Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - INFO Nr. 124
Auch die Knochen gehören zu den Wundern unseres Körpers. Sie geben ihm Stütze und Halt. Nur durch sie können die Muskeln ihre Kraft entfalten, nur durch sie können wir uns bewegen und viele Tätigkeiten verrichten. Wie alles lebende Gewebe benötigen auch die Knochen einen geordneten Stoffwechsel, um gesund und stabil zu bleiben. Dafür ist es erforderlich, dass auf Zeiten mit hoher Belastung auch solche der Erholung folgen müssen. Andernfalls werden sie überfordert und können brechen. Ärzte nennen diese Brüche „Ermüdungs-Brüche“ oder „Stress-Frakturen“. Am Fuß können oft die Röhrenknochen des Mittelfußes betroffen sein. Im Folgenden haben wir deshalb einige nützliche Tipps zusammengetragen. Wir sind sicher, dass sie das Verhalten eines jeden von uns positiv leiten können
Schmerzen in den Füßen können viele Ursachen haben und an sehr verschiedenen Stellen auftreten. Bei Ermüdungsbrüchen im Mittelfußbereich schmerzt der Fuß nur an ganz bestimmten Stellen der Fußsohle und des Fußrückens. Auffallend ist dabei, dass die Schmerzen nicht in Höhe des Ballens, sondern etwa zwei bis drei Fingerbreiten weiter in Richtung Ferse zu finden sind, also da, wo eigentlich kein direkter Kontakt mit dem Boden zustande kommt. Auch schmerzt nicht die gesamte Breite des Fußes, sondern nur ein relativ schmaler Bereich, je nachdem welcher Knochen betroffen ist
Eine weitere Besonderheit ist, dass diese Fußschmerzen nicht beim Aufsetzen der Ferse, sondern erst während der Abroll-Phase beim Gehen, Laufen (Joggen) oder auch beim Treppabgehen auftreten und dann äußerst heftig sein können. Somit treten sie zwar während der Belastung des Ballens auf, obwohl – wie bereits erwähnt – nicht der Ballen selbst schmerzt, sondern eine etwas weiter hinten gelegene Stelle des Fußes. In Ruhe, also zum Beispiel im Sitzen oder im Liegen, ist der Fuß hingegen in der Regel beschwerdefrei.
In einigen Fällen kommt es zudem zu einer zarten Rötung, einer leichten Überwärmung und einer Anschwellung der Weichteile. Nur in sehr seltenen Fällen kann die Schwellung auch erstaunliche Ausmaße annehmen und geradezu „ballonartig“ im Bereich des Fußrückens sein. Dies ist aber keineswegs typisch für die Ermüdungsbrüche im Bereich des Mittelfußes. Erfahrene Ärzte werden bei ihrer Untersuchung der Füße vielmehr auf die folgenden Zeichen achten:
Wenn Patienten über Fußschmerzen beim Gehen, Laufen, Treppen- oder Leitersteigen klagen, gehört zur ärztlichen Untersuchung zunächst das sorgfältige Abtasten der Fußsohle und des Fußrückens mit dem Zeigefinger. Überaus typisch für Ermüdungsbrüche des Mittelfußes ist es, dass dann ein schmerzhaftes Areal, das ganz begrenzt und ganz umschrieben ist, entdeckt wird. Dieser „punktgenaue“ Druckschmerz bei ansonsten unauffälligen, ja sogar gesund erscheinenden Füßen, kann den Ärzten bereits einen deutlichen Hinweis für die Diagnose geben.
Ermüdungsbrüche des Mittelfußes betreffen erstaunlicherweise nicht den ersten Strahl, der zur kräftigen Großzehe führt. Vielmehr sind besonders häufig der zweite und etwas seltener der dritte Strahl betroffen. Nur in sehr wenigen Fällen kann auch der fünfte Strahl, der zum Kleinzeh führt, betroffen sein. Der Druckschmerz bei der ärztlichen Untersuchung findet sich somit meist in der Verlängerung des zweiten Zehs oder etwas seltener des dritten Zehs. Nur in ganz besonderen Fällen ist der äußere Fußrand in Verlängerung des Kleinzehs betroffen.
