Eine Kniearthrose kann oft auch Folge einer Meniskus-Verletzung sein. Im Folgenden möchten wir einmal darstellen, was der Arzt unter „Meniskus“ versteht. Wozu wird der Meniskus benötigt, welche typischen Situationen führen zu einer Verletzung des Meniskus, und was kann man selbst zur Vorbeugung von Schäden tun? Darüber hinaus nennen wir einige interessante Tipps zur heutigen Therapie. Sie hat sich innerhalb weniger Jahre erheblich verbessert und wird immer noch ständig weiterentwickelt. (Hinweis: Die Mehrzahl von „der Meniskus“ heißt „die Menisken“ oder „die Menisci“.)
Anders als fast alle anderen Gelenke benötigt das Knie nicht nur den üblichen Knorpel, der dem Gelenk seine gute Gleitfähigkeit verleiht. Jedes Kniegelenk verfügt darüber hinaus über zwei zusätzliche Knorpelscheiben, die wie Puffer wirken. Sowohl in der inneren als auch in der äußeren Hälfte des Kniegelenks befindet sich je eine dieser halbmondförmigen Scheiben. Wenn der Arzt bei der Gelenkspiegelung in das Kniegelenk schaut, kann er dabei auch feststellen, wie erstaunlich beweglich diese Knorpelscheiben sind und wie gut sie sich daher der Bewegung anpassen können.
Die wichtigste Aufgabe des Meniskus: Er verteilt die Belastung auf eine größere Fläche und entlastet so den Gelenkknorpel. Es wird geschätzt, dass im gesunden Knie bis zu 50 % der Last auf die Menisken übertragen werden und damit der Spitzen-Druck um etwa die Hälfte vermindert wird. Muss der Meniskus komplett entfernt werden, führt dies zu einer deutlich höheren Beanspruchung des Gelenkknorpels. Daher entwickelt sich innerhalb von 10 Jahren nach komplettem Verlust des Außenmeniskus bei 45 % und nach Verlust des Innenmeniskus bei 25 % der Betroffenen eine Arthrose
Welches sind nun die häufigsten Ursachen der Meniskus-Verletzungen? In jungen Jahren ereignen sich vermutlich die meisten Meniskus-Verletzungen beim Sport (z. B. beim Fußball oder Skifahren). Fast immer beschreiben die Verletzten den Ablauf so: Der Fuß stand fest auf dem Boden (bzw. war fixiert und konnte nicht verrutschen), das Knie war gebeugt (und gleichzeitig hoch belastet), und hinzu kam eine massive unkontrollierte Drehbewegung des Oberkörpers. Diese Drehbelastung des gebeugten und belasteten Kniegelenks führt u. a. oft zu Einrissen am Meniskus.
Schon etwa ab dem 30. Lebensjahr haben sich bei vielen Menschen die Menisken bereits deutlich verändert und ihre jugendliche Elastizität verloren. Einige Experten nehmen an, dass diese Vorgänge bei körperlich und sportlich aktiven Menschen sogar noch früher einsetzen. Oft genügen dann schon Alltagsbewegungen, um einen Riss des Meniskus auszulösen. Typischerweise treten solche Verletzungen beim Aufrichten aus der Hocke auf, wie z. B. beim Spielen mit Kindern, bei Gartenarbeit oder beim Putzen der Fußleisten (weitere Hinweise hierzu siehe auch Tipp 12).
Wenn das Bein eine O-Bein-Form entwickelt hat, wird die innenseitige Gelenkhälfte deutlich höher belastet. Dies führt oft nicht nur zu einer einhälftigen (innenseitigen) Kniearthrose (ARTHROSE-INFO Nr. 39), sondern in deren Folge auch zu einer vermehrten Abnutzung des zugehörigen Meniskus. Wichtig zu wissen: Der schmerzende Rest-Meniskus ist dennoch ein letzter Schutz gegen die noch weiter fortschreitende Arthrose. Er wird deshalb bei einer einhälftigen Arthrose möglichst nicht oder nicht vollständig entfernt (siehe auch Tipp Nr. 10).
