Tipps bei Kreuz-Darmbein-Arthrose

Da, wo die lang gestreckte Wirbelsäule am unteren Ende im Becken verankert ist, befinden sich zwei große, wichtige Gelenke, die vielen kaum bekannt sind: die Kreuz-Darmbein-Gelenke. Vom Arzt werden sie oft „Sakro-Iliakal“- oder „Ilio-Sakral“-Gelenke („ISG“) genannt. Neben verschiedenen entzündlichen Erkrankungen (z. B. Bechterewsche Krankheit) können auch Blockierungen und Arthrosen diese Gelenke betreffen. Sie können Ausgangspunkt für Schmerzen sein, die ausstrahlen und gelegentlich zu langwierigen Beschwerden führen. Im Folgenden möchten wir einen ersten Überblick über diese Gelenke geben und einige nützliche Tipps vorstellen.

1. Zwei Gelenke, die die ganze Wirbelsäule tragen

Unsere Wirbelsäule trägt Rumpf, Kopf und beide Arme und damit über die Hälfte unseres Körpers. Verankert ist diese Last in zwei Gelenken, die fast keine Beweglichkeit, sondern vor allem Tragefunktion haben. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, stehen den Kreuz-Darmbein-Gelenken wichtige Hilfen zur Verfügung: ihre besondere Form und Stellung sowie starke, kräftige Bänder, die helfen, diese Last abzufedern. Schmerzen treten meist erst auf, wenn weitere besondere Belastungen hinzukommen (siehe Tipps Nr. 2–4 und Nr. 11).

2. Hohe Belastung 1: Wirbelsäule

Zusätzlich hoch belastet werden die Kreuz-Darmbein-Gelenke durch Erkrankungen oder Formveränderungen der Wirbelsäule. So können Bandscheibenschäden sekundär zu Schmerzen in den Kreuz-Darmbein-Gelenken führen, die oft sogar noch andauern, wenn die Bandscheibenbeschwerden selbst schon wieder abgeklungen sind. Auch eine vermehrte Hohlkreuz-Haltung, wie sie bei Frauen häufiger vorkommt, kann diese Gelenke belasten und Beschwerden auslösen (bezüglich der Rundrückenhaltung, die ebenfalls Beschwerden auslösen kann, siehe Tipp Nr. 11).

3. Hohe Belastung 2: Hüftarthrose

Ebenso können sich auch Erkrankungen der Hüften auf die Kreuz-Darmbein-Gelenke auswirken. Es kommt durchaus vor, dass eine Hüftarthrose zunächst vor allem zu Schmerzen in den Kreuz-Darmbein-Gelenken führt: Durch die allmählich zunehmende Einsteifung des Hüftgelenks kann der Oberschenkel beim Gehen nicht mehr so weit nach hinten bewegt werden. Erst durch die zusätzliche Hohlkreuzverbiegung der Lendenwirbelsäule, die zu entsprechenden Schmerzen führt, lässt sich der Oberkörper aufrichten.

4. Hohe Belastung 3: Schwangerschaft

Bei Frauen (B) sind die Bänder der Kreuz-Darmbein-Gelenke meist deutlich dehnbarer als bei Männern (A). Bedingt durch das Schwangerschaftshormon „Relaxin“ kann diese Dehnbarkeit an den Kreuz-Darmbein-Gelenken noch erheblich zunehmen und sich ab dem 5. Schwangerschaftsmonat etwa verdreifachen (C). Auf diese Weise wird das Becken der Mutter auf die Geburt vorbereitet. Bei etwa 40% aller Schwangeren treten deshalb Beschwerden beim Gehen und Stehen auf, und es kann zu Blockierungen in diesen Gelenken kommen.

5. Symptome

Beschwerden in den Kreuz-Darmbein-Gelenken können sehr unterschiedlich sein. Typischerweise treten sie im Gelenk selbst auf und sind dann als dumpfe Schmerzen im Gesäß zu spüren. Sie können aber auch in die Rückseite des Beins oder nach vorn in die Leisten- und Schamgegend ausstrahlen. Auch Unterleibschmerzen bei Frauen werden manchmal durch diese Gelenke verursacht und erfordern dann eine orthopädische Untersuchung.

