Arthrose kann viele Ursachen haben. Auch Störungen des allgemeinen Stoffwechsels können sich auf die Gelenke auswirken und diese zusätzlich schädigen. In den heutigen Praktischen Tipps stellen wir eine Reihe solcher Störungen vor, die der Arzt als „Metabolisches Syndrom“ bezeichnet. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und welche Störungen sind dies? Was ist an ihnen so besonders? Und vor allem: Inwiefern kann eine Behandlung dieser Störungen eine Arthrose verhindern helfen oder – falls eine Arthrose bereits besteht – das Fortschreiten verlangsamen und die Beschwerden lindern? Im Folgenden geben wir hierzu einige nützliche Tipps, die jeder kennen sollte.
Stoffwechselstörungen wirken meist unbemerkt im Stillen. Lange Zeit spürt man nichts von ihnen und man fühlt sich auch nicht krank. Aber wenn sie sich dann eines Tages bemerkbar machen, kann dies oft auf dramatische Weise geschehen. Die Arthrose ist dabei oft sogar das kleinere Übel. Paradoxerweise muss man sogar froh sein, wenn es „nur“ eine Arthrose ist, die den ersten Hinweis gibt. Warum dies so ist, beschreiben wir im Folgenden.
Charakteristisch für das „Metabolische Syndrom“ ist, dass diese Stoffwechselstörungen längst nicht nur zur Arthrose führen können. Sie können auch 1. heftigste Schmerzen auslösen und 2. sogar eine Gefahr für das Leben bedeuten. Nicht selten muss der Notarzt gerufen oder eine Notfall-Ambulanz aufgesucht werden. Warum? Weil diese Störungen zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen führen können!
Wenn eine dieser Stoffwechselstörungen allein auftritt, dann ist dieses eine Symptom schon riskant genug. Leider treten aber nicht selten mehrere Symptome gleichzeitig auf. Dann spricht der Arzt von einem Syndrom („syn“ bedeutet zusammen und „drom“ bedeutet Lauf). Syndrom ist somit ein Zusammenlauf von mehreren Symptomen. Es ist leicht verständlich, dass sich dann das Risiko entsprechend verstärkt und erhöht. Vom „Metabolischen Syndrom“ spricht man, wenn mindestens drei der fünf häufigsten Störungen gleichzeitig vorhanden sind. Welches sind nun die wichtigsten?
Bei der Harnsäure geht es nicht um eine Säure im Harn, sondern im Blut. Wenn der Wert dieses Stoffs im Blut deutlich erhöht ist, können sich Kristalle in den Gelenken ablagern, die zu äußerst heftigen Schmerzen, nämlich sogenannten Gichtanfällen, führen. Meist ist dabei die Großzehe betroffen, aber auch alle anderen Gelenke können erkranken. Harnsäure zerstört den Gelenkknorpel. Auch können selbst relativ niedrige Werte bei einer bestehenden Arthrose die Entzündungsschmerzen verstärken. Noch schlimmer sind allerdings Schäden, die Nieren, Herz und Gehirn betreffen können.
Hoher Zuckerverzehr kann süchtig machen. Zucker wurde schon als „Heroin der Nahrungsmittel“ bezeichnet. Aber erhöhter Blutzucker kann viele Ursachen haben. Man unterscheidet heute die Frühform, die bereits im Kindesalter auftreten kann (Typ I) und die Spätform, die meist erst im mittleren oder späteren Erwachsenenalter auftritt (Typ II). Wer Diabetes hat, wird von seinen Ärzten meist ausführlich über viele Einzelheiten informiert und weiß, dass der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden muss. Die sorgfältige Befolgung des ärztlichen Rats dient auch der Vorbeugung einer Arthrose.
Auch ein erhöhter Blutdruck wirkt sich auf den Stoffwechsel der Gefäße aus. Sie können dadurch verhärtet und verengt werden. Dies kann die Ernährung der Gelenke behindern und eine Arthrose begünstigen. Noch schlimmer sind aber auch hier die bereits erwähnten Gefahren für die inneren Organe und somit für das Leben. Vielen Ärzten fällt immer wieder auf, dass Menschen mit hohem Blutdruck zudem zu einer vermehrten Belastung ihrer Gelenke neigen. Hierbei können eine erhöhte Muskelanspannung, eine erhöhte Arbeitsbelastung und Schlaflosigkeit von Bedeutung sein.
