Wenn man sich für ein künstliches Hüftgelenk entschieden hat und nach der Operation längst wieder zu Hause ist, kann man selbst viel für die Haltbarkeit des neuen Gelenks tun. Wie aber verhält man sich richtig? Welche Empfehlungen gilt es zu beachten, und welche Situationen sind besser zu meiden? Im Folgenden beschreiben wir einige Grundprinzipien sowie vier Risiken, die man kennen sollte. Als Ergänzung empfehlen wir auch nochmals die sechs früheren ARTHROSE-INFO-Kapitel zu diesem Thema.
Wenn man ein künstliches Hüftgelenk besitzt, kann man getrost alle normalen Alltagstätigkeiten verrichten. Man muss sich damit keinesfalls nur schonen und „ins Bett legen“. Im Gegenteil, Bewegung im normalen Rahmen ist für das künstliche Hüftgelenk sogar günstig. Die Bewegung stärkt sowohl Muskeln als auch Knochen und festigt damit die Verankerung des neuen Gelenks. Auch Reisen und längere Spaziergänge sind durchaus möglich. Die folgenden beeinflussbaren Risiken sollte man aber bei einer künstlichen Hüfte kennen und beachten. Sie gliedern sich in vier Gruppen:
(1) Ausrenkung: Besonders in den ersten Wochen nach der OP können bestimmte Bewegungen zu einer Ausrenkung führen. (2) Abnutzung und Lockerung: Je jünger man ist, umso maßvoller sollte man das Gelenk belasten. (3) Infektion: Wenn Bakterien ins Blut gelangen, können sie die Prothese lockern (siehe INFOS Nr. 18 und Nr. 48). (4) Knochenbruch: Obwohl Knochenbrüche bei einer künstlichen Hüfte selten sind, sollte man alles tun, diese Gefahr zu vermeiden. Wie man diesen Risiken im Alltag entgegenwirken kann, zeigen die nachfolgenden Empfehlungen.
In den ersten Wochen nach der Operation muss man bei vielen, auch einfachen Bewegungen noch vorsichtig sein, um ein Ausrenken des neuen Gelenks zu vermeiden. Die Muskulatur muss in dieser Zeit heilen und kann das Gelenk noch nicht genügend zusammenhalten. Wenn man sich im Bett z. B. vom Rücken auf die Seite drehen möchte, kann ein Kissen zwischen den Knien Sicherheit geben. Es verhindert falsche Bewegungen. Das nicht operierte Bein „schient“ dabei die operierte Seite und schützt sie. Auch beim Aufstehen aus dem Bett kann diese Methode hilfreich sein.
Die Pflege der Zehennägel ist mit einem künstlichen Hüftgelenk – wie schon vor der OP – oft nicht ohne Weiteres möglich. Die dabei erforderliche Beugung und Drehung der Hüfte können auch zu einem Ausrenken des Gelenks führen. Wenn man alleinstehend ist und niemand bei der Fußpflege behilflich sein kann, sollte man dies gern mit dem behandelnden Arzt besprechen und seinen Rat einholen. Die Dienste einer Fußpflegerin, die auch Hausbesuche macht, werden beim künstlichen Gelenk zwar nicht von der Krankenkasse erstattet, sie sind jedoch eine gute Investition.
Ein Risiko, zu stürzen und dabei den Knochen im Bereich der Prothese zu brechen, besteht für viele Menschen besonders im eigenen Badezimmer. Rutschende Badvorleger, kleine unbemerkte Wasserpfützen und auch das Einsteigen in die Badewanne können die Auslöser sein (weitere Tipps hierzu: siehe auch unseren Buchtipp auf Seite 14 dieser Ausgabe). Auch wenn man öffentliche Hallenbäder besucht, sollte man besonders vorsichtig sein. – Stürze kann man außerdem vermeiden, wenn man auf der Treppe keine Gegenstände trägt, die nur beidhändig zu tragen sind.
Polierte Fliesen und Marmortreppen können zu allen Jahreszeiten schon durch ein paar Regentropfen glatt und gefährlich sein. Besonders mit Ledersohlen können diese eine beträchtliche Gefahr darstellen, die man gezielt meiden sollte. Im Winter empfiehlt es sich, die Wettervorhersagen aufmerksam zu verfolgen. Dies hilft sicherzustellen, dass man bei Glatteis und Schneeglätte niemals mit dem künstlichen Gelenk außer Haus gehen muss, bevor die Wege gestreut und aufgetaut sind. Auch Gehstöcke mit Spikes können dabei nicht immer genügend Sicherheit bieten.
