Praktische Tipps für die künstlichen Gelenke

Ein künstliches Gelenk einzusetzen, ist heute eine der häufigsten orthopädischen Operationen. Das eigene Gelenk wird dabei entfernt und durch Metall/Keramik und Kunststoff ersetzt. Wie oft schreckt diese Vorstellung jeden von uns immer noch. Ja, dies ist trotz aller Routine immer noch ein großer Eingriff und jeder von uns weiß, wie jede Operation ist auch diese nicht ohne Risiko. Aber man kann auch selbst viel für den Erfolg tun. So möchten wir im Folgenden einige besonders wichtige Empfehlungen hervorheben und durch neue Erkenntnisse ergänzen. Wie immer sind auch diese Tipps interessant, hilfreich und leicht anzuwenden. Zusammen mit den vielen früheren Tipps in der ARTHROSE-INFO-Gesamtausgabe werden sie bei der Vorbereitung auf eine Hüft-, Knie-, Fuß- oder Schulter-Endoprothesen-Operation Sicherheit und Zuversicht geben und das schöne Gefühl, gut informiert zu sein.

1. Welche Jahreszeit?

Große Sommerhitze kann manchmal den Klinikaufenthalt und auch die Wochen danach beschwerlich machen. Aber auch die Winterzeit hat evtl. Nachteile für diesen Eingriff. Frau Helma Z. aus Halle berichtete: „Vor dem ursprünglich geplanten OP-Termin im Januar graute mir wegen Eis und Schnee auf der Straße beim Neu-Laufenlernen. Ich war deshalb froh, als die OP auf das Frühjahr verschoben werden musste. So konnte ich im Park der Reha-Klinik prima meine Gehübungen machen.“ Frühjahr und Herbst sind für viele, wenn sie wählen können, die bevorzugten Zeiten für diese Operation.

2. Je gesünder, umso besser

Sehr hilfreich ist es auch, schon lange vorher auf gesunde Ernährung zu achten. Je gesünder man sich ernährt, umso zuversichtlicher kann man vor dem Eingriff sein. Wer zu Verstopfung neigt, kann diese auf natürliche Weise vermeiden. Täglich ein, zwei Soft-Feigen, wie sie in vielen Supermärkten erhältlich sind, helfen und sind wohlschmeckend dazu. Normales Körpergewicht erleichtert den Operateuren die Arbeit. Mit täglichem Wiegen auf der Badezimmerwaage kann man sich leicht motivieren, Übergewicht, falls vorhanden, rechtzeitig abzubauen. Das tut dem ganzen Menschen gut.

3. Herzrhythmus

Zur Vorbereitung auf ein künstliches Gelenk gehören auch einige ärztliche Untersuchungen. Eine von diesen prüft das Herz und besonders, ob es regelmäßig schlägt. Liegt eine Rhythmusstörung vor, so spüren viele Patienten immer wieder ein deutliches „Stolpern“ in der Herzgegend. Viele andere haben diese Empfindung nicht. Eine rasche Ermüdung bei körperlicher Belastung ist dann das einzige Symptom. Störungen des Herzrhythmus müssen immer umgehend behandelt werden. Dies hilft schon vor der Operation, Thrombosen und Embolien zu vermeiden und erhöht das allgemeine Wohlbefinden.

4. Hb-Wert

Auch im Blut werden viele Werte untersucht, so die der roten Blutzellen („Erythrozyten“). Sie geben dem Blut seine rote Farbe und enthalten das Hämoglobin (abgekürzt „Hb“). „Hb“ ist für den Sauerstofftransport des Blutes verantwortlich. Bei jedem Atemzug nimmt das Blut Sauerstoff auf und transportiert ihn mit jedem Herzschlag in den Körper. Ohne Sauerstoff können die Organe nicht überleben und die OP-Wunden nicht heilen. Der „Hb-Wert“ beträgt in der gesamten Bevölkerung durchschnittlich 12 bis 16 g/dl. Ist er zu niedrig, so können „blutbildende Medikamente“ wirksam helfen.

5. Hb-A1c-Wert

Am Hämoglobin („Hb“) der roten Blutzellen kann man heute erstaunlicherweise auch den Zuckergehalt des Blutes erkennen. Je höher der durchschnittliche Blutzucker-Wert in den letzten Wochen war, umso höher ist der Anteil des „verzuckerten“ Hb. Dies lässt sich am „Hb-A1c“-Wert ablesen. Eine Verzuckerung von etwa 6 Prozent des Hb ist normal. Bei deutlich höheren Werten muss eine blutzuckersenkende Behandlung begonnen bzw. verbessert werden. Dies ist für das Gelingen der Operation sehr wichtig. Damit können auch manche Infektionen und Wundheilungs-Störungen vermieden werden.

