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Praktische Tipps zu den künstlichen Gelenken

Für viele Menschen mit Arthrose ist das Einsetzen eines künstlichen Gelenks der größte chirurgische Eingriff ihres Lebens. Nur allzu verständlich sind daher die Sorgen, die man sich vor einer solch großen Operation macht, ganz gleich, ob sie an Hüfte, Knie, Schulter oder Sprunggelenk durchgeführt wird. Neben einer ausführlichen ärztlichen Aufklärung ist man auch für jeden noch so kleinen Hinweis von anderen Betroffenen dankbar. Rund hundert unserer Mitglieder, die selbst bereits ein künstliches Gelenk tragen, haben uns dankenswerterweise ihre persönlichen Empfehlungen übersandt. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Die bisherigen Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7 sowie Nr. 57, 58 und 59 möchten wir ebenfalls als wichtige Grundlage nochmals empfehlen.

1. Welche Jahreszeit ist die beste?

Große Sommerhitze kann nicht nur den Klinikaufenthalt, sondern auch die Wochen danach beschwerlich gestalten. Aber auch die Winterzeit hat Nachteile für diesen Eingriff. Frau Helma Z. aus Halle berichtet: „Vor dem ursprünglich geplanten OP-Termin im Januar graute mir wegen Eis und Schnee auf der Straße beim Neu-Laufenlernen. Ich war deshalb froh, als die OP auf das Frühjahr verschoben werden musste. So konnte ich im Park der Reha-Klinik prima meine Gehübungen machen.“ Frühjahr und Herbst sind meist die bevorzugten Zeiten für diese Operationen.

2. Untersuchungen schon vorher durchführen lassen

Wenn die meisten Voruntersuchungen schon ambulant durchgeführt werden, verkürzt sich der Klinikaufenthalt und man gewinnt kostbare Zeit. So schreibt Frau Karin S. aus Düsseldorf: „Die von mir gewählte Klinik bestellt ihre Patienten etwa sechs Wochen vor dem OP-Termin zu einer Anästhesie-Untersuchung ein. Hierzu sind bereits alle vom Hausarzt durchgeführten Untersuchungen zur Operationsfähigkeit mitzubringen. Dort wird dann die OP-Fähigkeit festgestellt. Falls noch Defizite entdeckt werden, ist noch genügend Zeit für eine ausgleichende Behandlung.“

3. Schon vorher aktiv werden

Kreislauf und Muskelkraft vorher zu trainieren hilft nicht nur, sorgenvolle Gedanken zu vertreiben. Gut trainiert zu sein beschleunigt auch die Erholung nach dem Eingriff und erleichtert die krankengymnastischen Übungen. „Je fitter man vorher ist, desto schneller geht’s mit der Reha“, bestätigt Frau Irmtraud G. aus Olsberg, und Frau Karin K. aus Hamm schreibt: „Ich war schon vor der OP in einem Sportstudio mit erfahrenen Physiotherapeuten.“ WICHTIG: Alle Übungen bitte unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen, damit eine Überlastung des Herzens sicher vermieden wird!

4. Anpassungen im Haushalt

Die Zeit vor der Operation ist auch günstig, um einige Anpassungen im Haushalt vorzunehmen. Ein Mitglied berichtet: „Ich habe bereits vor der OP die meisten meiner Schrankfächer umgeräumt, so dass ich Wäsche, Geschirr und einige schöne Bücher in Griffhöhe hatte, ohne den Zwang zum Bücken oder Leitersteigen. Auch habe ich meinen Kühlschrank auf einen Unterbau in Form einer Schuhkasteneinheit stellen lassen und mir sogar für die Bio-, Plastik- und Restmülleimer jeweils Unterbauten besorgt.“

5. Gehstöcke mit anatomischen Griffen

Eine weitere hilfreiche Vorbereitung auf ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk kann das Einüben des Gehens mit zwei Unterarmgehstützen sein. Wer die sichere Handhabung dieser Stöcke schon vor der OP einübt, kann sich später ganz auf das Gehen mit dem operierten Bein konzentrieren. Ein Mitglied ergänzt: „Wegen meiner kleinen Hände hatte mir mein Arzt schon vor der OP Unterarmgehstützen mit anatomischen Handgriffen verschrieben.“ Die besonders geformten Griffmulden passen sich weitgehend der Handform an und können das Gehen damit erleichtern.

