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Tipps zur orthopädischen Radiotherapie

Im ARTHROSE-INFO Nr. 138 haben wir erstmals in das Thema RT (Radiotherapie) eingeführt und in Nr. 139 am Beispiel der Heberden-Arthrose ihre mögliche Bedeutung vorgestellt. Bevor wir uns in den kommenden Ausgaben der RT bei weiteren Arthroseformen zuwenden, möchten wir zunächst die vielen Weichteil-orthopädischen Anwendungen aufzeigen. Die Erfolge bei diesen Veränderungen helfen gleichzeitig auch, die Grenzen der RT zu verstehen und zu betonen, dass ihre Indikationen sorgfältig und präzise beachtet werden müssen. Für die Überprüfung und Ergänzung dieser Hinweise danken wir unseren Experten sehr herzlich und freuen uns auf alle weiteren Erfahrungsberichte unserer Mitglieder.

1. RT – das Schwert

Strahlen sind scharfes Geschütz. Symbolisch könnte man sie als „das Schwert“ bezeichnen. In über 100 ARTHROSE-INFOs haben wir bisher die vielen Möglichkeiten der Selbsthilfe zum Schutz der Gelenke beschrieben. Was aber, wenn jemand diese Tipps nicht befolgen kann? Wenn man nicht schonen und nicht entlasten kann? Wenn äußerliche Anwendungen das Entzündungsgewebe nicht erreichen können und Medikamente zu viele Nebenwirkungen haben? Dann empfehlen Ärzte als weitere Behandlung RT, die so einfach und elegant wirken kann.

2. Leitlinien

Die folgenden Beispiele orientieren sich an den offiziellen Leitlinien der DEGRO e.V., der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. Dabei handelt es sich um die Vereinigung der Radiotherapeuten, die sowohl onkologische, also bösartige, als auch gutartige Veränderungen mit RT behandeln. Ihre Leitlinien der Klasse „S2e“ sind besonders gut begründet. Das „e“ steht für „evidenzbasiert“. Das bedeutet, dass diesen Empfehlungen eine umfassende Beratung erfahrener Spezialisten und eine umfassende Analyse der wissenschaftlichen Fachliteratur zugrunde liegen.

3. Überschießende Wundheilung, Keloid

Eine typische Anwendung der RT erfolgt bei überschießender Narbenbildung nach Schnittverletzungen. Schon fast gleichzeitig mit dem Verletzungsschmerz und dem ersten Blutstropfen werden vom Körper Heilungszellen an die geöffnete Stelle gesendet, und es werden viele neue Zellen gebildet, die sofort mit der Abdichtung der Lücke beginnen und neues, belastbares Narbengewebe bilden. Sollte sich zeigen, dass zu viel neues Gewebe entstehen könnte, kann Radiotherapie hilfreich sein. Dies belegt: Angemessen dosierte Strahlen stoppen besonders wirksam rasch wachsendes junges Gewebe.

4. Dupuytren

Wenn sich in der Handinnenfläche erste derbe Verdichtungen und Stränge ertasten lassen, wird man dem oft nur wenig Beachtung schenken. Erst wenn die Veränderung weiter zunimmt und wenn Kleinfinger und Ringfinger sich nicht mehr ganz strecken lassen, wird man ärztlichen Rat einholen. Manchmal wird dann versucht, ob eine Vitamin-E-Einnahme den Prozess stoppt und ob andere Maßnahmen helfen. Im Frühstadium wird auch eine RT infrage kommen, die aber wegen der derben Bindegewebszellen („Fib roblasten/Myofibroblasten“) etwas höher dosiert werden muss.

5. Ellenbogen-Syndrom

Im Bereich des Ellenbogens kommen drei Knochen zusammen, nämlich der Oberarmknochen und die beiden Unterarmknochen (Elle und Speiche). Außerdem setzen hier die Sehnen langer Muskeln an, die zur Hand ziehen und diese bewegen. Manchmal wird der Ansatzbereich so empfindlich, dass selbst einfachste Belastungen unmöglich werden („Tennisellenbogen“). Feingeweblich finden sich dann nebeneinander Abbauvorgänge und Entzündungen. Wenn alle Versuche mit Entlastung, Bandagen etc. fehlschlagen, kann RT den ersehnten Erfolg bringen.

