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Praktische Tipps bei Arthrose allgemein

Welche Faktoren können den Gelenkknorpel schädigen und eine Arthrose auslösen? Was sind die vier wichtigsten grundsätzlichen Ursachen, die jeder kennen sollte, und wie kann man mit dieser Kenntnis einer Arthrose vorbeugen? Im Folgenden beschreiben wir zunächst einige biomechanische Grundprinzipien der Gelenk-Belastung. Anschließend stellen wir mehrere einfache und nützliche Tipps für den Alltag vor.

1. Faktor 1: Last

Schon in Alltagssituationen werden unsere Gelenke stark belastet. Beim einfachen Aufstehen aus dem Sitzen wirken auf das Kniegelenk oft Lasten vom Drei- bis Vierfachen des eigenen Körpergewichts. Wiegt man selbst 70 kg, so sind dies rund 250 kg – also eine viertel Tonne! Diese Last presst die lebenden Zellen des Gelenkknorpels erheblich zusammen. Während das gesunde Gelenk dies gut verkraftet, ja sogar benötigt, um die Knorpelschicht zu ernähren und robust zu halten, kann dies jedoch zu einer schädlichen Überlastung führen, wenn weitere Faktoren hinzukommen:

2. Faktor 2: Kontaktfläche

Entscheidend für die Schädlichkeit einer Last ist auch die Größe der Fläche, auf die sie einwirkt. Im Innern des gesunden Gelenks sind die Gelenkflächen so geformt, dass in allen Stellungen eine möglichst große Kontaktfläche gewährleistet ist. Solange sich die Last auf eine große Fläche verteilt, ist der Druck auf die Knorpelschicht klein. Ist aber z. B. die Hüftpfanne verkleinert, erhöht sich der Druck auf den Gelenkknorpel erheblich. Dies kann im Laufe der Zeit den Gelenkknorpel überfordern und schädigen und muss daher manchmal sogar operativ korrigiert werden.

3. Faktor 3: Dauer

Als dritter Faktor ist auch die Dauer der Belastung bedeutsam. Besonders abträglich ist die konstante Dauerbelastung ohne jegliche Pause. So „umklammern“ bei längeren Autofahrten manche Autofahrer unbewusst das Lenkrad über längere Zeit, ohne die Fingergelenke zu bewegen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine solche Dauerbelastung für den Gelenkknorpel besonders schädlich ist. Regelmäßige Pausen bei längerem Autofahren können dies verhindern helfen. Auch bei längerem Sitzen oder längerem Stehen sollte man daher die Haltung regelmäßig ändern.

4. Faktor 4: Gewebe-Qualität

So wie es Menschen mit kräftigen oder weniger kräftigen Muskeln gibt, so sind schließlich auch die Qualität, die Dicke und die Widerstandsfähigkeit des Gelenkknorpels von Mensch zu Mensch verschieden. Das Knorpel-Gewebe kann dabei unterschiedlich robust sein. Auch bestimmte chemische Prozesse im Gelenk können die Knorpelschicht angreifen, ihre Robustheit herabsetzen und zu Rissen führen. Derartige Schädigungen werden oft ausgelöst durch Entzündungen, Blutungen, Alkoholkonsum und – leider – auch durch bestimmte Medikamente (siehe Tipps Nr. 5, 6, 7 und 8).

5. Gelenkentzündungen vermeiden

Entzündungen des Gelenks sind nicht nur oft die Folge der Arthrose. Sie können auch selbst die Ursache des Knorpelschadens sein. Grundsätzlich kann jede längere Gelenkentzündung den Knorpel schädigen und die Widerstandsfähigkeit gegen normale Belastungen vermindern. Auch kann ein Harnsäurespiegel, der noch keineswegs zu einem Gichtanfall führt, bereits die Arthroseschmerzen verstärken. Viele Ärzte beobachten daher, dass die Absenkung auch des normalen Harnsäurewertes bei Arthrose hilfreich ist und eine Anti-Gicht-Diät empfehlenswert sein kann.

6. Schmerzmittel?

Gegen Arthroseschmerzen werden oft Medikamente eingenommen, die man als „Nicht-Steroidale-Antirheumatika“ (NSAR) bezeichnet (ARTHROSE-INFO Nr. 43). Trotz aller Fortschritte können sie jedoch auch Nebenwirkungen haben. Wie Herr Prof. Radin von der Tufts-Universität in Boston, USA, im Gespräch betont, könnten sie auf Dauer sogar – möglicherweise – den noch gesunden Gelenkknorpel schädigen. Sie sollten daher möglichst sparsam eingenommen werden. Auch wenn die Schmerzen unter der Behandlung nachlassen, sollte man die Drittelregel beachten (s. Tipp Nr. 11).

