Praktische Tipps bei Nackenschmerzen

Nackenschmerzen – mit und ohne Arthrose der Halswirbelsäule – sind weit verbreitet und können jeden Tag zu einer schweren Last werden. In mehreren ARTHROSE-INFOS – so zuletzt im Heft Nr. 106 – haben wir hierzu bereits nützliche Tipps gegeben. Wer diese beachtet, kann sich selbst schon sehr wirksam helfen. In neuen Gesprächen mit unseren Experten haben wir noch weitere wissenswerte und hilfreiche Tipps erfahren. Die zwölf interessantesten stellen wir im Folgenden vor.

1. Die Halswirbelsäule als Stress-Organ

Schmerzen im Bereich des Nackens und der Halswirbelsäule können häufig die Folge einer inneren Anspannung sein. Innere Unruhe, Angst und Überforderung äußern sich nicht nur in Gefühlen. Auch der Körper reagiert darauf. Besonders häufig betrifft dies die Muskulatur der Halswirbelsäule. So kann es zu einer Daueranspannung dieser für die Haltung und für die Kopfbewegungen so wichtigen Muskeln kommen. Mit der zunehmenden Verkrampfung der Muskulatur verstärken sich die Schmerzen. Dies führt dann wiederum zu einer noch größeren Anspannung.

2. Zähneknirschen

Stress und innere Anspannung äußern sich bei vielen Menschen auch in nächtlichem Zähneknirschen und Zähnepressen (siehe hierzu auch unsere ARTHROSE-INFOS Nr. 30 und Nr. 90). Nicht selten geht das Zähneknirschen den Nackenschmerzen voraus und kann dazu beitragen, dass sie entstehen. Wer unter nächtlichem Zähneknirschen leidet, kann deshalb durch eine rasche und konsequente zahnärztliche und eventuell auch psychologische Behandlung späteren Nackenschmerzen vorbeugen bzw. bereits bestehende Beschwerden lindern.

3. Arbeitsstelle

Jeder Mensch freut sich an allem, was gelingt, und ist dankbar, wenn die geleistete Arbeit wichtig ist und wertgeschätzt wird. Missverständnisse, Fehleinschätzungen und auch das Nichtwürdigen erbrachter Leistungen können bedeutende Stressfaktoren sein und sich auch in Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule äußern. Für die Gesundheit der Gelenke ist es deshalb von großer Bedeutung, die tägliche Arbeit klug zu planen und sich mit positiver Energie einzubringen. Auch die Wahl des richtigen Arbeitsplatzes ist von großer Bedeutung.

4. Freizeitstress?

Freizeit und Urlaub sollen der inneren Erholung und der persönlichen Weiterentwicklung dienen. Inzwischen gibt es fast unbegrenzte Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen und zu nutzen. Wer diese Angebote klug einsetzt, kann viel für seine Gesundheit und Erholung tun. Keineswegs sollte man diese Zeit aber mit Terminen vollpacken. Viel mehr sollte die Freizeit „frei“ sein und der Lebensfreude dienen. Oft erhält man gerade dann, wie ein Geschenk, auch noch die besten Ideen für private und berufliche Projekte

5. „Handy-Nacken“

Je nach Körpergröße wiegt der Kopf bei fast allen Menschen zwischen fünf und sieben Kilogramm. Ein Experte berichtet uns, dass er inzwischen immer häufiger die Diagnose „Handy-Nacken“ stellt. Damit sind Verspannungen der Nackenmuskulatur durch stundenlanges Bedienen von Smartphones und anderen elektronischen Geräten gemeint. In vielen Straßen, Bussen, Bahnen usw. sieht man heute Menschen, die ihre Halswirbelsäule auf diese Weise lange Zeit belasten. Eine kluge zeitliche Beschränkung in der Nutzung dieser praktischen Geräte ist jedoch sehr empfehlenswert.

6. Mountain-Biking mit höherem Lenker

Eine weitere große Belastung der Nackenmuskulatur geht mit so manchen Extrem-Sportarten einher. Hierzu gehört auch stundenlanges Rennrad- oder Mountainbike-Fahren. Wer weite und unebene Strecken sehr tief gebückt zurücklegt, überfordert seine Nackenmuskulatur, um überhaupt die Straße und das Gelände beobachten zu können. Dies kann zu schmerzhaften Verspannungen der Nackenmuskulatur führen. Ein Experte rät dazu, bei Nackenbeschwerden besser den tiefen Lenker durch einen höheren zu ersetzen. Der Fachhandel kann hierbei gut beraten.

