Praktische Tipps zur Gelenkspiegelung

Mit einer kleinen Kamera direkt in ein Gelenk hineinsehen und dabei gleichzeitig wichtige Operationen durchführen zu können, ist einer der größten medizinischen Fortschritte überhaupt. Was aber sollte man vor einem solchen Eingriff bedenken, und wie verhält man sich nach einer Gelenkspiegelung („Arthroskopie“) richtig? Auch zu diesem wichtigen Thema haben uns viele Mitglieder dankenswerterweise ihre persönlichen Erfahrungen übersandt. Zusammen mit den bisherigen Praktischen Tipps in den ARTHROSE-INFOS Nr. 10 und 20 können sie den Erfolg des Eingriffs unterstützen. Für die freundliche Überprüfung und Ergänzung der Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich.

1. Sorgfältig begründen

Die Gelenkspiegelung zählt zu den elegantesten Eingriffen überhaupt. Operieren zu können, ohne ein Gelenk vollständig öffnen zu müssen, war ein alter Traum von Patienten und Ärzten. Dennoch stellt dieses Verfahren hohe Anforderungen an die Erfahrung und Geschicklichkeit des Operateurs und kann durchaus – wenn auch selten – zu gefährlichen Komplikationen führen, wie z. B. Thrombosen und Infektionen. Wie jede andere Operation muss sie daher sorgfältig begründet sein. Im Zweifelsfall sollte man zuvor die Meinung eines weiteren, besonders erfahrenen Arztes einholen.

2. Auch bei Arthrose?

Allein schon die Durchführung einer Arthroskopie mit der damit verbundenen Spülung und Nachbehandlung des Gelenks kann Arthroseschmerzen für mehrere Monate vermindern helfen. Seit aber bekannt ist, dass dabei auch psychologische Faktoren wirksam sind („Placebo-Effekt“), gilt: Vor allem wenn Blockaden des Gelenks auch vorkommen, ist die Spiegelung heute bei Arthrose begründet. Wie weit neue arthroskopische Verfahren, die sich noch im Prüfungsstadium befinden, langfristig Erfolg haben werden, ist noch nicht entschieden.

3. Die ersten 14 Tage noch nicht selbst Auto fahren

Kuppeln und Bremsen benötigen oft mehr Kraft, als man vermuten würde. Plötzliche Schmerzen oder eine Schwäche im operierten Bein können daher zu lebensgefährlichen Situationen führen. Meist wird deshalb empfohlen, in den ersten zwei Wochen nach einer Arthroskopie noch nicht selbst Auto zu fahren, sondern sich von Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn fahren zu lassen. Erst wenn der Arzt dies gestattet und man auf einem Parkplatz oder in der Garage ein kräftiges Bremsen und Kuppeln durchführen kann, darf man selbst wieder fahren.

4. Heimfahrt: nur in Begleitung, nur im Pkw

Auch die Heimfahrt nach dem Eingriff sollte man gut planen und dabei auf öffentliche Verkehrsmittel, wie Bus, Straßenbahn oder Bahn, unbedingt verzichten. Nur zu leicht könnten sonst hohe Stufen zu gefährlichen Hindernissen werden, und nicht selten würde man sich beim Ein- und Aussteigen von anderen Passagieren bedrängt fühlen. Die Heimfahrt sollte deshalb stets in Begleitung z. B. im Taxi bzw. im privaten Pkw erfolgen, so dass man sich beim Ein- und Aussteigen genügend Zeit lassen kann, wie auch unser Mitglied Herr Hermann G. aus Übach empfiehlt.

5. Teilbelastung oder Vollbelastung?

Darf man das gespiegelte Gelenk gleich wieder voll belasten? Dies wird meist nicht empfohlen, da durch die Spülung auch die Gelenkschmiere entfernt wurde. Erst wenn sich diese nach einigen Tagen wieder neu gebildet hat, vermindert sich die Reibungsbelastung der Knorpeloberfläche. Wie lange eine Teilentlastung oder gar eine vollständige Entlastung insgesamt notwendig ist, richtet sich nach der durchgeführten Operation und kann nur vom Operateur entschieden werden. Schon vor dem Eingriff sollte man dies sorgfältig besprechen und einplanen.