6. Vorher besorgen: Strumpfanzieher

Nach dem Einsetzen einer künstlichen Hüfte oder eines künstlichen Knies benötigen viele Operierte zumindest für einige Zeit noch Hilfe beim Anziehen der Strümpfe. Meist sind sie daher dankbar, wenn sie hierzu ein einfaches Hilfsmittel verwenden können, dessen Handhabung jedoch erst ein wenig geübt werden muss. Es empfiehlt sich somit, diese „Strumpfanzieher“ schon vor der Operation verordnen zu lassen. Ergotherapeuten, Krankengymnasten oder die Mitarbeiter der Sanitätshäuser erklären gern die Handhabung, so dass man sie zu Hause sicher einüben kann.

7. Lange Schuhlöffel, gestielte Badebürste

Viele Patienten benötigen nach der OP auch besonders lange Schuhlöffel sowie zum Waschen der Füße eine gestielte Badebürste, mit der sie die Zehenzwischenräume leichter erreichen können. Diese einfachen Hilfsmittel sind ebenfalls in den Sanitätshäusern erhältlich. Viele Mitglieder empfehlen, sich diese praktischen Hilfen bereits vor der Operation zu besorgen und auch mit in die Klinik zu nehmen. So kann man die Benutzung einüben und wird schneller unabhängig.

8. Rutschfeste Schuhe mit Klettverschluss

Mitnehmen in die Klinik sollte man des Weiteren nicht nur Morgenmantel, Handtücher und Toilettenartikel. Auch wird man Schuhe mit rutschfester Gummisohle benötigen. Ein Mitglied beschreibt es so: „Wichtig sind passende Schuhe mit Klettverschluss, die sich durch Zustreichen mit dem gesunden Fuß schließen lassen. Ich brauchte zudem wegen meiner Spreizfüße geschlossene Halbschuhe mit flachem Absatz, in die ich meine Einlagen legen konnte.“ Auch elastische Schnürsenkel können hilfreich sein. Sie sind in allen Sanitätshäusern erhältlich. Auch Alltagskleidung nicht vergessen!

9. Eine Tasche zum Umhängen

Auch dieser kleine Hinweis kann nützlich sein: Wenn man in der ersten Zeit nach der Operation noch mit zwei Unterarmgehstützen gehen muss, hat man oft Schwierigkeiten, persönliche Dinge unterzubringen. Frau Renate P. aus Weimar betont daher: „Ich empfehle, auch eine Tasche zum Umhängen mit in die Klinik zu nehmen.“ So kann man die Geldbörse und andere wichtige Dinge sicher mitführen und hat dennoch beide Hände frei zum Gehen mit den Gehstützen. Die im ARTHROSE-INFO Nr. 66 beschriebene Bauchgürteltasche kann ebenfalls hilfreich sein.

10. „Bratwurst-Zange“ oder „Grill-Zange“

Von manchen Mitgliedern wird zu-dem das Mitnehmen einer großen „Bratwurst-Zange“ oder „Grill-Zange“ empfohlen. Mit diesem einfachen Hilfsmittel aus Holz oder Metall kann man kleinere Gegenstände aufheben, ohne sich tief bücken zu müssen. Dies kann eine kostengünstige und praktische Alternative zu der sogenannten „Helfenden Hand“ sein, die in Sanitätshäusern oder Baumärkten erhältlich ist.

11. Nicht vor der Reha nach Hause

Auch der Aufenthalt in der Reha-Klinik ist wichtig. Ein Mitglied berichtet: „Nach meinem Klinikaufenthalt hatte ich drei Wochen Anschluss-Reha in einer orthopädischen Reha-Klinik. Mit dem Auto wurde ich direkt von der OP-Klinik zur Reha-Klinik gefahren. Dort habe ich mit einer allein stehenden Dame gesprochen, die auf eigenen Wunsch nach der OP zuerst noch eine Woche nach Hause fuhr. Sie sagte, dass sie dort fast verzweifelt sei. Ich hingegen hatte meinen Reha-Koffer schon vor der Operation gepackt. Bekannte brachten ihn mir einen Tag vor der Verlegung in die Klinik.“

12. Nützliche Übungen

In der Reha-Klinik wird nicht nur die Funktion des neuen Gelenks geübt. Auch die benachbarten Gelenke sowie die Wirbelsäule müssen lernen, sich auf die neu gewonnene Beweglichkeit einzustellen. Die engagierte Teilnahme an der Krankengymnastik ist deshalb von größter Wichtigkeit. Dabei sollte man auch gezielt Übungen erlernen, die man selbst zu Hause fortführen kann. Durch diese Übungen zu Hause wird man die neu gewonnene Beweglichkeit voll ausschöpfen und den dauerhaften Erfolg der Operation aktiv in die eigene Hand nehmen können.