Praktische Tipps für die Gelenkspiegelung

Die Gelenkspiegelung, auch „Arthroskopie“ oder „arthroskopische Operation“ genannt, kann nicht nur Bewegungshindernisse beseitigen, sondern damit auch eine erstaunliche Besserung der Beschwerden bewirken. Für viele Betroffene ist sie deshalb eine sehr wirksame Form der Schmerzverminderung geworden. Wie lange diese Wirkung anhält, hängt aber auch vom eigenen Verhalten ab. Im Folgenden geben wir einen Überblick über den aktuellen Wissensstand und nennen einige wichtige Tipps für das eigene Verhalten.

1. Der entscheidende Vorteil

Das schmerzende Gelenk im Inneren genau betrachten und untersuchen zu können, war ein alter Traum der Ärzte. Seit dies durch meist zwei bis drei winzige Öffnungen von wenigen Millimetern möglich wurde, kann dies sogar schneller und präziser durchgeführt werden als bei einer normalen, großen Öffnung des Gelenks. Die winzigen erforderlichen Öffnungen sind der größte Vorteil dieses Verfahrens und bedingen eine rasche Heilung und nur minimale, kaum sichtbare Narben.

2. Bilder auf dem Fernsehschirm

In den wenigen Jahren ihrer Entwicklung wurde die Gelenkspiegelung ständig verfeinert und verbessert. Heute ist der Einsatz moderner Mikrokameras üblich. Über diese werden die Bilder aus dem Gelenk auf große Farbmonitore übertragen. Dies erlaubt ein besonders übersichtliches Arbeiten und eine systematische Beurteilung aller Teile des Gelenks. Auch kann die Gelenkspiegelung wie ein Fernsehfilm zur Dokumentation aufgezeichnet werden. Einzelne Bilder können auch dem Patienten zur Verfügung gestellt und mitgegeben werden.

3. Danach gleich nach Hause?

Die Gelenkspiegelung wird heute oft ambulant durchgeführt, und man kann anschließend gleich wieder nach Hause gehen. Dies ist ein weiterer großer Vorteil der Gelenkspiegelung. Allerdings gibt es auch Kliniken, die die frühe Nachbehandlung bevorzugt stationär durchführen, wenn der Patient alleine in seiner Wohnung lebt und wenn Angehörige oder Freunde ihn nicht versorgen können. Eine stationäre Behandlung ist auch dann empfehlenswert, wenn gleichzeitig Operationen am Gelenkknorpel oder der Gelenkschleimhaut durchgeführt worden sind und eine längere reduzierte Belastung des Gelenks notwendig ist. In anderen Fällen ist es aber möglich, in Begleitung eines Angehörigen gleich nach dem Eingriff wieder nach Hause zu gehen.

4. Welche Gelenke können gespiegelt werden?

In knapp 60% aller Fälle wird die Gelenkspiegelung am Kniegelenk durchgeführt. Die übrigen rund 40% verteilen sich auf die anderen großen Gelenke. Hierzu zählen das Schultergelenk, das Sprunggelenk, das Handgelenk und das Ellbogengelenk. An der Hüfte wird eine Gelenkspiegelung nur selten erforderlich. Mittlerweile können auch kleinere Gelenke an den Fingern und sogar Zehen gespiegelt werden.

5. Ziel I: Frühe und genaue Diagnose

Seit ihren frühesten Anfängen dient die Gelenkspiegelung auch der Erstellung einer exakten Diagnose. So wird sie oft dann vorgenommen, wenn die ärztliche Untersuchung und das Röntgenbild sowie heute oft auch die Kernspin-Aufnahmen keine eindeutigen Erkenntnisse liefern. Dies ist oft der Fall im frühen und mittleren Stadium von Knorpelschäden (zum Beispiel an der Kniescheibe), die relativ lange im Röntgenbild „stumm“ bleiben. Bei der Gelenkspiegelung sind sie aber leicht zu erkennen und in ihrer Ausdehnung exakt zu bestimmen. Heute überwiegt die Arthroskopie als Behandlungsmaßnahme. Die rein diagnostische Arthroskopie sollte Ausnahmefällen vorbehalten sein.

