Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 40

Praktische Tipps bei Ellenbogen-Arthrose

Die Ellenbogen-Arthrose kann lange Zeit stumm verlaufen und erst relativ spät zu Beschwerden führen. Wenn dann die ersten Röntgenbilder angefertigt werden, sind Arzt und Patient nicht selten überrascht, wie weit diese Arthrose schon fortgeschritten ist. Im Folgenden möchten wir einmal die wichtigsten Ursachen der Ellenbogen-Arthrose vorstellen, die man kennen sollte und die oft weit in die Kindheit zurückreichen. Des Weiteren nennen wir auch einige nützliche Hinweise zum richtigen eigenen Verhalten und zur Therapie, wie sie heute von Experten empfohlen wird. (In ARTHROSE-INFO Nr. 50 wird auch der schmerzhafte „Tennis-Ellenbogen“ besprochen, der aber mit einer Arthrose selbst nichts zu tun hat und mit dieser nicht verwechselt werden darf.)

1. Ursache 1: Erkrankungen des Ellenbogens im Kindesalter

Wenn Kinder und Jugendliche über Beschwerden am Ellenbogen klagen, sollte man frühzeitig mit ihnen zum Arzt gehen. In manchen Fällen können sich dahinter Gelenkerkrankungen verbergen, die sich auf das gesamte spätere Leben auswirken werden. Fast ausschließlich bei Jungen im Alter von 7 bis 12 Jahren kann es dabei zum Einbrechen eines bestimmten Gelenkabschnitts kommen (sogenannte „Panner’sche“ Krankheit). Bei älteren Jungen (zwischen 13 und 16 Jahren) kann sich an ähnlicher Stelle eine Ablösung eines Gelenkteils entwickeln, die das Gelenk schwer schädigen kann (Osteochondrosis disseccans).

2. Ursache 2: Frühere Unfälle

Eine häufige Ursache der Ellenbogen-Arthrose sind auch Verletzungen. Sie können oft bereits viele Jahre zu rückliegen. Bei Kindern gehören Verletzungen am Ellenbogen sogar zu den häufigsten Verletzungsarten überhaupt. Ein Sturz auf den ausgestreckten Arm, z. B. von der Schaukel oder beim „Inline-Skating“, kann häufig zu folgenreichen Brüchen der feinen Ellenbogenknochen führen, wodurch das Gelenk oft auf Dauer geschädigt wird. Das Gleiche gilt für schwere Gelenkverletzungen im Erwachsenenalter, die sogar schon nach Monaten zu einer Arthrose führen können.

3. Ursache 3: Überlastung

Wenn weder Erkrankungen noch Verletzungen die Ursachen der Ellenbogen-Arthrose sind, sprechen die Fachleute meist von einer „primären“ Arthrose. In vielen Fällen ist dennoch ein Zusammenhang mit einer langjährigen hohen Belastung zumindest zu vermuten. So kann sich nach jahrelanger Arbeit mit dem Presslufthammer eine Arthrose des Ellenbogens entwickeln. Alarmiert sind einige Experten zudem auch über das frühe Auftreten schwerer Ellenbogen-Arthrosen bei 20- bis 30-Jährigen infolge überhöhter Belastung beim Kraftsport. – Welches sind nun die vier häufigsten Symptome?

4. Symptom 1: Behinderung beim Rasieren, Haarewaschen …

Noch vor den ersten Schmerzen kann sich als frühestes Symptom eine langsam zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit entwickeln, die zunächst nur bei bestimmten Tätigkeiten auffällt. Während der Arzt bei seiner Untersuchung besonders früh die Verminderung der vollen Streckfähigkeit des Armes feststellen wird, beobachtet man selbst häufig zuerst z. B. beim Rasieren, dass man die Hand nicht mehr so leicht an beide Gesichtshälften führen kann. Auch beim Haarewaschen oder Kämmen kann auffallen, dass man Hinterkopf und Nacken nicht mehr so gut erreicht.

5. Symptom 2: Plötzliche Blockierungen

Sehr typisch für die Ellenbogen-Arthrose sind auch plötzlich bei der Armbeugung auftretende Blockierungen, die die Bewegung abrupt abstoppen. Sie werden oft verursacht durch sogenannte „freie Gelenkkörper“ (INFO Nr. 22, S. 16). Diese meist linsengroßen Knorpelteilchen, die auch einen kleinen Knochenkern besitzen können und dann im Röntgenbild sichtbar werden, können zwischen die Gelenkflächen geraten und diese blockieren. Diese können bei der Gelenkspiegelung (Tipp Nr. 12) meist gut entfernt werden.