Ermüdungsbrüche sind „schleichende“ Brüche. Wenn die Schmerzen erst vor Kurzem begonnen haben, dann sind in den Röntgenaufnahmen noch keinerlei Veränderungen erkennbar. Leider kann dies dazu führen, dass Ärzte und Patienten denken: „Dann kann es ja auch nicht so schlimm sein“, und mit der Verordnung von Schmerzmitteln wertvolle Zeit für die fachgerechte Behandlung verlieren. Erfahrenen Experten bestätigt das „leere“ Röntgenbild jedoch den Verdacht auf einen Ermüdungsbruch. Manche von ihnen veranlassen sicherheitshalber zusätzlich MRT-Aufnahmen (siehe Tipp Nr. 10).
Den meisten Menschen ist die Möglichkeit eines Ermüdungsbruchs vollkommen unbekannt. Viele Patienten, die mit Fußschmerzen in die Praxis kommen, werden deshalb vermuten, dass es sich um eine Prellung oder Zerrung handeln könnte. War da nicht kürzlich ein Stolpern gewesen? Habe ich mich nicht vor Kurzem mit dem Fuß versehentlich angestoßen? Gab es da nicht einen Zusammenprall beim Fußball spielen oder eine riskante Grätsche? Kurzum, sehr oft wird zunächst eine Bagatellverletzung als Ursache der Schmerzen vermutet.
Sobald bei der ärztlichen Untersuchung der Verdacht auf einen Ermüdungsbruch aufgetaucht ist, werden die untersuchenden Ärzte weiter fragen: Haben Sie in letzter Zeit ungewöhnlich lange Wanderungen unternommen? Haben Sie Ihre Jogging-Strecke kurzfristig erheblich ausgedehnt? Gab es in letzter Zeit eine besonders hohe berufliche Belastung für die Füße? usw. All diese und viele weitere Belastungen können die Ursache für einen Ermüdungsbruch sein. Die Schmerzen können dabei sofort während der Überforderung oder Stunden danach und in manchen Fällen erst Tage danach auftreten.
Knochen ist hart und robust. Dennoch besteht er aus lebendem Gewebe. Um höhere Belastungen zu verkraften und diesen gewachsen zu sein, benötigt der Knochen besonders intensive Stoffwechselvorgänge, um seine Stärke erst aufzubauen. Bei einer Osteoporose dauert diese Aufbauphase noch wesentlich länger. Hat der Arzt oder die Ärztin aber erst einmal die Diagnose „Verdacht auf Ermüdungs-Bruch bzw. Stress-Fraktur“ gestellt, sind viele Patienten sogar erleichtert. Denn nun kann die Behandlung konsequent und mit Aussicht auf bleibenden Erfolg durchgeführt werden.
Der große Vorteil im Vergleich zu unfallbedingten Knochenbrüchen: Ermüdungsbrüche führen fast nie zu glatten Bruchflächen, die sich verschieben oder verkanten. In den MRT-Aufnahmen zeigen sich vielmehr zunächst feine Auflockerungen am Knochen-Rand oder Verdichtungen („Ödeme“) im Knochen-Inneren – oder feine Rissbildungen. Später, wenn der Bruch wieder verheilt ist, findet sich beim Abtasten und auch in den Röntgenaufnahmen eine fast kugelförmige Verdickung, die die Heilung und sogar eine zusätzliche Verstärkung des Knochens widerspiegelt („Kallus-Bildung“).
Die Therapie ist in der Regel einfach. Von zentraler Bedeutung ist, jegliche Belastung des betroffenen Knochens zu vermeiden. Oft genügt dazu bereits eine sorgfältig eingehaltene Sportpause und das Tragen fester Schuhe. Zusätzlich werden oft auch Unterarmgehstützen verordnet. Nur in besonderen Fällen kann der Schutz auch durch sogenannte „Walker“ (gesprochen „woker“) erfolgen. Mit deren Hilfe wird der Abrollvorgang vom Fuß selbst ferngehalten. Nur äußerst selten ist eine Operation erforderlich. Meist betrifft dies Ermüdungsbrüche des fünften Mittelfußknochens.
Bei jedem Ermüdungsbruch sollte auch eine Laboruntersuchung durchgeführt werden. Dabei werden u. a. der Vitamin-D-Spiegel, Kalzium und Hormone im Blut bestimmt. Vitamin D ist für die Knochenstärke von größter Bedeutung. Gleichzeitig ist dieser Wert bei erstaunlich vielen Menschen zu niedrig. Wird ein Vitamin-D-Mangel festgestellt, so wird die beschriebene Therapie durch die Einnahme von Vitamin-D-Dragees und gegebenenfalls Kalzium ergänzt. Wer die Tipps Nr. 11 und Nr. 12 mehrere Wochen lang befolgt, kann sich so gut wie sicher an einer vollständigen Heilung erfreuen.