Das Heben schwerer Lasten sollte man eher vermeiden. Getränkekästen werden heute von vielen Firmen auf Wunsch auch gern nach Hause angeliefert. Das Tragen schwerer Koffer kann durch den Haus-zu-Haus-Gepäck-Service der Deutschen Bahn (ARTHROSE-INFO Nr. 7) vermieden werden. Auch rollende Einkaufstaschen können das neue Gelenk entlasten. Bei der Gartenarbeit, bei der viele Menschen Freude und Erfüllung finden, kann man die meisten Arbeiten wieder ausüben. Tiefes Bücken und schweres Umspaten sind jedoch zu vermeiden.
In manchen Kliniken werden Patienten mit hohem Übergewicht aus Gründen des OP-Risikos oft gar nicht erst operiert und gebeten, zuerst abzunehmen. In vielen Fällen gelingt das Abnehmen allerdings viel leichter, wenn die Schmerzen durch die Operation beseitigt sind und man sich wieder besser bewegen kann. Das Vermeiden von überflüssigem Körpergewicht macht sich auf alle Fälle auch nach der Operation bezahlt. Wer z. B. 5 kg Übergewicht abbaut, entlastet das künstliche Gelenk – wegen der Hebelwirkung – sogar um das Dreifache und somit bei jedem Schritt um 15 kg!
Schuhe mit weichen Sohlen und gepolsterten Absätzen, so auch Sportschuhe, werden von den meisten Menschen mit einem künstlichen Hüftgelenk als sehr angenehm empfunden. Obwohl die stoßdämpfende Wirkung bisher an der Hüfte selbst noch nicht direkt gemessen werden konnte, wie uns Herr Prof. Dr.-Ing. G. Bergmann aus Berlin bestätigte (siehe auch jwi.charite.de), empfehlen viele Experten, Schuhe mit Ledersohlen und harten Absätzen beim künstlichen Hüftgelenk zu meiden. Schuhe mit relativ weichen Sohlen sind hingegen zu bevorzugen.
Wiederholte hohe Stoßbelastungen erhöhen die Abnutzung des künstlichen Gelenks und sind ein Risiko für eine spätere Lockerung. Zu den Sportarten, die besonders riskant sind, zählen z. B.: Fußball, Handball, Volleyball, Weitsprung und Hochsprung. Diese Sportarten sollte man auf keinen Fall mit dem künstlichen Gelenk ausüben. Beim Dauerlauf (Jogging) haben Messergebnisse gezeigt, dass bis zu vierfach höhere Belastungen auftreten als beim normalen Gehen. Ski fahren und Golfen sollte man besser nur dann ausüben, wenn man diese Sportarten schon vor der OP gut beherrscht hat.
Wie für alle Menschen ist Bewegung auch mit dem künstlichen Hüftgelenk gesund. Bewegung stärkt Knochen, Muskeln sowie Gelenke und hält Herz, Kreislauf und die Stimmung in Schwung. Als geeignete Sportarten werden empfohlen: (1) Spazierengehen, auch als „Walking“ oder „Nordic Walking“ (mit Einsatz zweier Stöcke); (2) Schwimmen, besonders Kraul- und Rückenschwimmen und (3) Heimtrainer sowie Rad fahren (Damenrad). Auch gegen ein behutsames Tennis-Doppelspiel auf einem Sandplatz gibt es meist keine Einwände.
Je früher eine beginnende Lockerung entdeckt wird, desto einfacher kann sie behandelt werden. Für die empfohlenen Kontrollen beim Arzt gelten dabei oft die folgenden Regeln: (1) jüngere Patienten werden öfter untersucht; (2) je länger die OP zurückliegt, umso häufiger wird die Kontrolle durchgeführt. Für die ersten zehn Jahre empfehlen viele Experten zunächst eine Kontrolle alle drei Jahre, danach im zweijährlichen Abstand. Wenn es gelingt, die genannten Risiken zu vermeiden, wird Ihnen Ihr künstliches Gelenk dies mit langer Haltbarkeit danken.