6. Bursitis trochanterica

Immer dann, wenn Sehnen um einen Knochen herum umgeleitet werden müssen – wie die Hüftmuskeln um den Hüftknochen („Trochanter“) –, schützt der Körper sie durch Schleimbeutel („Bursae“), die das Gleiten erleichtern. Wenn sie gesund sind, enthalten sie nur wenig feinschleimige Flüssigkeit. Entzündet sich ein Schleimbeutel („Bursitis“), so werden das Gleiten und damit bestimmte Bewegungen der Hüfte schmerzhaft. Die Wände der Bursa verdicken sich, und es bildet sich hochempfindliches, schnell wachsendes Entzündungsgewebe. Auch dagegen kann RT manchmal helfen.

7. Achillodynie

Bei jedem Schritt lastet das ganze Körpergewicht auf der Achillessehne. Je schneller man geht, umso höher wird sie noch zusätzlich durch die Beschleunigungsenergie belastet. Bei manchen Sportarten, die mit Sprüngen einhergehen, werden dadurch schnell Kräfte von über 300 kg erreicht. Aber auch Sehnen brauchen den gesunden Rhythmus von Belastung und Entlastung. Fehlt dieser Rhythmus, entzündet sich die Sehne im Ansatzbereich und schmerzt bei jedem Schritt. Sogar äußerlich an der Haut zeigen sich Veränderungen. Nach der RT sollte die Belastung nur langsam gesteigert werden.

8. Fersenschmerz – Plantar-Fasziitis

Im INFO Nr. 84 haben wir viele nützliche Tipps vorgestellt. Plötzlich einschießende, heftigste Schmerzen an der Fußsohle stoppen die Betroffenen und machen ein Weitergehen oft unmöglich. In gesunden Füßen sind das Fersenbein und die übrigen Knochen in einer Gewölbekonstruktion angeordnet. Diese wird zusammengehalten durch ein flächiges Sehnenband, die Plantarfaszie. Dort, wo dieses am Fersenknochen ansetzt, entsteht eine hohe Zugbelastung, die zur Entzündung führen kann. Dehnung der Wadenmuskulatur, Kühlen des Fußes, aber auch RT helfen auffallend gut.

9. Heterotope Ossifikation – Vorbeugung

Nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks besteht für manche Patienten das Risiko einer Verknöcherung in der Umgebung des neuen Gelenks. Dadurch wird die Beweglichkeit immer weiter eingeschränkt und ein wichtiges Ziel der Operation zunichtegemacht. Ob möglicherweise die Operationstechnik diese Knochenbildung begünstigt, ist noch längst nicht geklärt. Auch eine allgemeine Neigung zu Entzündungen wird als Ursache diskutiert. Bemerkenswert ist, dass die vorbeugende Radiotherapie die Neubildung von Knochen weitgehend verhindern kann.

10. Hinweis: RT bei Arthrose

Ab dem kommenden ARTHROSE-INFO wenden wir uns nun den Besonderheiten der RT bei Arthrose der verschiedenen Gelenke zu. Im Heft Nr. 141 werden wir diese Serie mit der Kniearthrose beginnen. Auch für diese gilt, dass ein Gelenk, in dem der Knorpel angegriffen ist – ganz gleich in welchem Schweregrad –, nicht voll belastet werden darf. Es ist wichtig, dies besonders auch bei Schmerzfreiheit, z. B. nach einer RT, zu beachten. Radiotherapie heilt das Arthrose-Gelenk nicht, sie schaltet aber bei Erfolg den Entzündungsschmerz aus. AUCH DAS IST SCHON VIEL!

11. Original Leitlinien sehr empfehlenswert

Die Erstellung der Leitlinien ist eine großartige gemeinnützige Leistung des Fachverbands der deutschen Radiotherapeuten. Sie erfordert eine sorgfältige Analyse der internationalen Fachliteratur, das Organisieren zahlreicher Besprechungen und Abstimmungen im Kreise der vielen beteiligten Spezialisten und das Verfassen einer ausgezeichnet strukturierten Dokumentation. Wir danken der DEGRO und den beteiligten Ärzten für diese Arbeit. Die Leitlinien sind im Original im Internet frei und kostenlos zugänglich (Scroll-Anleitung siehe Abbildung).

12. Bitte über Erfahrungen berichten

Wie froh wären Millionen von Menschen, wenn sie Schmerzen an den Gelenken nie hätten kennenlernen müssen. Und wie dankbar wären sie, wenn ihnen einmal besser geholfen werden könnte. Endlich wieder ein normales Leben führen! Endlich nicht mehr durch Schmerzen gebremst werden! Dafür braucht die Forschung Unterstützung. Wir danken für jeden Bericht an uns und an die behandelnden Ärzte. Wir sind sicher, dass diese alte „neue“ Methode RT noch wirksamer gemacht werden kann, wenn Indikationen, Dosis und einzusetzende Energie der Strahlen noch weiter präzisiert werden