Den meisten Menschen ist heute bekannt, dass sich im Blut auch Fette befinden. Eines dieser Fette ist das Cholesterin, das in zwei unterschiedlichen Formen vorkommt. Die erste davon ist das „LDL-Cholesterin“, und dieses sollte möglichst niedrig sein. Die andere Form heißt „HDL-Cholesterin“ und sollte möglichst hoch sein. Somit ist es keinesfalls korrekt zu sagen: „Mein Cholesterin ist niedrig.“ Vielmehr ist entscheidend, dass das sogenannte LDL-Cholesterin niedrige Werte aufweist. Beim HDL-Cholesterin ist es aber genau umgekehrt.
Es hat immer schon super-schlanke Menschen gegeben und solche, die einen eher gedrungenen Körperbau haben. Übergewicht ist auch nicht eine Frage des Aussehens. Darüber kann jeder selbst entscheiden. Wichtig zu wissen ist aber, dass Übergewicht auf lange Sicht zu Erkrankungen, ja auch zu Arthrose führen kann. Das beste und sicherste Maß für den Alltag ist nach wie vor die „100er-Regel“, die praktisch und einfach ist. Wer nun ein, zwei oder drei Kilogramm darüber (oder darunter) liegt, ist auch noch gesund. Aber als Orientierung ist dieses Maß von unschätzbarem Wert.
Am erstaunlichsten ist, dass deutlich erhöhtes Körpergewicht nicht nur Wirbelsäule, Hüften, Knie und Fußgelenke höher beansprucht und damit häufig zu Arthrosen in diesen Gelenken führen kann. Das zusätzliche Körperfett erzeugt auch Entzündungsstoffe, die auf dem Blutweg in den gesamten Körper gelangen. So können auch jene Gelenke geschädigt werden, die nicht zu den sogenannten tragenden Gelenken gehören. Besonders auffällig ist, dass bei übergewichtigen Menschen eine Arthrose selbst an den Händen noch häufiger als bei schlanken Menschen auftreten kann.
Wer deutlich übergewichtig ist, setzt sich zudem weiteren Nachteilen aus. Operationen an den Gelenken (z. B. an der Hüfte) dauern dann oft wesentlich länger, sind komplizierter und die OP Wunden heilen nicht selten weniger gut und eitern. Auch das Risiko einer Thrombose (mit Lungen-Embolie-Gefahr) ist bei übergewichtigen Patienten nach Operationen deutlich erhöht. Selbst die Nachbehandlung, also die Reha, ist schwieriger und dauert oft länger. Auch lockern sich die künstlichen Gelenke früher. Es ist gut, dies zu wissen und nicht zu vergessen. Aber was kann man wirksam dagegen tun?
Viele, die zu viel Körpergewicht haben, würden liebend gern abnehmen. Aber wie? Wie kann man Gewohnheiten durchbrechen? Wie dem Verlangen nach zu viel Essen widerstehen? Es gibt Bücher, die hilfreiche Tipps geben (zwei Methoden haben wir bereits beschrieben). Auch das Buch von Raymond Hull im ARTHROSE-INFO Nr. 20 beschreibt eine wirksame Methode. Ebenso kann Hypnose Wunder wirken. Es gibt aber auch Ernährungsberater sowie Spezialabteilungen in manchen Reha-Kliniken, die helfen können, langfristig auf einen gesunden Weg zu kommen.
Bei Arthrose sollte man deshalb nicht nur an Röntgen und MRT denken. Auch auf Stoffwechselstörungen muss geachtet werden. Dies ist besonders wichtig, da mit ihnen auch Gefahren für das Leben verbunden sein können. Die ehrliche, tägliche Überprüfung des Körpergewichts, das regelmäßige Messen des Blutdrucks und eine mindestens jährliche Blutuntersuchung auf Harnsäure, Blutzucker und Blutfette gehören deshalb zur sorgfältigen Vorbeugung der Arthrose dazu. Außerdem kann man damit bei bestehender Arthrose die Schmerzen lindern helfen und ein gesünderes Leben führen.