6. Ziel II: Beseitigung von Blockierungen

Die gründliche Ausspülung der Gelenkflüssigkeit und die Beseitigung von Bewegungshindernissen kann eine erstaunliche Besserung der Beschwerden bewirken. Dadurch werden zahlreiche kleinere und größere Knorpelteilchen, die sich abgelöst haben und sich in der Gelenkflüssigkeit befinden, entfernt. Hierdurch wird eine wichtige Ursache der Gelenkentzündungen und Gelenkblockierung beseitigt. Die damit erzielte Besserung hält oft mehrere Monate bis Jahre an.

7. Knorpelglättung – nur ganz sparsam

Während Knorpelglättungen in den Anfangsjahren der Gelenkspiegelung relativ großzügig durchgeführt worden sind, ist man heute bestrebt, den Knorpel so weit wie möglich zu erhalten. Entfernt werden heute vor allem solche Teile, die sich bereits abgelöst haben oder deren Loslösung nur noch eine Frage der Zeit ist. Durch diese Entfernung wird ein Fortschreiten des Knorpelschadens oft verhindert oder zumindest verlangsamt.

8. Die sogenannte „Abrasio“ von Dr. Johnson

Den Arbeiten des amerikanischen Arztes Dr. Lanny Johnson war eine weitere Methode der Arthrosebehandlung zu verdanken. In Fällen, in denen der Gelenkknorpel bereits ganz verloren und abgerieben war, fand er, dass ein Nachwachsen eines Ersatzknorpels möglich sei. Durch ein sehr sparsames Abtragen einer feinen, oberflächlichen Schicht des Knochens werden kleine Gefäßkanäle in diesem Knochen geöffnet, aus denen der Ersatzknorpel nachzuwachsen schien. In der Wachstumszeit des neuen Knorpels durfte das Gelenk 2 Monate überhaupt nicht belastet werden. Wegen zu geringer Erfolgsaussichten wird dieses Verfahren heute aber von den meisten Spezialisten nicht mehr empfohlen.

9. Wichtig zu wissen: keine Bagatelle

Erfahrung gibt Sicherheit. Trotz der Vorteile und der großen Fortschritte ist die Gelenkspiegelung keine Bagatelle und nur scheinbar eine einfache Methode. Sie ist technisch anspruchsvoll und kompliziert und sollte nur von erfahrenen Experten vorgenommen werden, die eine ständige Übung in der Durchführung haben. In der Hand des Erfahrenen sind wesentliche Komplikationen relativ selten und treten nur in unter 1 Prozent der Fälle auf.

10. Nur ein Gelenk auf einmal

Aus Gründen der Vorsicht aber – und auch um eine gute Nachbehandlung zu ermöglichen – gilt für viele Experten die wichtige Regel: „Nie zwei Gelenke gleichzeitig spiegeln – stets nur ein Gelenk auf einmal.“ Diese Regel dient zumindest als Orientierung. Ausnahmen sind jedoch möglich, wenn eine gute Nachsorge gesichert ist.

11. Die gute Nachbehandlung

Der Erfolg der Gelenkspiegelung hängt in hohem Maße auch von der Nachbehandlung ab. Hierzu gibt es einige Grundsätze: 

  1. Häufiges Durchbewegen des Gelenks ohne Kraftanwendung fördert die Regeneration des Knorpels. Dies sollte mehrfach am Tag systematisch durchgeführt werden. Manche Zentren verordnen hierzu in seltenen Fällen Bewegungsgeräte (1). 
  2. Nach manchen Eingriffen kann eine längerdauernde Schonung erforderlich sein. Hieran schließt sich dann meist eine Phase der langsam ansteigenden Teilbelastung an. 
  3. Vorsichtiges Muskelaufbauprogramm durch professionelle Krankengymnastik (2). 

Alle diese Maßnahmen sollten stets nur entsprechend der Anordnung des Operateurs durchgeführt und bereits vor dem Eingriff mit dem Patienten besprochen und eingeübt werden. Auch müssen Schmerzen beim Üben absolut vermieden werden.

12. Sport als Therapie

In vielen Fällen ist Sport in bestimmter Form nicht nur erlaubt, sondern sogar eine wichtige Therapie. Meist gilt als Orientierung die Regel: „Fahrrad oder Heimtrainer sowie Schwimmen ja – Laufen und Joggen nein.“ Dies entspricht der Grundregel „Bewegen ja – Belasten nein.“ Im Einzelfall muss dies jedoch mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.