> Sie sind hier: Information | Hüfte | Hüft-Arthroskopie | INFO Nr. 123 

Praktische Tipps zur Hüft-Arthroskopie

Schon oft haben wir über die Methode der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) an Knie- und Schultergelenken berichtet. Heute wenden wir uns nun einer der jüngsten und erstaunlichsten Formen dieser anspruchsvollen Operation zu, nämlich der des Hüftgelenks. Das Überraschende daran betrifft sowohl die Patienten als auch die Operateure. Während viele von uns heute die meiste Zeit im Sitzen verbringen, fühlen sich andere getrieben, den Körper und damit die Gelenke immer höher zu belasten, gerade so, als ob dies unbegrenzt möglich sei. Beides aber führt oft zu Schäden an den Gelenken, die schmerzhaft sind und einer späteren Arthrose vorausgehen. Um diese Schäden zu behandeln, haben mutige Ärzte die Gelenkspiegelung so weiterentwickelt, dass sie – trotz großer Schwierigkeiten – auch am Hüftgelenk eingesetzt werden kann. Wann wird nun eine Arthroskopie auch am Hüftgelenk durchgeführt? Welchen Patienten kann damit geholfen werden, und was kann man selbst zum bleibenden Erfolg dieses anspruchsvollen Eingriffs beitragen?

1. Junge Patienten

Fast alle Experten berichten, dass unter ihren Patienten, bei denen sie eine Hüftgelenkspiegelung durchführen, auch auffallend viele junge Patienten sind. Nicht selten sind es sogar noch Schüler oder jedenfalls sehr junge Erwachsene. Fast immer treiben sie intensiv Sport, wie Fußball, Handball, Basketball, Eishockey, Karate oder Ballett. Meist haben sie auch bereits in sehr frühen Jahren mit ihrem Sport begonnen.

2. Erwachsene über 40 Jahre

Oft überkommt aber auch Menschen, die bereits über 40 Jahre alt sind, das Bedürfnis, sich und anderen zu beweisen, dass sie topfit sind. Dann versuchen sie viele Jahre, die sie zuvor keinen Sport getrieben haben, zu kompensieren. Jetzt heißt es für sie, nicht nur viel bewegen, spazierengehen oder Wanderungen unternehmen. Eine große Zahl von ihnen wendet sich vielmehr auch Extrembelastungen zu, wie z. B. Halbmarathon oder sogar Marathon zu laufen (also über 40 Kilometer am Stück). Damit setzen sie auch ihre Hüftgelenke höchsten Belastungen aus.

3. Plötzlicher Schmerz

Wenn Schäden am Hüftgelenk auftreten, können die Beschwerden ganz unterschiedlich sein. Sie können dumpf beginnen und sich unter Belastung immer weiter steigern. Bei Kontaktsportarten können sie aber auch plötzlich extrem heftig auftreten, sodass ein Weiterspielen unmöglich ist. Nur mit Unterstützung einer Hilfsperson kann der Spieler das Spielfeld verlassen. Zunehmende Aggressivität in manchen Sportarten wird oft auch von Profi-Trainern gefordert. Dies ist bedauerlich, da dies vielen Menschen ein falsches Vorbild gibt und zu wenig Rücksicht auf die Gesundheit der Spieler nimmt.

4. Nicht zu lange selbst behandeln

Wenn Schmerzen am Hüftgelenk auftreten – in welcher Form auch immer –, wird leider oft vergessen, dass dies die unterschiedlichsten Ursachen haben kann und eine sorgfältige Diagnose erfordert (siehe auch die Tipps Nr. 7 bis Nr. 10). Die beste Selbstbehandlung besteht deshalb darin, auf die übliche Einnahme von Schmerzmitteln zu verzichten. Und auch eine Sportpause genügt oft nicht. Viel klüger ist es, mit dem behandelnden Arzt die frühe Überweisung zu einem ausgewiesenen Hüft-Spezialisten zu vereinbaren.

5. Die Hüfte – das enge Gelenk!

Bei keiner anderen Gelenkspiegelung (Arthroskopie) muss so viel Kraft aufgewendet werden, um mit den feinen Spezialinstrumenten in das Gelenk-Innere zu gelangen. Um das Hüftgelenk gerade einmal um etwa 1,5 Zentimeter aufzuweiten, bedarf es eines speziellen Operationstischs. Mit einem besonderen gepolsterten Schuh wird der Fuß mit großer Kraft vom Körper weggezogen. Als Widerstand, der das Verschieben des gesamten Körpers verhindert, dient eine gepolsterte Halterung, die sich zwischen beiden Beinen im Bereich des Schritts befindet.

