Eine Gelenkspiegelung („Arthroskopie“), bei der der erfahrene Arzt durch eine kleine Öffnung in das erkrankte Gelenk schaut und dabei Operationen durchführen kann, ist eine scheinbar einfache Methode. Damit der Eingriff erfolgreich ist, sollte man aber selbst einige wichtige Hinweise beachten. Viele Mitglieder haben uns deshalb auch hierzu wieder ihre persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen am Beispiel des Kniegelenks übersandt, von denen wir nachfolgend eine Auswahl vorstellen möchten. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir auch unseren Experten sehr herzlich. Die früheren Praktischen Tipps zu diesem Thema in den ARTHROSE-INFOS Nr. 10, 20 und 70 möchten wir als wichtige Grundlage nochmals empfehlen.
Gelenkspiegelungen, medizinisch „Arthroskopien“ genannt, können in leichteren Fällen ambulant durchgeführt werden. Dies bedeutet, dass man nach dem Eingriff noch am gleichen Tag wieder nach Hause kann. Frau Marianne B. aus Küssaberg berichtet: „Ich hatte große Schmerzen mit meiner Kniearthrose. Vor drei Jahren habe ich eine Arthroskopie ambulant durchführen lassen und bin bestens zufrieden.“ Frau Ilse B. aus Bedburg bestätigt: „Vor acht Jahren habe ich meine erste Kniegelenk-Spiegelung ambulant durchführen lassen und war nach sechs Wochen wieder topfit.“
Andere Mitglieder empfehlen, den Eingriff stationär durchführen zu lassen: „Man ist dann von viel Verantwortung entbunden, außerdem erfolgen oft noch am OP-Tag die erste Lymph-Drainage und die erste Krankengymnastik.“ Weiter heißt es: „Zu Hause muss man sich sonst die Thrombose-Spritzen selbst geben, den Drainage-Schlauch muss man entfernen lassen, und man kann zusehen, wie man mit den Treppen fertig wird und wie man das Essen kocht. Ich befürworte deshalb, die Gelenkspiegelung stationär durchführen zu lassen!“, so u. a. Frau Silke S. aus Bürstedt.
Bei der Gelenkspiegelung wird der Arzt besonders auch auf den Zustand des Gelenkknorpels achten und diesen sorgfältig prüfen. Liegt der Knochen an einigen Stellen bereits frei und ungeschützt (Stadium IV)? Oder befinden sich die krankhaften Veränderungen nur in den oberen Schichten des Knorpels? Eine Erweichung und Vorwölbung des Knorpels wird als Stadium I, eine Rissbildung als Stadium II und ein oberflächlicher Substanzverlust als Stadium III bezeichnet. Auch muss die Lage der Erkrankung sowie die flächenhafte Ausdehnung festgehalten werden.
Nicht nur Schäden am Gelenkknorpel, sondern viele weitere Veränderungen sind für die Diagnose von Bedeutung. Hierzu gehört zunächst die Entdeckung von „freien Gelenkkörpern“, also von frei in der Gelenkflüssigkeit schwimmenden Knorpelteilchen, die zu Einklemmungen führen können. Ebenso fallen dem Untersucher entzündliche Veränderungen und Falten der Gelenkschleimhaut auf. Besonders wichtig ist auch die Erkennung von Schäden an den Kreuzbändern oder an den Innen- bzw. Außen-Menisken, die ebenfalls chronische Beschwerden verursachen können.
Mit einer Gelenkspiegelung kann aber nicht nur eine genaue Diagnose gestellt werden. Vielmehr werden vor allem auch therapeutische Eingriffe durchgeführt. Herr Günter J. aus Erkrath beschreibt: „Durch die Beseitigung von Verwachsungen, Gewebesträngen und knöchernen Vorwölbungen wurde wieder eine gute Freigängigkeit des Gelenks erreicht.“ Herr Hans-Joachim K. aus Berlin fügt hinzu: „Bei mir wurde eine sparsame Knorpel- und Meniskus-Glättung durchgeführt.“ Erfahrene Operateure können auch Bandverletzungen arthroskopisch behandeln.
Für den bleibenden Erfolg ist auch die sorgfältige Nachbehandlung über Tage, Wochen oder gar Monate äußerst wichtig. Ein schriftlicher Reha-Plan, den man mit nach Hause nehmen kann, sollte deshalb das abschließende Beratungsgespräch ergänzen. „Wichtig und hilfreich war für mich ein präziser Reha-Plan, aufgebaut nach dem Motto: Weniger ist mehr! Zu viel Ehrgeiz des Patienten kann sogar schädlich sein. Dies bestätigen Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis, wo man sich zu früh zu viel zugemutet hat“, so Herr Reinhold R. aus Zorneding.
