Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 7

Praktische Tipps für die künstlichen Gelenke

Künstliche Gelenke, auch „Endo-Prothesen“ oder einfach „Knie-, Hüft- oder Schulterprothesen“ genannt, sind eine große „Erfolgs-Story“ der Arthrosebehandlung. Die allermeisten der damit Behandelten sind für viele Jahre schmerzfrei und können sich wieder viel freier und ohne Beschwerden bewegen.Wenn also trotz bestem therapeutischen Bemühen eine Operation unausweichlich geworden ist, sollte man mutig nach vorne schauen. Im Folgenden nennen wir die wichtigsten Regeln, die man zum Thema „Künstliche Gelenke“ kennen sollte. Sie beschreiben den aktuellen Wissensstand und geben einfache Hinweise für eine gute Vorbereitung sowie auch für das richtige Verhalten nach der Operation.

Voraussetzung Nr. 1: Alter über 60 – noch gültig?

Die Qualität der künstlichen Gelenke ist in den letzten Jahren erheblich verbessert worden. Die durchschnittliche Haltbarkeit beträgt heute nach 10 Jahren 90–95 Prozent. Die frühere strenge Regel „Nur bei Alter über 60“ gilt deshalb nicht mehr. Auch viele jüngere Arthrose-Betroffene können heute ein künstliches Gelenk erhalten. Als ungefähre Orientierung ist die alte Regel dennoch weiterhin nützlich. Bei jüngeren Patienten sollte ein Einsetzen jedenfalls nur dann erfolgen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Voraussetzung Nr. 2: Arthrose weit fortgeschritten

Das Einsetzen eines künstlichen Gelenks ist der letzte Schritt in der Behandlung der Arthrose. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Arthrose weit fortgeschritten sein muss, keine anderen Therapien wirksam sind und der Gelenkknorpel in einem großen Bereich des Gelenks ganz abgerieben ist. Wenn der Knochen direkt gegen Knochen reibt und im Röntgenbild ein sogenannter „Knochen-Knochen-Kontakt“ zu sehen ist, ist dieses Stadium erreicht.

Voraussetzung Nr. 3: Knie- oder Hüftgelenk

Auch die Gelenke im Hand- und Fußbereich können heute künstlich ersetzt werden. Dies sind jedoch Eingriffe, die zwar immer häufiger, aber weiterhin nur in bestimmten Spezialkliniken durchgeführt werden und noch nicht immer auch langjährige Erfolgsaussichten haben. Der routinemäßige Ersatz eines Gelenks ist heute im Wesentlichen auf das Hüft-, Knie- und Schultergelenk beschränkt. (Weitere spezielle Tipps hierzu geben wir in den kommenden ARTHROSE-INFOS.)

4. Welche Klinik ist die beste?

Die größte oder die nächste Klinik müssen nicht unbedingt die Beste sein. Eine gute Empfehlung ist, sowohl die eigenen Freunde und Bekannten als auch den behandelnden Arzt und Physiotherapeuten nach persönlichen Erfahrungen zu fragen. Gute Operationsergebnisse sprechen sich rasch herum, und diese persönlichen Empfehlungen geben Ihnen oft eine sehr verlässliche Orientierung. Erkundigen Sie sich hierbei auch nach der Qualität der Nachbehandlung, die nach dem eigentlichen Eingriff durchgeführt wird.

5. Ist Ihr Fall besonders schwierig?

„Routine gibt Sicherheit.“ Dies ist die immer wieder bestätigte Erfahrung guter Operateure. Sollte Ihr Krankheitsbild einmal eine besonders komplizierte Behandlung erfordern, müssen Sie keineswegs auf eine Operation verzichten. Vielmehr empfiehlt es sich, diesen Eingriff durch einen besonders erfahrenen Spezialisten vornehmen zu lassen, für den auch ungewöhnliche Fälle tägliche Routine sind. In diesem Fall sollten Sie auch eine größere Entfernung gern in Kauf nehmen. In der Regel kann Ihnen Ihr Arzt diesen Spezialisten benennen.