6. Lymphdrainage

Nicht selten kommt es nach einer Gelenkspiegelung noch zu einer Anschwellung des Gelenks. Wie immer helfen dann abschwellende Maßnahmen, wie z. B. Entlasten, Hochlagern und Kühlen (z. B. mit Eiswürfeln in einem Plastikbeutel, geschützt durch ein Handtuch). Aber auch eine Lymphdrainage (eine besondere Gewebsmassage, die von Physiotherapeuten durchgeführt wird) kann hilfreich sein. Frau Ursula G. aus Hannover berichtet: „Danach bekam ich Lymphdrainagen, mein Knie wurde dünner, und die Beweglichkeit wurde von Tag zu Tag besser.“

7. Fußmassage?

Frau Ilona F. aus Rosdorf empfiehlt eine weitere Methode, mit der sie persönlich gute Erfahrungen gemacht hat: die Reflexzonenmassage des Fußes. Dabei nimmt man an, dass bestimmte Zonen der Fußsohle eine harmonisierende und muskelentspannende Wirkung auf Teile des übrigen Körpers haben. Als Kniezone gilt ein Areal in der Nähe des Außenknöchels. Therapeuten, die diese alternative Massage anwenden, erwarten davon eine hilfreiche Wirkung auch bei Beschwerden im Knie. Gegen einen Versuch mit dieser Methode dürfte nichts einzuwenden sein.

8. Retterspitz – Äußerlich

Wenn die Anschwellung nach Ende der Wundheilung – also nach etwa zwei Wochen – noch weiter besteht, kann man mit Zustimmung des Arztes auch Umschläge mit „Retterspitz-Äußerlich“ versuchen. Frau Dr. Anita K. aus Frankfurt/M. empfiehlt „bei Anschwellen des Knies über Nacht Retterspitz-Äußerlich-Umschläge.“ Dieses alte Naturheilmittel enthält u. a. Arnika-Tinktur. Erhältlich ist es rezeptfrei in allen Apotheken in 350-ml- bzw. Ein-Liter-Flaschen. Auch Quarkumschläge mit gekühltem Magerquark können nützlich sein (s. INFO 61, S. 9 und INFO 62, S. 14).

9. Nicht zu viel Bohnenkaffee?

Herr Fred W. aus Frankfurt/M. empfiehlt zudem: „Den ganzen Tag über Bohnenkaffee trinken, ist nicht gut“ und weist auf die mögliche vermehrte Säurebildung hin. Obwohl Bohnenkaffee keine Wirkung auf den Harnsäurespiegel zu haben scheint, könnte zu viel Koffein bei manchen Menschen dennoch den Heilungsvorgang ungünstig beeinflussen. Auf Koffein – und Nikotin! – in dieser Zeit weitgehend zu verzichten und Kräuter- bzw. Früchtetees zu bevorzugen, kann auch die Durchblutung verbessern helfen und für die Heilung positiv sein.

10. Wichtige Krankengymnastik

Von großer Bedeutung kann nach einer Gelenkspiegelung auch die physiotherapeutische Nachbehandlung sein. Sie hilft, das Ergebnis zu sichern, die Muskelkraft gezielt aufzubauen und Schmerzen im Gelenk wirksam zu vermindern. Frau Heidrun L. aus Hemmingen betont, wie empfehlenswert es ist, „sich schon vor der OP um eine krankengymnastische Betreuung zu kümmern, die sich nahtlos anschließen sollte.“ Auch Übungen der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson (Buchtipp in INFO Nr. 63) können dabei unterstützend empfohlen werden.

11. Übung 1 – in Rückenlage

Sobald ärztlich erlaubt, kann man zu Hause auch diese einfache Übung in Rückenlage durchführen:

  1. das gesunde Bein wird gebeugt, der Fuß ruht auf der Unterlage;
  2. auf der operierten Seite wird bei noch gestrecktem Knie zuerst nur der Fuß angezogen;
  3. dann das operierte Bein mit gestrecktem Knie und angezogenem Fuß langsam anheben und leicht auf- und abbewegen.

Dabei bis fünf zählen, dann das Bein wieder ablegen und zehnmal wiederholen. Diese Übung am besten morgens und abends im Bett durchführen.

12. Übung 2 – in Seitenlage

Danach schließt sich die folgende Übung an: Man legt sich auf die gesunde Seite, das operierte Bein liegt oben:

  1. beide Beine sind gestreckt;
  2. das operierte Bein wird nun langsam angehoben (wenn dies zu anstrengend ist, darf man es anfangs auch anbeugen);
  3. man bewegt das angehobene Bein leicht auf und ab und zählt dabei bis fünf. Danach wird es wieder abgelegt.

Auch diese Übung zehnmal wiederholen. Beide Übungen helfen, die Muskeln zu kräftigen und Beschwerden zu vermindern.