7. Kein Bauchschlafen

Für viele Menschen ist die Bauchlage die bevorzugte Schlafhaltung. Bei Beschwerden im Nackenbereich ist aber gerade diese Haltung besonders ungünstig. Wesentlich angenehmer ist dann die Seiten- oder Rückenlage. Auch beim Schwimmen sollte man dann das Brustschwimmen besser durch Kraul- oder Rückenschwimmen ersetzen. Dadurch wird eine ständige Anspannung der Nacken-Muskeln vermieden

8. Positionswechsel beim Fernsehen

Wenn Familien, bzw. mehrere Personen, regelmäßig gemeinsam fernsehen, müssen fast alle den Kopf für längere Zeit um ein gewisses Maß zur Seite drehen. Ein vielleicht etwas überraschender, aber sehr nützlicher Tipp besagt, dass es von Vorteil ist, die Sitzpositionen untereinander immer wieder zu tauschen, damit die Nackenmuskeln und die feinen Gelenke der Halwirbelsäule nicht einseitig belastet und dadurch überbeansprucht werden. Auch so kann man Verspannungen der Nacken-Muskeln vermeiden.

9. „Kopf über der Hüfte“ - Regel

Dieser Tipp stammt von einem erfahrenen Physiotherapeuten. Wie wichtig eine gute Haltung vor allem für die Schonung der Wirbelsäulengelenke ist, haben wir bereits mehrfach erwähnt. Dafür gibt es auch eine Reihe bekannter Merksätze, an die man sich leicht erinnern kann. Ein Hinweis, mit dem bei vielen Patienten immer wieder besonders gute Erfahrungen gemacht werden, lautet: „Stets den Kopf über der Hüfte tragen.“ Dies scheint vielen Menschen besonders plausibel, klar und verständlich zu sein. Durch die aufrechte Haltung können sich die Nacken-Muskeln lockern und entspannen

10. Übergewicht vermeiden

Übergewicht? Wie vielfältig sind die Folgen für die Gesundheit – auch die der Gelenke! (Siehe hierzu auch das Kapitel „Metabolisches Syndrom“ im ARTHROSE-INFO Nr. 110.) Aber natürlich beeinflussen Übergewicht – und schweres Tragen – auch die gesamte Haltung und belasten daher nicht selten die Halswirbelsäule. Jeder von uns kann und wird seinen eigenen Weg finden, ein optimales Körpergewicht zu erreichen und beizubehalten. So manche Buchtipps und Hinweise, die wir bereits in mehreren ARTHROSE-INFOS vorgestellt haben, können dabei eine nützliche Hilfestellung geben.

11. Übung 1: „Kopf drehen im Liegen“

Es gibt viele Übungen, die helfen können, die schmerzhaft verspannte Nackenmuskulatur zu lockern und zu entkrampfen. Eine besonders schonende ist die folgende: 

  1. In Rückenlage zunächst ein vorgewärmtes kleines Tuch in den Nacken legen und die Beine „anstellen“. 
  2. Dann den Kopf leicht nach links drehen, so weit es ohne größere Schmerzen möglich ist; 
  3. danach den Kopf in gleicher Weise langsam nach rechts drehen. Diese Übung kann man täglich etwa drei Minuten lang wiederholen.

12. Übung 2: „Windmühlen-Arme im Liegen“

Hilfreich kann auch diese einfache Übung sein. 

  1. Sie beginnt in Rückenlage mit den Armen seitlich neben dem Körper. 
  2. Nun wird zunächst der rechte Arm gestreckt kopfwärts angehoben, so weit dies beschwerdefrei möglich ist; 
  3. während dieser Arm wieder absinkt, hebt sich nun der andere Arm in Richtung Kopf usw. 

Auch dies sollte man täglich drei Minuten lang wiederholen. Beide Übungen machen viel Freude, und man tut auf einfache Weise etwas für die feinen und so wichtigen Gelenke der Halswirbelsäule.