Wie bereits im ARTHROSE-INFO Nr. 10 beschrieben, hat die Gelenkspiegelung („Arthroskopie“) eine große Verbreitung gefunden. Inzwischen ist sie die häufigste orthopädische Operation an den Gelenken überhaupt. Gern möchten wir daher im Folgenden über den neuesten Wissensstand informieren und einige weitere nützliche Hinweise geben. Als Grundlage dieser Darstellung seien auch die früheren Tipps nochmals bestens empfohlen.
Die Gelenkspiegelung ist die mit Abstand häufigste orthopädische Operation. Während anfangs nur etwa jeder zehnte Eingriff am Gelenk mit diesem Verfahren erfolgte, so ist er heute häufiger als jede andere Methode. Die Möglichkeiten der bildlichen Darstellung des gesamten Gelenkinnenraums, die einfache und rasche Durchführbarkeit und das nahezu vollständige Fehlen einer größeren Operationswunde haben dazu beigetragen, dieses moderne Verfahren außerordentlich populär zu machen.
In manchen Ländern, wie z. B. der Schweiz und den USA, wird die Gelenkspiegelung heute üblicherweise nicht mehr stationär, sondern fast ausschließlich ambulant in der Praxis oder einem ambulanten Operationszentrum durchgeführt. Auch bei uns hat sich dieses Vorgehen zunehmend verbreitet und kann in vielen Fällen empfohlen werden. Beide Vorgehensweisen haben aber ihre eigenen Vorteile. Die stationär in der Klinik durchgeführte Spiegelung kann oftmals die Nachbehandlung erleichtern und ist besonders auch bei „ängstlichen“ oder alleinstehenden Patienten zu empfehlen.
Wenn andere Behandlungsverfahren bei Arthrose allein nicht helfen und keine bleibende Besserung bringen, wurde gelegentlich eine Gelenkspiegelung mit Spülung versucht. Eine vollwertige dauerhafte Alternative zum künstlichen Gelenk ist sie aber nicht. Ihre größten Erfolge bei der Arthrose erzielt sie, wenn sogenannte mechanische Hindernisse, wie z. B. Meniskuslappen, teilabgelöste Knorpelanteile oder freie Gelenkkörper, entfernt werden. Die alleinige Arthrose ist keine Indikation für eine Arthroskopie.
Meist kann eines der folgenden Anästhesieverfahren infrage kommen: (1) Betäubung der Beine insgesamt, (2) kurze Vollnarkose. Werden die Beine insgesamt betäubt (sogenannte Leitungs- oder Spinal-Anästhesie), bleibt man wach und kann z. B. während des Eingriffs am Monitor bei der OP zusehen oder Musik hören. Beide Verfahren werden heute sowohl ambulant als auch in der Klinik eingesetzt.
Die Gelenkspiegelung ist ein kleiner Eingriff und dauert oft nur zwischen 10 und 30 Minuten. Auch wenn die Einpflanzung eines künstlichen Gelenks im hohen Alter in bestimmten Fällen zu risikoreich ist, kann man in seltenen Fällen eine Gelenkspiegelung zur Beseitigung von Blockaden versuchen. Eine eigentliche Altersgrenze für dieses Verfahren gibt es nicht. Sie kann bei Jüngeren und Älteren gleichermaßen durchgeführt werden.
Während der Arthroskopie werden vom Arzt nur solche Maßnahmen durchgeführt, mit denen Sie sich vorher im Einzelnen einverstanden erklärt haben. Vor der Unterschrift sollten besonders auch die folgenden Punkte bedacht werden: Ist eindeutig besprochen, dass nur ein Gelenk auf einmal gespiegelt wird? Sind Sie darüber informiert, wie lange das Gelenk nach dem Eingriff entlastet werden muss (siehe auch Tipp Nr. 11)? Wichtig: Je besser Sie über die zu erwartende, voraussichtliche Nachbehandlung informiert sind, umso erfolgreicher ist dieser Eingriff.
Die Instrumente für die Gelenkspiegelung sind in den letzten Jahren ständig verbessert worden. Oft musste dabei aber auch manche frühere Überzeugung wieder korrigiert werden. In Zeitungsberichten über den Einsatz von „Laser“- Strahlen wurde leider vergessen, dass der Wert dieses Verfahrens bei der Arthrose medizinisch nicht begründet werden konnte. Es sind sogar bereits schwerwiegende Komplikationen durch Laser-Anwendung beobachtet worden, so dass heute bei Arthrose keine Laser mehr ein gesetzt werden
Bei der Arthrose dient die Gelenkspiegelung heute nicht mehr nur der intensiven Spülung. Durch die große Flüssigkeitsmenge von einigen Litern werden alle im Gelenk störenden Partikel und Knorpelreste zwar entfernt und die Entzündungsprozesse der Gelenkschleimhaut beruhigt. Es wird aber angenommen, dass diese Behandlung, die in sechzig Prozent der Fälle eine Besserung der Beschwerden bewirken kann, vermutlich vor allem psychologisch wirkt (Placebo-Effekt). (Siehe ARTHROSE-INFO Nr. 56, Seite 15)
Während der Gelenkspiegelung können auch Knorpelfetzen, die die Bewegung blockieren, äußerst sparsam entfernt werden, ebenso auch kleinere Bezirke der entzündeten Schleimhaut. Diese Maßnahmen scheinen manchmal Vorteile zu bringen. In etwa 60% findet sich eine länger anhaltende Besserung; in 40% ist sie nur von kurzer Dauer. Zumindest kurzfristig können die Ergebnisse aber auch günstiger sein.
Beim Verfahren nach Dr. Johnson (ARTHROSE-INFO Nr. 10) musste das behandelte Gelenk danach oft monatelang mit Stockstützen entlastet werden. Darin lag eine große Einschränkung dieser Methode. In manchen Fällen schien sie aber eine Neubildung des Knorpels zu bewirken. Dieses Verfahren ist heute aber wegen geringer Erfolgsaussicht weitgehend verlassen worden. Stattdessen werden andere Verfahren, wie Mikrofrakturierung, Mosaikplastik und Knorpelzelltransplantation, angewendet und weiter erforscht.
Einheitliche Regeln gibt es bis heute nicht. Für das Kniegelenk können die folgenden Zeiten aber als Orientierung gelten: Wenn bei der Gelenkspiegelung gespült und gleichzeitig kleinere mechanische Hindernisse abgetragen wurden, werden meist nur für wenige Tage (1–3 Tage) ein oder zwei Gehstützen benötigt. Nach einer Glättung von größeren Flächen betrug die Entlastungszeit insgesamt mehrere Monate. In allen Fällen empfiehlt es sich, die vom Arzt empfohlene Schonung vorher zu erfragen und sorgfältig einzuhalten.
Für die Nachbehandlung nach der Gelenkspiegelung ist Bewegung hilfreich und förderlich. Meist wird sie daher in Form von Krankengymnastik verordnet. Diese orientiert sich an den Grundsätzen der „Bewegung ohne Belastung“ und der „Verbesserung der Beweglichkeit“. In der Regel wird sie für mindestens zwei Wochen durchgeführt. Bis dahin sollte auf Sport verzichtet werden. Später sind Schwimmen und Heimtrainer fahren besonders zu empfehlen. In allen Fällen gilt: Bewegen ist besser als Belasten. Ein behutsamer Muskelaufbau sollte ebenfalls unter krankengymnastischer Anleitung erfolgen.