6. Welches Modell ist das richtige?

Allein für das künstliche Hüftgelenk gibt es inzwischen weltweit über 1.000 verschiedene Modelle und Typen. Ist es daher sinnvoll, stets das jeweils neueste Gelenkmodell zu erhalten? Nein. Die Überprüfung der Qualität neuer Modelle benötigt etwa 10 Jahre. So lange sollte ein neues Modell also mindestens im Gebrauch sein. Wichtiger als der neueste Gelenktyp oder das neueste Operationsverfahren ist die Erfahrung Ihrer Operateure. Das Gelenk, mit dem die Ärzte, zu denen Sie Vertrauen haben, über die größte Erfahrung und Routine verfügen, ist das beste!

7. Welche Jahreszeit?

Die Wahl der richtigen Jahreszeit kann Ihnen die Operation erleichtern. Meist kann der Eingriff ja lange im Voraus geplant werden. Wenn die Operation in den kühleren Monaten (z. B. von September bis März) durchgeführt wird, können Sie die Belastungen durch große Hitze vermeiden. Ebenso kann es auch sinnvoll sein, typische Ferienzeiten wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten gern zu meiden, da viele Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen in diesen Zeiten nicht ihre volle Personalbesetzung zur Verfügung haben.

8. Die Dauer des Aufenthaltes

Möglichst schnell wieder zu Hause zu sein, muss nicht unbedingt erstrebenswert sein. Vielmehr sollten meist die folgenden durchschnittlichen Aufenthaltszeiten erwartet werden: ca. 1 Woche Aufenthalt in der „Operationsklinik“ und bei Bedarf weitere 2–3 Wochen in einer „Nachbehandlungsklinik“. Planen Sie deshalb sicherheitshalber insgesamt 6 bis 7 Wochen ein, für die Sie zu Hause alles im Voraus regeln und vorbereiten müssen. Die Nachbehandlung kann heute oft aber auch ambulant erfolgen.

9. Gute Vorbereitung 1: Untersuchungen

Gleich wenn Sie sich endgültig für die Durchführung einer Operation entschieden haben, sollten Sie auch mit den Vorbereitungen beginnen. Wichtig ist zunächst die Untersuchung von Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. Sind Sie operationsfähig? Oder muss eine Vorbehandlung erfolgen? Diese Fragen wird Ihr behandelnder Arzt selbst klären oder die Untersuchung durch einen Spezialisten wie z. B. einen Arzt für Innere Medizin oder einen Arzt für Anästhesie veranlassen. Dieses Vorgehen gibt Ihnen zusätzliche Sicherheit.

10. Vorbereitung 2: Gesundheit verbessern

Die Vorbereitungszeit sollten Sie auch dazu nutzen, alles zu tun, um Ihren Gesundheitszustand allgemein zu verbessern. Je gesünder Sie sind, umso rascher werden die Heilungsprozesse ablaufen. Sind z. B. Ihre Zähne gesund? Sind die Zehennägel in Ordnung? Könnten Sie Übergewicht abbauen? Ein konsequentes Vorgehen in diesen Punkten beschleunigt den Heilungsverlauf und erhöht damit den Erfolg Ihrer Operation. Dies gilt auch für eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung. Ebenso sind viel Schlaf, genügend Bewegung und Verzicht auf Rauchen zu empfehlen.

11. Vorbereitung 3: Nützliche Übungen

Zu einer guten Vorbereitung gehört heute in der Regel auch eine krankengymnastische Übungsbehandlung. Auf Verordnung und Kontrolle Ihres Arztes können bestimmte Dehnungs- und Kräftigungsübungen und auch das Gehen mit Unterarmgehstützen im Voraus gelernt werden. Diese Übungen erleichtern Ihnen die Zeit nach der Operation und geben Ihnen einen wichtigen Übungsvorsprung. Je besser Ihre Muskulatur trainiert ist, umso rascher sind Sie nach der Operation wieder auf den Beinen und können sich sicher bewegen.

12. Empfehlenswerte Sportarten

Mit dem künstlichen Gelenk können Sie auch Sport treiben. Weise Beschränkung ist aber sehr zu empfehlen. Sportarten, bei denen hohe Beschleunigungen, Stoßbelastungen und extreme Bewegungen auftreten (Laufen, Fußball, Tennis), sollten Sie meiden. Zu empfehlen sind Sportarten mit ruhigen und kontrollierten Bewegungen wie Schwimmen, Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren (ohne hohen Tretwiderstand) sowie bei Geübten äußerst vorsichtiges Ski-Lang-laufen oder Abfahrtslauf. Eine wichtige Regel ist, dass die Belastung insgesamt langsam aufgebaut werden sollte – und stets schmerzfrei.


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