Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 36

Praktische Tipps bei Arthrose der Halswirbelsäule

Nachdem wir in den ARTHROSE-INFOS Nr. 6, 16 und 26 bereits 36 nützliche Tipps zu diesem Thema genannt haben, möchten wir uns heute einigen wichtigen Besonderheiten zuwenden: Der Hals ist nicht nur die Transitstrecke für wichtige Arterien, die vom Herzen zum Kopf ziehen, sondern auch für Nervenstränge, die vom Kopf in Rumpf, Arme und Beine gelangen. Im Folgenden beschreiben wir einige wichtige Besonderheiten dieser Anatomie und nennen wiederum mehrere nützliche Tipps zur Therapie sowie für den eigenen Alltag.

1. Anatomie 1: Ansatz der Schultermuskeln

Die Halswirbelsäule (HWS) bewegt und trägt nicht nur den Kopf. Wie an einem schmalen, dafür fast zu empfindlichen und zarten Mast hängen daran gleichzeitig wichtige Ansätze jener Muskeln, die die Schultern und damit die Arme bewegen. Wann immer wir etwas auf den Schultern oder in den Händen tragen, werden damit gleichzeitig auch die Halswirbel mitbelastet. So führen das Tragen eines Koffers oder einer schweren Tasche stets auch zu einer Belastung der Halswirbelsäule. Bei Beschwerden in diesem Bereich sollte man dies immer berücksichtigen (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 6)

2. Anatomie 2: Ursprung der Nerven des Armes

Die Nerven des Armes entspringen nicht erst dort, wo der Arm beginnt. Vielmehr haben sie ihren Ursprung bereits gut 15 cm oberhalb im Rückenmark der Halswirbelsäule. Zwischen allen Halswirbeln treten links und rechts jeweils sogenannte Nervenwurzeln heraus, die sich dann außerhalb der Wirbelsäule zu Nervenbündeln und von dort weiter zum Arm ziehen. Dies ist ein wichtiger Grund, warum Arthrosen oder Bandscheibenschäden im Halsbereich – sobald sie Druck auf die Nervenwurzeln ausüben – zu Schmerzen, ja Lähmungen in bestimmten Teilen des Armes oder der Hand führen können.

3. Anatomie 3: „Pseudo-radikuläre“ Symptome

Längst nicht alle Schmerzen in Arm oder Hand sind aber durch mechanischen Druck auf die Nervenwurzeln bedingt. Vielmehr können gerade auch Entzündungen oder Blockierungen der Gelenke, wie sie für die Arthrose typisch sind, ausstrahlende Beschwerden verursachen, die vom Arzt als „pseudo-radikulär“, „spondylarthrotisch“ oder „Facetten-Syndrom“ bezeichnet werden. Charakteristisch für diese pseudoradikulären Beschwerden kann z. B. ein eigenartiges Schwellungsgefühl in den Fingern sein, ohne dass aber die Hände tatsächlich geschwollen sind.

4. Stop smoking!

„Stop smoking!“ („Mit dem Rauchen aufhören!“) ist eine der ersten Empfehlungen, die man in der Abteilung für Wirbelsäulenorthopädie in Amerikas größter orthopädischer Klinik in New York den Patienten gibt. Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass Rauchen die Belastbarkeit der Bandscheiben vermindert und zudem vermutlich die Spannung in den Nackenmuskeln erhöht, was beides eine Arthrose begünstigen kann. Ein wichtiger Schritt bei chronischen Beschwerden im Nacken ist es daher, mit dem Rauchen aufzuhören und damit außerdem seine Gesundheit allgemein zu verbessern.

5. Wichtige Krankengymnastik

Krankengymnastik (Physiotherapie) gehört auch bei Arthrose der Halswirbelsäule zu den wichtigsten vom Arzt verordneten therapeutischen Maßnahmen. Zu Beginn der Behandlung ist ein besonders behutsames Vorgehen empfehlenswert. Bevor mit aktiven Übungen begonnen werden kann, wer den oft zunächst die verkürzten Muskeln vorsichtig gedehnt (manchmal nach vorheriger Eisanwendung) und die eingesteiften Segmente behutsam mobilisiert (sogenannte „aufsteigende segmentale Mobilisierung“). Erst dann kann mit einer vorsichtigen Kräftigung der Muskeln begonnen werden.