Zur wirksamen Nachbehandlung gehört ebenso die Schonung des erkrankten Gelenks durch Teil-Entlastung. Frau Barbara H. aus Neuwied weist hierzu auf eine wichtige Beobachtung hin: „Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob man mit einem oder zwei Stöcken entlasten soll. Viele Ärzte und Physiotherapeuten raten dazu, entweder zwei Stöcke oder keinen zu nehmen.“ In der Tat ist es meist besser, zwei Stöcke gleichzeitig zu benutzen. Dies unterstützt eine aufrechte Haltung und verhindert eine zu hohe Belastung der Hand-, Schulter- und Wirbelgelenke.
In der postoperativen Physiotherapie wird nicht nur die volle Beugung des Gelenks langsam eingeübt. Auch auf die vollständige Streckung des Gelenks muss behutsam geachtet werden. Die anatomische Streckung ist dabei meist noch nicht erreicht, wenn Ober- und Unterschenkel eine gerade Linie bilden, was als „Neutral-Null-Linie“ bezeichnet wird. Voll gestreckt ist das Knie oft erst bei einer leichten Überstreckung von bis zu fünf Grad. Diese zusätzliche Streckung gibt dem Gelenk beim Stehen Halt und Sicherheit. Für diesen Hinweis danken wir auch Frau Waltraud S. aus Bad Buchau.
Unterstützt werden kann die weitere Heilung ebenfalls durch den Hinweis von Herrn Jürgen P. aus Marl: „Bei meinen Spaziergängen trage ich nur noch Schuhe mit Null-Absatz und stoßdämpfenden Sohlen der Firma BÄR. Diese Schuhe sind in BÄR-Fachgeschäften erhältlich.“ Null-Absätze oder Negativ-Absätze entlasten besonders das Kniescheiben-Gelenk und unterstützen den gesunden Bewegungsablauf beim Gehen. Adress-Angaben für kostenlose Informationen siehe ARTHROSE-INFO Nr. 78, Tipp Nr. 9). Auch Jogging-Schuhe können gut geeignet sein.
Nützlich bei Knie-Arthrose und nach einer Kniegelenk-Spiegelung kann auch das systematische Schützen des Gelenks bei allen Arbeiten zu Hause sein. „Um eine Überanstrengung zu vermeiden, erledige ich viele Hausarbeiten im Sitzen bzw. mit einer Stehhilfe (Bezug: siehe ARTHROSE-INFO Nr. 61, Tipp Nr. 9). Beim Bügeln stelle ich mir noch zusätzlich einen Kurzzeitwecker. Nach genau zehn Minuten ist Schluss, auch wenn nur noch zwei Teile zu bügeln sind“, betont Frau Ilse B. aus Bedburg. Dieser Hinweis kann für eine konsequente Schonung des Arthrose-Gelenks hilfreich sein.
Wenn Sie sich für den Eingriff entschieden haben, empfiehlt Frau Therese S. aus Boppard aus eigener Erfahrung: „Spätestens noch im OP-Saal sollte man sich vergewissern, dass das richtige Knie gespiegelt wird!“ Um Verwechslungen sicher zu vermeiden, wird der Operateur noch während des letzten Aufklärungsgesprächs die zu operierende Seite mit einem nicht abwaschbaren Filzstift deutlich sichtbar markieren. Wird dies trotz aller Sorgfalt einmal vergessen, kann man als Patient selbst um diese Markierung bitten.
„Hilfe für das Kniegelenk“ ist ein Buch, auf das uns Frau Barbara H. aus Neuwied hingewiesen hat. Es kann bei Knie-Arthrose und nach einer Kniegelenk-Spiegelung hilfreich sein. Sie schreibt: „Dies ist ein Buch, das vieles erklärt und mit Bildmaterial veranschaulicht.“ Auf 240 Seiten enthält es nützliche Hinweise zu den Bereichen „Diagnostik“, „Verletzungen und Erkrankungen“, „Behandlungsmöglichkeiten“ und „Alltag und Ernährung“. Wer sich diesem Taschenbuch widmet, kann darin so manchen weiteren Hinweis zur Linderung seiner Beschwerden finden.