Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 42

Praktische Tipps bei Arthrose des Daumens

Über die wichtige Arthrose der Hand haben wir bereits in den ARTHROSE-INFOS Nr. 2, 12 und 22 berichtet. Heute wenden wir uns nun speziell der Arthrose des Daumens zu, deren Bedeutung in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt ist und die für viele Menschen äußerst zermürbend sein kann. Von den drei Gelenken des Daumens ist dasjenige am häufigsten von Arthrose betroffen, das vom Daumennagel am weitesten entfernt in der Tiefe des Handballens liegt. Die Arthrose dieses Gelenks wird in der ärztlichen Fachsprache meist „Rhizarthrose“ genannt. Wir beschreiben im Folgenden Auftreten und Häufigkeit dieser Arthrose, stellen Behandlungsmöglichkeiten vor und nennen mehrere Tipps zur Selbsthilfe.

1. Große Bedeutung des Daumens

Nur durch die Mithilfe des Daumens können wir bestimmte Gegenstände umfassen und halten. Verliert man den Daumen durch einen Unfall, so wird dies nahezu genauso hoch bewertet wie der Verlust eines Auges und fast halb so hoch wie der Verlust der ganzen Hand! Seine große Beweglichkeit hat der Daumen einem Gelenk zu verdanken, das in der Nähe des Handgelenks liegt. Wegen seiner anatomischen Form wird es „Sattelgelenk“ genannt. Dieses kleine Gelenk ist wegen seiner hohen Beanspruchung eines der am häufigsten von Arthrose betroffenen Gelenke des Körpers!

2. Besonders häufig bei Frauen ab 40

Die Daumensattelgelenk-Arthrose betrifft in über zwei Drittel der Fälle Frauen und tritt besonders häufig ab dem 40. Lebensjahr auf. Sie fällt damit in eine Zeit, in der viele auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft stehen und oft noch mehrere Jahrzehnte ihres Lebens vor sich haben. Die bei Frauen weicheren und weniger straffen Gelenkbänder sind vermutlich eine der Ursachen für das häufige Auftreten dieser Arthrose. Bei Männern hingegen ist die Daumensattelgelenk-Arthrose nicht selten Folge eines früheren Unfalls oder berufsbedingt und kann auch schon in jüngeren Jahren auftreten.

3. Symptom 1: Heftige Schmerzen

Typisch für die Daumensattelgelenk- Arthrose im fortgeschrittenen Stadium sind oft heftige Schmerzen schon bei einfachsten Tätigkeiten. Schon das Blättern in einem Buch oder das leichte Auszupfen von Unkraut im Garten kann enorme Schmerzen auslösen. Ein Mitglied beschreibt dies so: „Das mache ich vielleicht gerade mal drei-, viermal, dann bin ich vollkommen fertig!“ Auch das Halten eines Kugelschreibers, das Öffnen eines Glases mit Schraubverschluss, das Auswringen eines Wischtuchs oder das Drehen des Schlüssels im Türschloss kann äußerst schmerzhaft sein.

4. Symptom 2: Beweglichkeit vermindert

Je weiter die Arthrose fortschreitet, umso mehr wird auch die Beweglichkeit des Daumens eingeschränkt. Meist nimmt das erkrankte Gelenk dabei eine typische Schrägstellung ein. Über dem Gelenk ist dann oft eine knöcherne Vorwölbung zu tasten, die durch eine Teilausrenkung des Gelenks bedingt ist. Manchmal kann ein vorsichtiger Druck auf diese Stelle, die sehr empfindlich ist, helfen, die Schmerzen zu lindern. Noch wirksamer kann ein Hilfsmittel sein, das wir in Tipp Nr. 7 beschreiben und das dem betroffenen Gelenk einen stabilen Halt gibt.

5. Selbsthilfe 1: Tagsüber mehrmals kühlen

Die lindernde Wirkung einer kurzfristigen (!) Kühlung des schmerzenden Gelenks wird immer wieder bestätigt. Frau Gertrud S. aus Euskirchen schreibt uns: „Morgens gehe ich nach dem Aufstehen als Erstes zum Kühlschrank, entnehme eine gut gekühlte volle Sprudelflasche und umfasse diese mit beiden Händen für einige Minuten. Danach wärme ich die Hände an der Kaffeekanne. Beides tut mir gut!“ Zum Kühlen eignen sich auch eine kleine Kühlkompresse (Apotheke) oder Eiswürfel in einer Plastiktüte, mit denen man den Daumen alle zwei Stunden für je eine Minute kühlt.

