonders hautfreundlich ist. Sie wird durch eine Schnürung dem Gelenk angepasst und ist auch bei manchen Sportlern beliebt. Sie stabilisiert das Sprunggelenk und vermindert somit die Bewegungsschmerzen. In der Regel wird sie in üblichen Halbschuhen getragen und ist kaum sichtbar.
Bei jeder Sprunggelenkarthrose sind ein gutes Fußbett und fester Halt im Schuh von großer Bedeutung. Als angenehm empfinden viele Betroffene deshalb auch sogenannte „Weichschaum“-Einlagen, die man in Sportgeschäften oder Sanitätshäusern beziehen kann. Sie polstern den Fuß und schützen so das Gelenk beim Gehen. Weiche Schuhsohlen können diese Wirkung noch verstärken.
Oft schmerzen bei der Sprunggelenkarthrose besonders das Auftreten und Abrollen beim Gehen. Leichte Abrundungen an Vordersohle und Absatz können den Abrollvorgang erleichtern und sind an vielen Schuhen heute zu finden. Als „Abrollhilfen“ werden sie vom Arzt verordnet und vom schuhorthopädischen Fachmann angebracht. Auch die bereits beschriebenen Ferseneinlagen können nützlich sein (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr.13). In schweren Fällen empfehlen sich auch orthopädische Schuhe, die auf besondere Verordnung passgenau angefertigt werden.
Wenn die vielfältigen Maßnahmen, zu denen auch krankengymnastische Übungen gehören, keine Besserung bringen, kann eine Operation die richtige Behandlung sein. Hierbei werden meist die erkrankten Teile des Gelenks fest und dauerhaft verblockt, wodurch eine weitgehende Schmerzfreiheit erreicht werden kann. Viele Handwerksleute können danach wieder ihrem Beruf nachgehen. Es wird geschätzt, dass über 80 Prozent der so Behandelten mit diesem Eingriff hinsichtlich der Schmerzbefreiung zufrieden sind. Auch künstliche Gelenke können eine Alternative sein.
Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wird auch am Sprunggelenk eingesetzt. Eine Spülung und Reinigung des Gelenks führt oft zu einer Besserung, die für mehrere Monate anhalten kann. Allerdings gibt es neuere Hinweise, die die Indikation einschränken auf jene Fälle, in denen gleichzeitig Einklemmungen und Wegknicken auftreten.
Bei der Sprunggelenkarthrose sind viele Betroffene in besonderem Maße auf das Auto angewiesen. In vielen Fällen kann die Bedienung aber beeinträchtigt sein. Plötzliche Schmerzen beim Bremsen und Kuppeln können zu gefährlichen Situationen führen. Die rechtzeitige Anschaffung eines Automatikgetriebes oder einer zusätzlichen Handbremse (je nachdem welcher Fuß betroffen ist) kann gefährliche Situationen vermeiden helfen.
Sportarten wie Fußball, Jogging, Tennis und Wandern auf unebenen Wegen sollte man meiden. Empfehlenswert sind: Schwimmen, Radfahren, Heimtrainer und Spazierengehen. Moderne, weich gepolsterte Schuhe vom Typ „Remonte“ können das Spazierengehen und Wandern erleichtern (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 43, Tipp Nr. 9). Allerdings dürfen die Sohlen nicht zu weich sein.