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Neue praktische Tipps bei Kniearthrose

Diese neuen Hinweise sind als weitere Ergänzung zu unseren Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 1 und 11 gedacht, die bereits viele wichtige Grundlagen enthalten und die wir gern nochmals empfehlen möchten. Heute beschreiben wir u. a. einige Risikofaktoren, nennen häufige Begleitveränderungen mit Möglichkeiten der Behandlung und erläutern auch nützliche Übungen.

1. Ursachen-Typ 1: Überlastung

Wer über viele Jahre hinweg die Knie beruflich hoch belastet (z. B. als Fliesenleger) oder übergewichtig ist, hat ein bis dreifach erhöhtes Risiko, eine Kniearthrose zu entwickeln. Wenn eine Kniearthrose besteht, sollten daher knieende berufliche Tätigkeiten vermieden werden. Das Gleiche gilt für kniebelastende Sportarten (siehe Heft 11). Wer übergewichtig ist, kann durch eine beherzte Gewichtsabnahme besonders viel für die betroffenen Gelenke tun (siehe hierzu auch unser Kapitel auf Seite 4 – 6 in dieser Ausgabe).

2. Ursachen-Typ 2: Meniskus-Entfernung

Verletzungen des Kniegelenks werden leider meist unterschätzt. Wenn dabei ein Meniskus zerstört wird und wenn dieser in einer Operation ganz entfernt werden muss, entwickelt sich in vielen Fällen bereits nach wenigen Jahren eine Kniearthrose. Besonders beim Fußball, Handball, Volleyball und Skisport sollte man daher auch an seine Gesundheit denken und diese Sportarten nur defensiv und zurückhaltend ausüben. Einen gewissen Fortschritt haben neue, sogenannte meniskuserhaltende Operationen gebracht.

3. Ursachen-Typ 3: „O“- und „X“-Bein

„O“-Beine werden manchmal irrtümlich als besonders männlich und sportlich angesehen. Sie sind aber leider kein Ideal, sondern bergen das Risiko einer späteren Arthrose in sich, insbesondere nach Meniskus-Operationen. Auch „X“-Beine, die häufiger bei Frauen zu finden sind, können zu einer Arthrose der Kniegelenke führen. Wer „O“-Beine oder „X“-Beine hat, sollte daher mit hohen sportlichen Belastungen vorsichtig sein und auch berufliche Tätigkeiten meiden, bei denen dauerhaft schwere Lasten zu tragen sind.

4. Äußere Veränderungen bei Kniearthrose

Bei einer länger bestehenden Kniearthrose können auch die folgenden Einschränkungen auftreten: 

  1. Das betroffene Gelenk kann nicht mehr ganz gestreckt werden, 
  2. die Beugung des Kniegelenks ist nicht mehr vollständig möglich, 
  3. das Knie sieht zunehmend dicker und deformiert aus. 

Dies macht sich beim Gehen und Stehen sowie beim Hinsetzen und Anziehen besonders bemerkbar. Diese Einschränkungen können durch vorsichtige, aber systematische Übungen verzögert und auch gebessert werden (siehe auch „Die tägliche Gymnastik“ im ARTHROSE-INFO Nr. 15).

5. Der Erguss JPG zugeschnitten mit css Rahmen

Bei einer Arthrose wird fast immer vermehrt Gelenkflüssigkeit gebildet. Leider kann diese zusätzliche Gelenkschmiere den fehlenden Knorpel aber nicht ersetzen. Vielmehr führt sie zu einer weiteren Belastung des Gelenks, das durch die vermehrte Flüssigkeit aufgetrieben und oft prall gefüllt ist. Mit der Behandlung der Entzündungserscheinungen bildet sich auch die vermehrte Flüssigkeit zurück. Manchmal aber muss die Flüssigkeit auch abpunktiert werden, um die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu vermindern.