6. Wichtige Physiotherapie

Physiotherapie gehört zu den wichtigsten vom Arzt verordneten Maßnahmen. Das Erlernen einer besseren Steh- und Sitzhaltung und die Kräftigung der Bauch- und Gesäßmuskulatur stellen wichtige Bereiche dieser Therapie dar. Auch die Teilnahme an einer Rückenschule kann sehr sinnvoll sein. Experten empfehlen diese auch vor und nach dem Geburtstermin.

7. Injektionen

Viele Ärzte bestätigen immer wieder, dass neben anderen ärztlichen Maßnahmen auch Injektionen in und an diese versteckten Gelenke hilfreich sein können. Manche Spezialisten verwenden dabei rein schmerzhemmende Substanzen, andere fügen gern eine geringe Menge Cortison hinzu, wodurch die Wirkung manchmal verbessert wird. In bestimmten Fällen hält die Linderung mehrere Monate an. Auch die oft – zumindest vorübergehend – hilfreiche Chirotherapie („Einrenken“) lässt sich nach einer solchen Injektion vielfach leichter durchführen

8. Operationen nur äußerst selten

Die Mehrzahl der uns zur Seite stehenden Experten raten von einer Operation dieser Gelenke ab. Technisch sind Operationen der Kreuz-Darmbein-Gelenke sehr anspruchsvoll und führen doch meist nicht zur Beseitigung der Beschwerden. Statt geringer können die Beschwerden in vielen Fällen nach dem Eingriff sogar wesentlich größer sein. Operative Eingriffe werden an diesen Gelenken daher zurzeit nur äußerst selten durchgeführt.

9. „Becken-Gurt“ versuchen

Bei hartnäckigen Beschwerden kann eventuell ein „Becken-Gurt“ schmerzlindernd wirken. Diese schmale Spezialbandage, die nicht mit einem Lendengurt oder einem Stützmieder verwechselt werden darf, umspannt nicht den Bauch, sondern nur einen schmalen Streifen des Beckenbereichs. Besonders günstig könnte der „Serola Sacroiliac Belt“ (Serola Beckengürtel) sein. Er wird in zwei Schritten angelegt. Zuerst wird er vorne mit dem Klettverschluss geschlossen und dann von hinten mit zwei elastischen Zügen festgezogen.

10. Besser Seitenlage einnehmen

Wie bei Beschwerden der Lendenwirbelsäule (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 5 und Nr. 25) kann das Liegen auf dem Rücken in einer sogenannten „Stufenbettlage“ mit waagerecht hochgelegten Unterschenkeln sehr angenehm sein. Mit gestreckten Beinen hingegen führt die Rückenlage meist zu einer Zunahme der Beschwerden und sollte daher vermieden werden. Bei der Seitenlage kann ein Kissen zwischen den Knien verhindern helfen, dass das obere Bein einen zu großen Zug auf die Kreuz-Darmbein-Gelenke ausübt. 

11. Rückenkissen

Viele Ärzte betonen, dass das Sitzen auf einem zu weichen Sofa oder in zu weichen Autositzen auch für die Kreuz-Darmbein-Gelenke von Nachteil ist. Meist wird dabei die Lendenwirbelsäule stark nach hinten gekrümmt, wodurch die Bänder der Kreuz-Darmbein-Gelenke gedehnt und belastet werden. Eine entsprechende Abstützung der Lendenwirbelsäule durch ein festes Rückenkissen hilft, diese Überdehnung zu vermeiden.

12. Luftkissen kann manchmal nützlich sein

Von unserem Mitglied Herrn Helmut E. aus Eltville haben wir den Hinweis erhalten, dass er bei einer beidseitigen Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke gute Erfahrungen mit einem Luftring gemacht hat. Auch neuere Luftkissen, die man ohne Weiteres z. B. auf einen Bürostuhl legen kann, können sinnvoll sein. Ein Versuch mit diesen Hilfsmitteln kann sich lohnen. Luftkissen mit dem Namen „Sissel Sitfit“ einschließlich der zugehörigen Stoffbezüge (Hersteller: Firma Novacare, www.sissel.de) können über Sanitätshäuser oder z. B. auch über www.hexenschuss.de bezogen werden.