Welches sind nun die typischen Symptome? Verletzungen des Meniskus beim Sport führen meist sofort zu scharfen und heftigen Schmerzen direkt im Gelenkspalt. Gleichzeitig kann das Gelenk dann oft nicht mehr voll bewegt werden (Blockierung), und es entwickelt sich oft eine Anschwellung des Gelenks (Erguss). Bei altersbedingten Schäden sind die Symptome oft milder und bessern sich unter einer nicht operativen Therapie. Ist eine einhälftige Arthrose die Ursache der Meniskusbeschwerden, so macht sich dies oft in einer Zunahme der bisherigen Arthrose-Schmerzen bemerkbar
In den meisten Fällen (ca. 80 Prozent) wird der erfahrene Arzt für die Stellung der Diagnose „Meniskus-Verletzung“ allein die Angaben des Patienten, seine eigene Untersuchung sowie Standardröntgen-Aufnahmen und eventuell Ultraschall benötigen. Die Bedeutung der teuren Kernspin-Aufnahmen (Magnet-Resonanz-Tomographie oder MRT) für die Diagnostik von Meniskus-Verletzungen wird manchmal überschätzt. Die meisten Experten empfehlen heute, dass die Kernspin-Untersuchung nur in begründeten Fällen und nur von Spezialisten angeordnet werden sollte.
Wenn die Beschwerden leicht sind und man über 40 ist, werden viele Ärzte zunächst eine konservative Behandlung versuchen. Die meisten Orthopäden verordnen dann mit Erfolg z. B. Elektrotherapie, Infiltrationen, Bandagen und Krankengymnastik. Unterstützen kann man dies auch durch Radfahren (in flachem und ebenem Gelände und in kleinen Gängen) und durch Heimtrainerfahren, sofern der behandelnde Arzt dies befürwortet. Bei akuten Schmerzen nach Sportverletzungen wird man hingegen meist möglichst früh eine MRT-Untersuchung durchführen.
Einen der erstaunlichsten Erfolge der Gelenkchirurgie der letzten Jahre stellt die relativ oft (in ca. 40 Prozent der Fälle) mögliche Naht eines frisch verletzten Meniskus dar. Bei jungen Patienten, bei denen die Verletzung im äußeren („peripheren“) Drittel des Meniskus verläuft, kann heute von Spezialisten bereits während der Gelenkspiegelung eine Naht durchgeführt werden. Für die Fixation der Risse sind viele verschiedene Verfahren anwendbar. Auch Abrisse an der hinteren Befestigung können heute arthroskopisch fixiert werden.
Wenn eine Naht nicht möglich ist (in rund 60 Prozent der Fälle), muss ein anderes Verfahren gewählt werden. Anders als noch vor gut 25 Jahren wird heute der verletzte Meniskus in diesen Fällen nicht mehr vollständig, sondern nur äußerst sparsam teilentfernt. Es werden nur solche Gewebeteile entfernt, die das Gelenk in seiner Funktion stören oder selbst weitgehend zerstört sind. Durch dieses sparsamere Vorgehen konnte die hohe Rate der späteren Kniearthrosen nach Meniskusverletzungen deutlich gesenkt werden. Auch nach einer solchen Mini-OP ist eine gute Nachbehandlung wichtig.
Nach Verletzungen und Operationen des Meniskus sollte man kniende Tätigkeiten eher vermeiden. Bei Garten- und Putzarbeiten im Haushalt kann man sich oft stattdessen mit einem niedrigen Stuhl oder einem Kniebänkchen behelfen (siehe auch INFOS Nr. 6 und 7). Auch können langstielige Arbeitsgeräte sehr nützlich sein. Nach einer „Re-Fixierung“ (Meniskus-Naht, s. Tipp 9) muss der heilende Meniskus unbedingt viele Wochen lang geschützt werden. Die volle belastete Beugung des Kniegelenks ist frühestens nach acht Wochen erlaubt, die tiefe Hocke sogar frühestens nach 3–4 Monaten.
Stets sollte man beachten, dass Meniskus-Verletzungen keine Bagatelle sind, sondern zu einer späteren Kniearthrose führen können. Eine vernünftige Vorbereitung auf den geliebten Sport, wozu auch Aufwärmen und ein defensives Verhalten gehören, kann viele Verletzungen vermeiden helfen. Ab 40 sollte man stets auch die natürliche Alterung des Meniskus bedenken. Möglicherweise kann es bei Schreibtischarbeiten auch sinnvoll sein, ein ständiges Beugen der Knie zu vermeiden und stattdessen eine bewegliche Fußablage zu verwenden.