Diese Hinweise sind als Ergänzungen zu unseren Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 1 gedacht, die wichtige Grundprinzipien enthalten und die wir bestens empfehlen möchten. Heute beschreiben wir die Grundtypen der Knie-Arthrose, nennen mehrere ärztliche Verordnungen und beschreiben auch eigene Verhaltensregeln.
Die Knie-Arthrose befällt im Frühstadium meist nur einen Teil dieses großen Gelenks. Am häufigsten ist die Innenseite betroffen. Diese innenseitige Arthrose wird vom Arzt auch als „mediale Gonarthrose“ bezeichnet. Durch das Dünnerwerden des geschädigten Knorpels kommt es außerdem zu einer allmählichen Veränderung der Beinachse, wodurch zunehmend ein sogenanntes O-Bein entsteht. Beim aufrechten Stehen berühren sich dann die Knie nicht mehr, auch wenn die Füße fest zusammenstehen.
In selteneren Fällen tritt die Arthrose nicht an der Innen-, sondern an der Außenseite des Kniegelenks auf. Auch bei diesem Arthrosetyp kann sich die Achse des Beines allmählich verändern. Da es hier die äußeren Knorpelschichten sind, die allmählich dünner werden und schließlich ganz fehlen, kommt es zu einer langsam fortschreitenden Kippung des Beines in eine Form, die als X-Bein bezeichnet wird. Die Knie berühren sich hierbei im Stehen bereits, wenn die Füße noch nicht in Kontakt sind. Dieser Arthrosetyp kommt häufiger bei Frauen als bei Männern vor.
In etwa einem Fünftel der Fälle betrifft die Arthrose nicht das Hauptgelenk, sondern nur die Kniescheibe. Besonders bei der Kniescheibenarthrose fällt der hohe Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Oft verursacht sie Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinknien, Treppengehen und Bergabgehen. Es ist wichtig, dies auch bei der Berufswahl zu beachten. Auch bei Sportarten, die mit Springen und Drehen verbunden sind, muss hohe Zurückhaltung geübt werden. Grundsätzlich ist diese Arthroseform schwierig zu behandeln.
Bei einer innenseitigen Kniearthrose kann es eine spürbare Entlastung bedeuten, wenn die Schuhsohle vom Orthopädie-Schuhmacher in ihrer gesamten Länge am Außenrand geringfügig erhöht wird. Viele Patienten berichten über wesentliche Verbesserungen durch diese Verordnung. Wichtig für den Erfolg ist, dass Absatz und Vordersohle auch nach der Veränderung in einer Ebene liegen. Auch ein Versuch mit einer außenranderhöhten Einlage ist möglich. Bei außenseitiger Kniearthrose erfolgt die Erhöhung am Schuhinnenrand.
Bei allen Formen der Kniearthrose ist die Verminderung der Absatzhöhe hilfreich, weil hierdurch das Knie entlastet wird. Es empfiehlt sich deshalb, langsam auf niedrigere Schuhe zu wechseln. Auch bei Turn- und Wanderschuhen sind Modelle zu bevorzugen, die eine besonders flache Absatzführung haben. In bestimmten Fällen von Arthrose der Kniescheibe (Typ 3) kann auch eine ärztlich verordnete Absatzverminderung (sogenannter „Negativ-Absatz“) versucht werden. Hierbei wird der bisherige Absatz um mehrere Millimeter verringert.
Wertvolle Linderung bei Kniearthrose kann eine einfache Bandage bringen, die „Kniekappe“, die bequem zu tragen ist. Seit der Gesundheitsreform kann sie allerdings nicht mehr auf Rezept verordnet werden. In der strafferen Form mit Ring-Pelotte ist eine Verordnung nach wie vor möglich. Beide Bandagetypen genügen in den meisten Fällen. Nur selten werden Spezialbandagen mit seitlichen Gelenken und Stäben benötigt. Bei Verwendung einer Bandage ist außerdem zu beachten, dass sie nur stundenweise und nur beim Gehen getragen werden sollte und nicht zu eng sitzt.
Das Abstützen während des Gehens kann das erkrankte Gelenk um über 30% entlasten. Beliebt sind Wanderstöcke, die bei Bedarf wie ein Teleskop zusammengeschoben werden und nur wenig Platz benötigen. Sie sind in vielen Sportgeschäften erhältlich. Nützlich sind auch Stockschirme, auf die man sich kräftig abstützen kann. Einfachere Ausführungen, wie z. B. der „Fritzstock“ oder die Unterarmgehstütze, erfüllen diesen Zweck ebenso. Sie können außerdem auf Rezept verordnet werden. Jede Stütze sollte immer auf der „gesunden“ Seite getragen und im Gleichschritt mit der kranken Seite aufgesetzt werden.
Krankengymnastische Übungen, die vom Arzt verordnet werden, können die Kniearthrose außerordentlich günstig beeinflussen. Sie haben meist zwei Ziele: Kräftigung der Muskulatur und Dehnung von Kapsel und Muskulatur. Beide Übungsarten führen zu einer Entlastung der erkrankten Gelenkteile. Alle Übungen erfolgen am besten in kleinen Etappen. Die gewonnene Muskelkraft soll aber nur dem Schutz des Gelenks dienen, nicht der höheren Belastung. Wichtig: Die erlernten Übungen müssen zu Hause täglich weitergeführt werden.
(1) Das regelmäßige Durchbewegen des Gelenks ist für den Erhalt der normalen Beweglichkeit und die Ernährung des Knorpels wichtig. Es kann z. B. im Sitzen erfolgen, wobei man mit beiden Händen den Oberschenkel festhält und das Gelenk behutsam beugt und streckt.
(2) Auch bei leichter Arthrose sollte man das Laufen auf die persönlich verträgliche Gehstrecke begrenzen. Moderne Schrittzähler, wie sie in Sportgeschäften erhältlich sind, können die Kontrolle erleichtern.
Besonders bei der Arthrose der Kniescheibe sollte man auf eine bestimmte Art des Aufstehens achten.
Diese Hinweise gelten sinngemäß für alle Formen des Aufstehens, auch beim Aufstehen vom Autositz.
Entzündungen bei Arthrose sind oft Folge einer unbemerkten Überlastung. Immer sollten dann mit ärztlicher Absprache die folgenden Maßnahmen durchgeführt werden:
Oft wird der Arzt zusätzlich Medikamente und Salben verordnen. Bewährt haben sich auch Natursalben oder kalte Quarkumschläge (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 21). Je früher und konsequenter die Behandlung beginnt, desto rascher klingen die Beschwerden ab.
Sportarten mit gleichmäßiger Belastung sind zu bevorzugen. Empfehlenswert sind deshalb Spazierengehen, Radfahren, Skilanglauf und auch die Benutzung des Heimtrainers mit geringem Widerstand sowie auch moderne zusammenklappbare Roller, die für kurze Wege ideal sind. Sportarten, bei denen plötzliches Antreten, Stoppen oder Drehbewegungen auftreten, sollten insbesondere auf harten Böden eher vermieden werden. Dies gilt besonders für Fußball, Hallen-Tennis, Squash und alpines Skifahren. Auch beim Brustschwimmen ist Vorsicht geboten. Besser geeignet sind das Rücken- und Kraulschwimmen.