Jedes Jahr erhalten in Deutschland über 200.000 Menschen ein neues künstliches Hüftgelenk. Die allermeisten sind damit hoch zufrieden. Was kann man selbst zum Erfolg beitragen? Wie kann man sich darauf vorbereiten, und wie kann man das neue Gelenk schützen und es für viele Jahre erhalten? Gern möchten wir zunächst auch auf die bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7 und 8 gegebenen Tipps hinweisen, deren Beachtung sehr nützlich sein kann. Im Folgenden nennen wir einige weitere Empfehlungen.
Die bisherige Entwicklung des künstlichen Hüftgelenkes ist einer der größten Erfolge der modernen Medizin. Ständig arbeiten Ärzte und Wissenschaftler an einer weiteren Verbesserung. So wird heute in manchen Fällen der „Hybrid-Typ“ empfohlen, ein Mischtyp. Dabei wird je nach der Stabilität und Form des Knochens entweder die Pfanne oder der Schaft zementfrei eingesetzt, der übrige Teil aber mit Knochenzement eingesetzt.
Um das Risiko einer Infektion durch Blutkonserven bei einer Hüftoperation von vornherein zu vermeiden, führten viele Kliniken die sogenannte „Eigenblutspende“ durch. Dies ist heute aber fast vollständig verlassen worden. In manchen Kliniken werden bei Austausch-Operationen heute sogenannte Blutsparmaschinen (Zellsparer, 2) eingesetzt, die das während der Operation austretende Blut sammeln und wieder zuführen.
Hüftprothesen werden heute in vielen Kliniken routinemäßig eingesetzt. Dennoch handelt es sich um einen großen Eingriff, über den man sich im Voraus gut informieren sollte: „Ist die Operation wirklich notwendig?“, „Wie und wie oft wird der Eingriff durchgeführt?“ Dies sind nur zwei Beispiele von Fragen, die man mit den behandelnden Ärzten besprechen sollte. Auch das beratende Gespräch mit Freunden kann wertvoll sein. Wichtiger Hinweis: Den Entschluss zur Operation sollte man immer selbst fassen und sich niemals zur Operation drängen lassen.
In den meisten Kliniken kann man heute sehr rasch einen Operationstermin bekommen. Von einer zu schnellen oder gar überstürzten Durchführung der Operation ist aber abzuraten. Meist ist eine Wartezeit von vier bis sechs Wochen sogar sehr vorteilhaft. Diese Zeit kann man nutzen, um zu Hause alles entsprechend zu organisieren. Ebenso können ein Besuch beim Zahnarzt, um Infektionen im Mundbereich behandeln zu lassen, sowie Maßnahmen zur Gewichtsreduktion eingeplant werden.
Etwa 1–2 Wochen nach der Operation erfolgt die Weiterbehandlung meist in einer zweiten, auf die Nachbehandlung spezialisierten Klinik. Diese Klinik wird als Reha-Klinik bezeichnet. „Reha“ ist die Abkürzung für Rehabilitation. Vor dem Eingriff kann es eine gute Idee sein, sich nicht nur die OP-Klinik, sondern auch schon die spätere Reha-Klinik anzusehen, sofern diese schon bekannt ist. Die Reha kann in vielen Fällen auch ambulant durchgeführt werden. Informieren Sie sich in Ihrer Stadt.
Die heutigen Prothesen bestehen aus Materialien, bei denen Allergien nur äußerst selten auftreten. Ein vorheriger Allergietest wird daher nicht mehr empfohlen, auch nicht wenn Metallallergien bereits bekannt sind und wenn eine hohe Neigung zu allergischen Reaktionen besteht. Es gibt aber sogenannte Allergie-Prothesen mit unterschiedlichen Beschichtungen. Ein Nachteil ist, dass hierzu oftmals mittel- und langfristige wissenschaftliche Ergebnisse noch fehlen.
Wenn Verkalkungen, bzw. Verknöcherungen in der Umgebung des künstlichen Gelenks auftreten, kann das den Erfolg der Operation zunehmend beeinträchtigen. Die Gründe hierfür sind bisher noch nicht gänzlich bekannt. Seit jedoch als Vorbeugemaßnahme bestimmte entzündungshemmende Medikamente in der ersten Zeit nach der Operation verordnet werden können, hat sich die Zahl dieser Komplikation deutlich vermindert. (Weitere Informationen siehe „Praktische Tipps“ im ARTHROSE-INFO Nr. 38.)
Das richtige Verhalten Wochen und Monate nach der Operation ist auch wichtig für das Herz. Denn paradoxer weise kann die Hüftarthrose, die über viele Jahre hinweg bestand, auch einen Schutz des Herzens bewirkt haben, da man wegen der zunehmenden Schmerzen nicht mehr so lange gehen konnte. Nach der Operation fällt dieser „Schutz“ weg. Stets sollte man deshalb den bisherigen Umfang der Belastung nur langsam erhöhen. Dies kommt dem Herzen zugute und fördert im Übrigen auch eine lange Haltbarkeit des neuen Gelenks.
Bei jeder bakteriellen Halsentzündung oder Zahnentzündung können Bakterien auf dem Blutweg das künstliche Gelenk erreichen, sich dort ansammeln und eine sogenannte Spätinfektion auslösen. Diese kann möglicherweise zu einer Lockerung des Gelenks führen. Zur sorgfältigen Pflege des künstlichen Gelenks gehört deshalb lebenslang das Vermeiden von Infektionen. Sind Infektionen einmal eingetreten, so sollte der behandelnde Arzt stets auf die mögliche Gefahr für das künstliche Gelenk hingewiesen und auch an die frühzeitige Einnahme eines Antibiotikums gedacht werden.
Besonders in den ersten Monaten nach der Operation sollten bestimmte Stellungen der Beine und Füße vermieden werden, um ein Ausrenken des neuen Gelenks zu verhindern. Hierzu gehört beim „hinteren Zugang“ das zu starke Beugen der Hüfte beim Hinknien. Beim vorderen und seitlichen Zugang hingegen ist die Innendrehung des Beines bei gebeugtem Knie sowie das Sitzen mit übergeschlagenen Beinen zu vermeiden. Stets sollte den Hinweisen des Operateurs gefolgt werden
Einfache Hilfsmittel können in einigen Fällen im Alltag nützlich sein und manche Tätigkeiten bzw. Bewegungen erleichtern. Hierzu gehören z. B.:
Diese Mittel helfen, Extrembewegungen zu vermeiden und in den ersten Monaten die Gewöhnung des Körpers an das künstliche Gelenk zu fördern. Sie sind aber nicht für jeden Patienten notwendig.
Mit dem künstlichen Hüftgelenk sollte man auf Laufsport (Jogging, Dauerlauf, Trablauf) und auf alle Ballsportarten besser verzichten. (Siehe hierzu auch unser Kapitel „Sender im Hüftgelenk“ im ARTHROSE-INFO Nr. 16.) Empfohlen werden meist:
(Hinweis: Im kommenden ARTHROSE-INFO geben wir einige nützliche Empfehlungen zur richtigen Auswahl eines geeigneten Heimtrainers.)