6. Was ist eine „Baker“-Zyste?

Oft verteilt sich die vermehrte Flüssigkeit nicht gleichmäßig im gesamten Gelenk, wie dies beim Erguss der Fall ist. Viel mehr sammelt sie sich im Bereich der Kniekehle in einer Art Blase an. Bei jedem Schritt und bei jeder Bewegung wird mehr und mehr Flüssigkeit in diese Zyste gepumpt, bis sie sich dann in der Kniekehle wie ein Knoten oder sogar Tumor bemerkbar macht. Operativ entfernt werden muss sie aber nur selten. Meist bildet sie sich zurück, wenn auch die übrigen Entzündungszeichen unter der Behandlung rückläufig sind. Gelegentlich ist bei starkem Druckgefühl eine Punktion der Zyste angezeigt

7. Heute noch Cortison?

Cortison ist ein sehr wirksames Medikament, das Schmerzen mit Entzündungszeichen erstaunlich rasch beseitigen kann. Leider können diese Injektionen aber dem Gelenk und auch dem übrigen Körper schaden, wenn sie zu oft und zu hoch dosiert erfolgen. Wenn es in bestimmten Fällen in der Arztpraxis dennoch eingesetzt wird, gilt heute, dass die Dosis möglichst gering sein sollte und dass die Anwendung mit längeren Pausen erfolgen sollte.

8. Packungen und Verbände

Sehr wirksam können bei akuten Entzündungen des Gelenks auch manche einfachen Mittel sein, die man zum Teil selbst zu Hause herstellen und anwenden kann. Hierzu gehören auch Packungen, die man sich aus gekühltem im Kühlschrank aufbewahrtem Speisequark anfertigt und die eine gute kühlende und abschwellende Wirkung haben können. So kann man eine fingerdicke Schicht davon auf dem entzündeten Gelenk verteilen, mit einer Frischhaltefolie abdeck en und dann eine elastische Binde darumwickeln. Besonders wirksam sind diese Verbände, wenn das Gelenk gleichzeitig gut entlastet wird, z. B. mit einer oder zwei Stockstützen für die Dauer von einer Woche.

9. Elektrotherapie

Seit vielen Jahren haben sich moderne, elektrotherapeutische Behandlungen in der Arztpraxis bewährt. Es sind dies u. a. die sogenannten Interferenzströme und die diadynamischen Ströme. Interferenzströme werden meist über vier Elektroden angelegt und führen nur selten zu Nebenwirkungen. Bei den diady namischen Strömen (zwei Elektroden) sind die Stromkonzentrationen an der Haut größer. Die Anwendung muss daher sorgfältiger dosiert und überwacht werden. Diese Therapieverfahren können auch abwechselnd eingesetzt werden.

10. Das „TENS“-Gerät für zu Hause

Dieses Elektrotherapiegerät für zu Hause zeigt bei vielen, aber leider nicht bei allen Menschen eine Wirkung. Wenn es hilft (in ca. 60% aller Fälle), kann die Schmerzmitteleinnahme auf ein Minimum reduziert werden. Manche Betroffene berichten sogar: „TENS ist das Einzige, was mir wirklich hilft, und hat keine Nebenwirkungen.“ In der Regel wird der behandelnde Arzt die Wirkung zunächst mit seinem eigenen Gerät testen. Wenn es gut anspricht, kann das Gerät dann zunächst zur Probe und schließlich langfristig auf Rezept verordnet werden.

11. Nützliche Übungen I

Die folgende Übung kann helfen, die Muskulatur behutsam zu kräftigen und die Streckfähigkeit zu erhalten: 

  1. bequem auf den Rücken legen; 
  2. das gesunde Knie wird angezogen und der Fuß bequem abgesetzt; 
  3. jetzt wird das arthrosebetroffene Bein gestreckt angehoben, bis die Ferse etwa 30 cm von der Unterlage entfernt ist, und gleichzeitig die Fußspitze hochgezogen und sieben Sekunden lang so gehalten. 

 

Nach einer kurzen Pause (7 Sekunden) wird diese Übung dann mehrmals wieder holt. Gesamtübungsdauer ca. 7 Minuten.

12. Nützliche Übungen II

Wenn gleichzeitig auch Hüfte oder Lendenwirbelsäule betroffen sind, die Kniescheibe aber gesund ist, empfiehlt sich eher die folgende Übung: 

  1. bequem auf einen Stuhl setzen; 
  2. das arthrosebetroffene Knie wird jetzt langsam gestreckt, die Fußspitze angezogen und für 7 Sekunden gehalten. Danach wird diese Übung noch 10-mal wiederholt. 
  3. später kann eine Gewichtsmanschette den Trainingseffekt verstärken (z. B. Typ „Energetics“ – 0,5 Kilogramm, ein Paar ab EUR 9,99 in allen Sport- und Sanitätsfachgeschäften erhältlich).

Viele weitere wertvolle Übungen – auch zur Dehnung – können in der Krankengymnastikpraxis erlernt werden.