7. Gelenkblutungen vermeiden

Blutansammlungen in einem Gelenk schädigen den Gelenkknorpel. Wenn es zu einer Gelenkblutung kommt, sollte das Blut daher vom Arzt möglichst rasch entfernt werden. Noch besser ist es, Verletzungen, Unfälle und Stürze jeglicher Art zu vermeiden. Besonders im häuslichen und sportlichen Bereich sollte man alle Unfallgefahren konsequent beseitigen und ausschließen (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 29). Wer sich wegen Herz- oder Gefäßerkrankungen einer Blutverdünnung (z. B. mit Marcumar) unterziehen muss, sollte besonders vorsichtig sein, da die Blutungsneigung erhöht ist.

8. Alkohol, Nikotin

Alkohol zu trinken gilt leider in Gesellschaft oft als ein Muss. Manche glauben auch, dass Alkohol ihnen „Kraft“ gibt. Bei regelmäßigem Alkoholkonsum muss man jedoch nicht nur an die Leber denken und diese regelmäßig untersuchen lassen. Alkohol ist auch ein allgemeines Zellgift, das die Bandscheiben und den Gelenkknorpel schädigen und deren Widerstandskraft herabsetzen kann. Dies gilt besonders auch in Kombination mit Nikotin. Wer bereits Arthrose an einem Gelenk hat und sich schützen möchte, für den gilt:

WENIG ALKOHOL !
KEIN NIKOTIN !

9. Beweglichkeit

Jedes Gelenk braucht Bewegung, auch das Arthrose-Gelenk. Bewegung fördert die Ernährung des noch gesunden Knorpels. Bei jeder Arthrose ist es daher wichtig, das betroffene Gelenk regelmäßig zu bewegen und zu dehnen, um so eine drohende Einsteifung zu verhindern. Ein wichtiger Vorteil der größeren Beweglichkeit ist auch die Verteilung der Belastung auf wechselnde und unterschiedliche Bereiche der Knorpeloberfläche. Ein bestimmtes Areal (z. B. Sektor „a“ in der Abbildung) wird dann zu bestimmten Phasen des Bewegungsablaufs entlastet und geschont.

10. Die Muskeln lockern

Gelenke können nur gesund bleiben, wenn auf die BE-Lastung auch die ENT-Lastung folgt. Dauerbelastung an den Gelenken kann man vermeiden, wenn man bei der Arbeit häufig die Haltung ändert, und Pausen einlegt. Auch Verspannungen der Muskeln an Nacken und Rücken, die zu einer Dauerbelastung der Wirbelgelenke führen, sollte man rasch behandeln lassen. Auch wer unter erhöhtem Blutdruck leidet, neigt oft zu einer erhöhten Spannung der Muskulatur mit Belastung der Gelenke. Die Behandlung des Hochdrucks kann daher ebenfalls helfen, einer Arthrose vorzubeugen.

11. Die Gelenke schonen

Eine weitere wichtige Schutz-Maßnahme bei Arthrose ist, das betroffene Gelenk systematisch von großen Lasten fernzuhalten. Sobald ein Knorpelschaden in einem Gelenk vorliegt, muss die Belastung um mindestens ein Drittel vermindert werden. Ganz wichtig: Dies gilt auch an solchen Tagen, an denen das betroffene Gelenk nicht schmerzt. Viele Hilfsmittel können dabei helfen, große Belastungen zu vermeiden. Auch den Haus-zu-Haus-Gepäckservice der Deutschen Bahn (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 7 und Nr. 9) möchten wir bei Reisen mit Koffer nochmals empfehlen.

12. Richtige Berufswahl – auch für Mädchen

Junge Frauen ergreifen heute auch sogenannte Männerberufe, die ihnen viel Freude bereiten. Hierzu zählen Berufe wie: Schreinerin, Bauarbeiterin, TV-Kamerafrau oder sogar Soldatin. Oft sind aber – so scheint es – bei Frauen die Gelenke zierlicher, haben schwächere Bänder und können durch schwere körperliche Belastung auf Dauer überlastet und geschädigt werden. Viel günstiger für die Gelenke können daher vielleicht Berufe wie z. B. Sekretärin, Sachbearbeiterin, Reporterin, Geschäftsführerin oder Ärztin sein. Die Gelenke werden es mit längerer Gesundheit danken.