6. Zahnarzt etc. …

Vor einem künstlichen Gelenk wird auch nach Bakterienherden im Körper gefahndet. Sind die Zähne gesund? Steht eine Zahnreinigung an? Sind die Zahnfleisch-Taschen normal tief oder schmerzen Zähne und Zahnfleisch beim Essen? Auch die Haut kann eine Bakterienquelle sein. Bei einer sorgfältigen hautärztlichen Untersuchung werden mithilfe einer großen Lupe selbst kleinste Pusteln und bisher unbemerkte Hautabschürfungen entdeckt, die vorab behandelt werden müssen. Auch internistische und urologische Untersuchungen werden oft zur Vorbereitung durchgeführt.

7. „Prä-Habil“

Vorher gut zu trainieren, beschleunigt die Erholung nach dem Eingriff. „Je fitter man vorher ist, desto schneller geht’s mit der Reha“, bestätigte Frau Irmtraud G. aus Olsberg. Und Frau Karin K. aus Hamm schrieb: „Ich war schon vor der OP in einem Sportstudio mit erfahrenen Physiotherapeuten.“ Dieses Vor-Training wird heute oft „Prähabilitation“ genannt. Darin kann auch das Gehen mit zwei Unterarmgehstützen geübt werden. Wer die sichere Handhabung dieser Stöcke schon vor der OP beherrscht, kann sich später ganz auf das Gehen mit dem operierten Gelenk konzentrieren.

8. Umhänge-Tasche

Mitnehmen in die Klinik sollte man nicht nur Handtücher und Toilettenartikel usw. Wenn man in der ersten Zeit nach der Operation noch mit zwei Unterarmgehstützen geht, fragt man sich oft, wie man persönliche Dinge unterbringen könnte. Frau Renate P. aus Weimar betonte daher: „Ich empfehle, auch eine Tasche zum Umhängen mit in die Klinik zu nehmen.“ So kann man die Geldbörse und andere wichtige Dinge sicher mitführen und hat dennoch beide Hände frei zum Gehen mit den Gehstützen. Die im ARTHROSE-INFO Nr. 136 beschriebene Bauchgürteltasche kann ebenfalls hilfreich sein.

9. Fast Track – Vorteile

Auch bei großen orthopädischen Operationen hat sich in Deutschland, wie in einigen anderen Ländern, die Zeit, die man in der OP-Klinik verbringt, auf wenige Tage verkürzt. Ärzte bezeichnen dies als „Fast Track“, was im Amerikanischen, woher auch die Methode stammt, „schneller Durchlauf“ bedeutet. Die Gründe sind der hohe Kostendruck in den Kliniken, aber auch die beachtlichen Fortschritte in der OP-Technik bei diesen großen Eingriffen. Der Vorteil für den Patienten: Die Wartezeiten auf Station sind auf ein Minimum reduziert, und ein eventuelles Infektionsrisiko wird vermindert.

10. Fast Track – Nachteile

„Fast Track“ hat aber auch Nachteile. Der Organisationsaufwand für das Klinikpersonal ist sehr hoch. Aufklärung, Voruntersuchung, OP, Physiotherapie usw. müssen exakt getaktet werden. Zudem muss die anschließende Verlegung in die Reha-Klinik nahtlos verlaufen, damit Patienten, die noch nicht wirklich selbständig sind, nicht zunächst für mehrere Tage nach Hause müssen. WICHTIG: Wenn die Wohnung nicht im Erdgeschoss liegt und man nachts nicht allein zur Toilette aufstehen könnte, sollte man dies gleich bei der Aufnahme besprechen und eventuell auch später nochmals sagen.

11. Zufriedenheit und Erwartung

Die Zufriedenheit mit dem neuen Gelenk hängt auch von der eigenen Erwartung ab. Viele ältere Patienten, die jahrelang an Arthroseschmerzen litten, erleben die neue Schmerzfreiheit wie ein Wunder. Sie sind für die deutliche Verbesserung dankbar und belasten das neue Gelenk maßvoll. So manche jüngere Patienten hingegen haben eine kürzere Leidenszeit und drängen früher auf eine Operation. Nicht selten erwarten sie, dass das künstliche Gelenk uneingeschränkt belastbar ist und sie Sport auf Hochleistungsniveau ausüben können. Klüger ist es jedoch, extreme Beanspruchungen zu vermeiden.

12. Radfahren sehr beliebt

Von den vielen in früheren „ARTHROSE-INFOS“ bereits empfohlenen Sportarten sind Spazierengehen, Wandern und Radfahren besonders beliebt. Sie sind einfach und tun Körper und Seele gut. Beim Radfahren gibt es große Leistungs-Spannen. Empfehlenswert ist es, stets auf Sicherheit und das Vermeiden von Stürzen zu achten – und bei Bergabfahrten und in Kurven die Geschwindigkeit respektvoll zu begrenzen. Dann kann man seine Gesundheit und die Umgebung genießen, trainiert Kreislauf und Muskulatur und wird sich einer langen Haltbarkeit des künstlichen Gelenks erfreuen.