Künstliche Hüftgelenke werden seit vielen Jahren mit guten Langzeitergebnissen eingesetzt. Was kann man selbst für eine lange Haltbarkeit tun? Wie kann man sich auf die Operation vorbereiten, und wie kann man das neue Gelenk schützen und es für viele Jahre erhalten? Die Beachtung der bereits im letzten ARTHROSE-INFO gegebenen Tipps ist auch für das Hüftgelenk sehr nützlich. Im Folgenden geben wir noch einige weitere Empfehlungen. Hinweis: Im nächsten ARTHROSE-INFO nennen wir auch zahlreiche Tipps für künstliche Kniegelenke.
Der Entwicklung einer hervorragenden Fixiermasse war es zu verdanken, dass die künstlichen Hüftgelenke rasch zu einem Erfolg wurden. Dieser „Knochenzement“ ermöglichte es, die Prothesen so einzusetzen, dass sie viele Jahre fest verankert bleiben. Heute ist bei bestimmten Prothesen allerdings auch ein teilweiser oder vollständiger Verzicht auf Knochenzement möglich. In Deutschland werden etwa 70% zementfrei eingesetzt.
Über 1.000 verschiedene Hüftgelenkmodelle stehen weltweit zur Verfügung. Viele der heute eingesetzten Gelenke haben einen Gelenkkopf aus Keramik. Die Gelenkpfanne besteht entweder ganz aus Kunststoff oder aus Metall mit einer Innenschicht („Inlay“) aus Kunststoff oder Keramik, mit der der Keramikkopf Kontakt hat. Der Vorteil des Keramik-Kunststoff-Kontakts wird im geringen Abrieb gesehen. Prothesen, bei denen auch die Innenschicht der Pfanne, das Inlay, aus Keramik besteht (Keramik-Keramik-Kontakt), zeigen einen noch geringeren Verschleiß.
Zum Teil werden Prothesen eingesetzt, deren Gelenkkopf nicht aus Keramik, sondern aus Metall besteht. Die Gelenkpfanne ist hierbei, wie bei den Modellen I, entweder ganz aus Kunststoff oder enthält eine Innenschicht („Inlay“) aus Kunststoff. Die „harte“ Paarung (Metallkopf mit Metall-Inlay) wurde versucht. Hierbei kam es aber zu erheblichem Metall-Abrieb, der für den ganzen Körper gefährlich sein kann (siehe ARTHROSE-INFO Nr. 88, Seite 6ff.)
Minimalinvasives operatives Vorgehen in der Hüftendoprothetik bedeutet nicht automatisch einen kurzen Hautschnitt, sondern die vollständige Schonung der hüftgelenkumgebenden Muskulatur, da diese für die Funktion extrem wichtig ist. Minimalinvasive Chirurgie ist daher bei fast allen Patienten möglich, geht jedoch bei übergewichtigen und sehr muskelkräftigen Patienten mit einem längeren Hautschnitt einher, der der üblichen Schnittlänge entspricht.
Nach Schätzung einiger Experten gilt heute: 95% aller künstlichen Hüftgelenke bleiben heute 10 Jahre und mehr funktionsfähig. Viele davon halten sogar 15 Jahre und länger. Dies ist ein großer Erfolg. Manche Studien zeigen heute sogar noch längere Haltbarkeiten. Die Lebensdauer der Gelenke kann durch vorsichtige und kluge Beanspruchung wesentlich verlängert werden.
Auch bei Patienten im Alter von 30 Jahren oder jünger werden heute künstliche Hüftgelenke eingesetzt, wenn sie schon in sehr jungen Jahren an einer schweren Arthrose leiden (Unfall-Arthrose, Geburtsfehler-Arthrose). Sie können damit über Jahrzehnte ihres Lebens wieder ein „normales“ Leben führen. Allerdings müssen sie dabei besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten und Zurückhaltung in Beruf und Freizeit üben und z. B. auf Ballsportarten verzichten.
Viele Arthrose-Betroffene leiden beidseitig an einer schweren Hüftarthrose. Beide Hüften könnten heute zwar gleichzeitig operiert werden. In den meisten Fällen wird aber zuerst die besonders schmerzende Seite ersetzt. Oft führt bereits die erste Operation zu einer deutlichen Besserung auch auf der Gegenseite, sodass dann für längere Zeit auf eine weitere Operation verzichtet werden kann. Bei starken Schmerzen und einer im Röntgenbild erkennbaren schweren Arthrose sollte und braucht man aber mit der zweiten OP nicht zu lange warten.
Als Faustregel gilt: „Diese Hüftoperation kann nur wenige Male wiederholt werden.“ Bei jedem Eingriff wird der Knochenmantel, in dem die Prothese verankert wird, nämlich schmäler und schwächer. Nach zwei Operationen ist die tragfähige Schicht bei etlichen Patienten oft schon aufgebraucht. Deshalb ist bereits nach der ersten Austauschoperation erhöhte Vorsicht angezeigt. Es sollte dann auf die Ausübung bestimmter Sportarten ganz verzichtet werden. Man sollte sein künstliches Gelenk zudem alle 3 Jahre untersuchen lassen, um eine Lockerung frühzeitig zu erkennen.
Beim Hinsetzen und Hinlegen sollte man in den ersten Monaten nach der Operation einige Regeln beachten:
(1) Meiden Sie tiefe und weiche Sessel und Couchen.
(2) Meiden Sie tiefe und weiche Betten.
(3) Meiden Sie tiefe Toilettensitze. (Im eigenen Bad lässt sich leicht eine Sitzerhöhung anbringen, die man über das Sanitätshaus beziehen kann. Auch das Anbringen eines Haltegriffes zum Abstützen ist durchaus empfehlenswert.)
Autofahrer sollten beachten, dass beim Ein- und Aussteigen bestimmte Drehbewegungen auftreten, die das künstliche Gelenk ausrenken können. Es gilt deshalb:
Die meisten künstlichen Hüftgelenke enthalten einen Anteil aus Metall. Deshalb sollten Sie in den folgenden Situationen auf Ihre Prothese hinweisen:
Das Gleiche gilt bei Verordnung von bestimmten Formen der sogenannten Elektrotherapie (weil Erhitzung des Metalls auftreten könnte). Die meisten Kliniken stellen heute „Endoprothesen-Ausweise“ aus, in denen der Prothesen-Typ genau bezeichnet ist, und den man mit sich führen sollte.
Auch mit dem künstlichen Gelenk können Sie Sport treiben. Einige Regeln haben wir bereits im letzten ARTHROSE-INFO genannt. Für das Hüftgelenk gilt darüber hinaus: „Meiden Sie besonders heftige Drehbewegungen und Impuls-Belastungen.“ Auch das manchmal empfohlene Golfspielen ist aus unserer Sicht nicht ideal. Empfehlenswert sind andererseits: Radfahren, Wandern, Schwimmen und Sportarten, die bereits vor der OP ausgeübt wurden. Beim Radfahren und Wandern sollte man alles tun, um Stürze zu vermeiden.