6. Selbsthilfe 2: Nachts Salbenverband

Auch eine nächtliche Salbenanwendung kann hilfreich sein: Abends vor dem Schlafengehen eine entzündungshemmende Salbe (oder Quark aus dem Kühlschrank) 2 bis 3 mm dick über dem schmerzenden Gelenk auftragen, mit einer Plastikfolie abdecken und dann mit einer elastischen Binde sichern. Statt einer Plastikfolie kann man auch Einmalhandschuhe verwenden, bei denen man die Fingerspitzen abschneidet. Des Weiteren vermag das Tragen von Wollhandschuhen vor einer nächtlichen Abkühlung zu schützen, die mitunter ebenfalls Schmerzen auslösen kann.

7. Für bestimmte Tätigkeiten maßgefertigte „Schiene“ anlegen

Da Schmerzen bei Daumensattelgelenk-Arthrose oft nur bei ganz bestimmten Belastungen auftreten, befürworten fast alle Spezialisten das Verwenden einer sogenannten „Daumen-Mittelhand-Schiene“. Es handelt sich dabei um eine abnehmbare Kunststoff-Hülse, die das Daumensattelgelenk schützt,  wenn man bestimmte Arbeiten verrichten muss. Am besten wird diese Schiene auf ärztliche Verordnung von einer erfahrenen Ergotherapeutin angefertigt und damit besonders maßgerecht angepasst. Für Arbeiten im Wasser kann man einen Gummihandschuh darüber ziehen.

8. Empfehlenswerte Glasöffner

Hoch belastet wird das Daumensattelgelenk auch beim Öffnen von Flaschen und Gläsern. Im ARTHROSE-INFO Nr. 12 haben wir bereits einen nützlichen Öffner beschrieben. Das Öffnen einer Flasche oder eines Glases kann ebenfalls erleichtert werden durch den „Multiöffner“ der Firma Lurch, der in vielen Kaufhäusern erhältlich ist. Als Glasöffner hat sich auch der praktische „Deckelöffner“ des Versandhauses Walz bewährt (Katalog „Die moderne Hausfrau“, 88336 Bad Waldsee, Bestell-Telefon 0180/5334011 (0,14€/Min.), www.moderne-hausfrau.de).

9. Hilfe beim Schälen

Schmerzen beim Schälen von Kartoffeln oder Äpfeln kann man oft schon durch Verwendender in vielen Haushaltswarengeschäften erhältlichen ein fachen „Sparschäler“ vermeiden. In besonderen Fällen hilft auch das folgende Gerät. Man braucht damit beim Schälen nur eine kleine Kurbel mit der Handfläche zu drehen und belastet den Daumen nicht. Hergestellt wird dieser „Apfelschäler“ von der Firma Lurch und ist erhältlich in den Haushaltswaren-Abteilungen vieler Kaufhäuser und im Internet z. B. über www.amazon.de

10. Operative Behandlung sehr wirksam

Wenn alle anderen Maßnahmen (siehe auch ARTHROSE-INFO Nr. 22) keine bleibende Erleichterung bringen, kann heute bei einer Daumensattelgelenk-Arthrose auch eine Operation schmerzlindernd sein. Wer sich somit ein Herz fasst und sich einem erfahrenen Handchirurgen anvertraut, wird meist reich belohnt. Frau Gisela A. aus Nürnberg schreibt uns: „Ich kann jetzt wieder alles machen und habe praktisch keine Schmerzen mehr!“ Da die Operation ohne Narkose nur in Betäubung des Armes („Plexus-Anästhesie“) durchgeführt werden kann, ist sie auch im höheren Lebensalter noch möglich.

11. Operative Möglichkeiten

Viele Handspezialisten bevorzugen heute ein Verfahren, bei dem ein kleines Knöchelchen in der Handwurzel (das sogenannte Trapezium) entfernt wird und die Bänder zwischen Daumen und benachbartem Mittelhandknochen verstärkt werden („Resektions-Suspensions-Arthroplastik“, s. Abbildungen). Auch bei jüngeren Schwerarbeitern wird eine dauerhafte Verbindung des Gelenks nur noch selten empfohlen („Fusions-Operation“). – Auch künstliche Gelenke haben in den letzten Jahren Fortschritte erzielt.

12. Gut vorausplanen

Wenn man eine Operation in Erwägung zieht, sollte man für die Zeit danach gut vorausplanen. Nach der Operation wird man meist mit einer Gipsschiene entlassen, die man noch etwa drei bis sechs Wochen tragen wird. Nach Abnahme dieser Schiene wird die operierte Hand oft noch mit Krankengymnastik und Ergotherapie auf den Alltag vorbereitet. Sie kann für mehrere Wochen noch nicht voll belastet werden. Wenn man sich daher mit Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn im Voraus bespricht und abstimmt, helfen diese sicher gern bei den täglichen Aufgaben.


Ausdrucken  Fenster schließen