6. Symptom 3: Taubheitsgefühl am kleinen Finger

Weit vom Ellenbogen entfernt am kleinen Finger, an Teilen des Ringfingers und an der Handkante können bei einer unfallbedingten Arthrose des Ellenbogens schließlich auch Missempfindungen und Taubheitsgefühle auftreten. Sie werden verursacht durch eine Einengung des sogenannten Ulnaris-Nervs, der dicht hinter dem Ellenbogengelenk verläuft („Ulnaris-Syndrom“). Wie empfindlich dieser Nerv ist, kennt man gut von jenen Momenten, in denen man sich versehentlich am Ellenbogen anstößt und diese Stelle trifft, die auch als „elektrischer Punkt“ oder „Musikantenknochen“ bezeichnet wird.

7. Symptom 4: Zwei Arten von Schmerzen

Schmerzen bei Ellenbogen-Arthrose können ganz verschieden sein: In manchen Fällen treten Schmerzen „stichartig“ auf, sobald die volle Streckung erreicht wird. Dieser Schmerztyp wird auch als „Impingement“-Schmerz bezeichnet. Er tritt besonders häufig bei der primären Arthrose auf (Tipp Nr. 3). Schmerzhaft kann auf diese Weise z. B. das Tragen der Einkaufstüte mit gestrecktem Arm sein. In anderen Fällen treten Schmerzen nur während der körperlichen Arbeit oder nachts auf. Dieser Schmerztyp findet sich oft bei unfallbedingter Ellenbogen-Arthrose (Tipp Nr. 2)

8. Ellenbogen-Bäder und -Verbände

Wenn der Ellenbogen entzündet und geschwollen ist, kann auf Anraten des Arztes eventuell auch ein Versuch mit Ellenbogen-Bädern unter Zusatz von entzündungshemmenden Substanzen (z. B. Salhumin oder Heublumen) sinnvoll sein. Ebenso helfen oft Salbenverbände, bei denen die Salbe zusätzlich mit einer Folie abgedeckt wird („Okklusiv-Verbände“). Viele Ärzte empfehlen außerdem das Tragen einer verstärkten elastischen Ellenbogenbandage, die auf Rezept verordnet werden kann

9. Kein Abstützen und kein Heben

Bei einer Ellenbogen-Arthrose sollte man zwei Bewegungen bzw. Tätigkeiten eher vermeiden: Das Abstützen mit den Händen beim Aufstehen (z. B. bei Kniebeschwerden, siehe INFOS Nr. 1, 11 und 32) bewirkt eine deutliche Belastung des Ellenbogens während der Streckbewegung. Ebenso empfehlen Ellenbogen-Spezialisten, Arbeiten, die mit schwerem Heben oder Tragen einhergehen, zu vermeiden. So sollte man keine vollen Getränkekästen tragen und keine Gewichte heben, die schwerer als 3 bis 4 kg sind. Ähnliches gilt bei Gartenarbeiten (z. B. beim Tragen der Gießkanne).

10. Sportarten, die nicht so günstig sind

Schützen kann man das erkrankte Ellenbogengelenk außerdem, wenn man auf Sportarten verzichtet, bei denen die Arme belastet werden. Hierzu gehören: Ballsportarten (wie Handball, Volleyball oder Basketball), aber auch Tennis, Gewichtheben, Skilanglauf, Speerwerfen, Kegeln, Geräteturnen, Judo, Karate und Golf. Auch das Verwenden von Wanderstöcken sollte man in dieser Situation möglichst vermeiden. Schließlich sollte man in dieser Situation auch auf solche Sportarten besser verzichten, die zu häufigen Stürzen führen, wie Fußball oder Schlittschuhlaufen.

11. Sportarten, die empfehlenswert sind

Ohne Weiteres möglich sind hingegen so beliebte Sportarten wie Spazierengehen, bequemes Wandern (auf sicheren, ebenen Wegen ohne Stockeinsatz), Radfahren (auf ebenen geteerten Strecken) und das Heimtrainerfahren. Meist ist auch Schwimmen gut möglich, wenn man auf höhere Belastungen der Arme verzichtet und diesen Sport nicht wettkampfmäßig betreibt

12. Gelenkspiegelung, künstliche Gelenke

Wenn trotz besten ärztlichen Bemühens und eigenen Mithelfens die Beschwerden immer weiter zunehmen, kann heute oftmals auch eine operative Behandlung erfolgreich sein. Besonders große Fortschritte hat hierbei die Behandlung mithilfe der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) erzielt. Schon lange wird diese Methode immer dann eingesetzt, wenn freie Gelenkkörper die Bewegung blockieren (Tipp Nr. 5). Sie lassen sich mit diesem Verfahren meist gut beseitigen. Auch können damit knöcherne Anbauten abgetragen und die Beweglichkeit verbessert werden. Spezialisten können in besonders fortgeschrittenen Fällen auch künstliche Ellenbogen-Gelenke (Endoprothesen) einsetzen


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