6. Lange Lernzeit für die Operateure

Ärzte, die sich auf die Hüft-Arthroskopie spezialisiert haben und ihren Patienten damit eine große „offene“ Operation ersparen, brauchen dafür eine außerordentlich lange Lernzeit von vielen Monaten, ja oft sogar von Jahren. Deshalb sind es in Deutschland auch nur rund ein Dutzend Zentren, in denen diese Operation regelmäßig in größerer Zahl durchgeführt wird. Ein Experte schildert es uns so: „Selbst erfahrene Oberärzte lasse ich diesen Eingriff nicht alleine durchführen, bevor ich nicht mindestens ein Jahr lang bei jeder Operation dabei gewesen bin und sie beraten und angeleitet habe.“

7. Abfräsen von Knochenauflagerungen

Die Hüft-Arthroskopie dient nicht der Arthrose-Behandlung. Vielmehr soll sie eine spätere Arthrose vermeiden helfen. Hierzu gehört auch das Abfräsen von Knochenauflagerungen, die sich am Schenkelhals oder am Hüftgelenkkopf gebildet haben. Bei bestimmten Bewegungen des Beins führen sie zu Einklemmungen an der Gelenkpfanne. Diese Einklemmungen nennen die Ärzte „Cam-Impingement“ (gesprochen: „kamm impinschment“). Sie führen nicht nur zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Auch schädigen sie den Gelenkknorpel des Hüftgelenks immer mehr.

8. Labrum-Risse

Die Ränder der Hüftgelenkpfanne enden nicht knöchern. Vielmehr besitzen sie eine knorpelige Fortsetzung, die ärztlich als „Knorpel-Lippe“ bezeichnet wird. Häufig verwendet wird auch der lateinische Ausdruck dafür, nämlich „Labrum“. Plötzlich einschießende scharfe Schmerzen in Kontaktsportsituationen können durch einen Riss im Labrum verursacht sein. Solche Labrum-Risse können heute von erfahrenen Arthroskopie-Operateuren wieder genäht und somit schließlich geheilt werden. Darüber kann man nur voller Dankbarkeit staunen.

9. Knorpelreparatur

Trotz des engen Gelenkspalts, der den Operateuren bei aller Kraftanwendung am speziellen Operationstisch zur Verfügung steht, gelingt es den Experten heute auch, isolierte, begrenzte Gelenk-Knorpelschäden im Inneren des Gelenks zu behandeln (siehe hierzu auch unser Kapitel zur Knorpelreparatur im ARTHROSE-INFO Nr. 100). Dass damit später in allen Fällen eine Arthrose vermieden werden kann, ist die große Hoffnung. Verlässliche Langzeit-Ergebnisse liegen hierzu aber leider noch nicht vor und erfordern dringend weitere Erforschung.

10. Freie Gelenkkörper

Aber nicht nur die in den Tipps Nr. 7 bis Nr. 9 genannten drei Operationsziele können eine Hüft-Arthroskopie rechtfertigen. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Gründe. Einer der naheliegendsten ist die Entfernung sogenannter „freier Gelenkkörper“. Mit deren Entfernung können Einklemmungen des Hüftgelenks bei bestimmten Bewegungen beseitigt werden, womit eine sofortige Besserung der Beschwerden erreicht werden kann.

11. Sofort viel bewegen – ohne Belastung

Nach einer Hüft-Arthroskopie bleiben die Patienten zunächst für einen oder mehrere Tage in der Klinik. Stets beginnt bereits dort die Nachbehandlung. Besonders wichtig ist dabei die von Physiotherapeuten angeleitete sofortige Bewegung des Gelenks. Nur so können Verklebungen und Einsteifungen vermieden werden. Auch zu Hause ist dies später sehr wichtig. Einige Experten bitten ihre Patienten, sich schon vor der Operation einen Heimtrainer anzuschaffen, damit die Bewegungsübungen gleich nach dem Nachhausekommen fortgeführt werden können.

12. Lange innere Heilungszeit

Bei der Hüft-Arthroskopie benötigen die Ärzte meist nur kleine Hautschnitte, um mit ihren Instrumenten und einer Kamera im Gelenkinneren operieren zu können. Diese kleinen Hautschnitte heilen in der Regel schnell und können dazu verführen, zu glauben, dass auch im Inneren des Gelenks die Heilung bereits abgeschlossen sei. Je nach Eingriff dauert die innere Heilung aber oft mehrere Wochen und in manchen Fällen auch viele Monate. Nur wenn die Patienten dies beachten und auf Belastungen verzichten, können sie zum Erfolg des Eingriffs wirksam beitragen und vollen Nutzen daraus ziehen.