6. Vorsicht bei Chirotherapie

Chirotherapie („Einrenken“ oder „Manuelle Therapie“) kann auch an der Halswirbelsäule bei Spannungszuständen der Muskulatur oftmals eine umgehende Linderung bewirken (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 16). Stets sollte man aber beachten: (1) Vor der Behandlung der Halswirbelsäule muss eine HWS-MRT vorliegen, die nicht älter als ein Jahr sein sollte. (2) Zeigt diese oder das Röntgenbild eine fortgeschrittene Arthrose, so sollte besonders schonend behandelt werden, um keine zusätzliche Reizung der Gelenke zu provozieren.

7. Operation 1: Schwäche oder Lähmungen im Arm?

Dank der Arbeiten vieler ärztlicher Pioniere haben sich in den letzten Jahren die Operationserfolge an der HWS deutlich verbessert. Übt z. B. ein vorderer oder hinterer Gelenkfortsatz – wenn er durch Arthrose vergrößert ist – Druck auf eine Nervenwurzel aus, kann dies zu Taubheitsgefühlen und zu einer zunehmenden Schwächung oder sogar Lähmung bestimmter Muskeln der Schulter, des Armes oder der Hand führen (siehe auch Tipp Nr. 2). Durch eine rechtzeitige entlastende Operation können heute solche Lähmungen häufig wieder rückgängig gemacht werden.

8. Operation 2: Unsicherheit beim Gehen?

Schwäche in den Beinen, ein unsicheres, staksiges Gehen oder eine besondere Neigung zum Fallen können nicht selten auf einen zunehmenden Druck auf das Rückenmark im Halsbereich zurückzuführen sein. Bei derartigen Gangstörungen sollte daher – auch bei älteren Menschen – an eine orthopädische und neurologische Untersuchung der Halswirbelsäule gedacht werden. Auch knöcherne Verbreiterungen der Wirbelkörper können diesen Druck auf das Hals-Rückenmark verursachen. Wichtig zu wissen: Diese Schwäche in den Beinen geht erstaunlicherweise meist mit keinerlei Schmerzen einher!

9. Trinkhalm kann nützlich sein

In vielen Fällen von Arthrose der Halswirbelsäule können auch einfache, kleine Maßnahmen sinnvoll sein. Schon beim einfachen Trinken aus einem Glas muss die Halswirbelsäule beträchtlich gestreckt werden. Dies kann die Arthroseschmerzen verstärken. Aus die sem Grunde wird den Patienten gern empfohlen, die Verwendung eines Trinkhalms zu versuchen, was sich auf die Beschwerden günstig auswirken kann.

10. Hirse-Kissen

Auch ein sogenanntes Hirse-Kissen kann spürbare Besserung bringen. Es hat den Vorteil, dass es seine Form, die man ihm einmal gegeben hat, relativ stabil beibehält. Besonders angenehm können auch Kissen sein, die nicht mit Hirse selbst, sondern mit den Schalen der Hirse gefüllt sind. Bestellen kann man diese z. B. bei dem folgenden Versandhaus: Naturproduktehaus Feige, Altenkirche ner Str. 27, 53567 Asbach, Tel.: (0 26 83) 9 45 50, („Hirse-Kissen“, Größe 40 x 40 cm, Preis EUR 31,95 zuzüglich EUR 5,95 für Versand, auch in anderen Größen lieferbar). Auch in Apotheken sind sie oft erhältlich.

11. Kaugummi hilfreich?

Von Herrn Chefarzt Dr. med. Moorahrend aus Füssen stammt der folgende Hinweis: Bei seinen Untersuchungen konnte er beobachten, dass sich beim Kauen von Kaugummi die Spannung in den Hals- und Nackenmuskeln oft mals deutlich vermindert, wodurch die Halswirbel-Gelenke entlastet werden. Sofern man über belastbare Zähne verfügt, könnte deshalb seiner Meinung nach der folgende Versuch sinnvoll sein: morgens und abends jeweils eine halbe bis eine Stunde Kaugummi kauen. Wer berufstätig ist, kann dies z. B. auf der Hin- und Rückfahrt zum und vom Arbeitsplatz einfach ausprobieren.

12. Nachts ein Tuch um den Hals tragen

Unser Mitglied Frau Luisa T. aus Aachen schließlich sandte uns den folgen den Tipp, den wir gerne weitergeben möchten. Sie schreibt: „Ein sehr einfaches, aber hilfreiches Mittel bei Problemen und Schmerzen im Nackenbereich: nachts immer ein wollenes Tuch um den Hals tragen; anfangs für gewisse Zeit am besten auch tagsüber. – Nicht nur bei mir, sondern auch bei meiner Tochter hat sich dieses einfache Mittel als sehr hilfreich erwiesen. Es geht auf den Ratschlag eines erfahrenen Arztes zurück.“ Auch Schals aus Seide oder Polyester können hilfreich sein.


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