Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 133

Praktische Tipps bei Arthrose der Hüfte

Zur Arthrose des Hüftgelenks möchten wir in der heutigen Ausgabe eine Auswahl praktischer Tipps wiederholen, die uns dankenswerterweise viele Mitglieder aus ihren persönlichen Erfahrungen übersandt hatten. In so manchen Fällen können diese einfachen Maßnahmen, Hilfsmittel und Übungen hilfreich sein und die Beschwerden ein wenig lindern helfen. Gern möchten wir zudem auf die vielen weiteren Tipps in den früheren ARTHROSE-INFOS zu diesem wichtigen Thema hinweisen und auch diese Tipps zur Vorbereitung und Ergänzung nochmals bestens empfehlen.

1. Fahrrad oder Heimtrainer fahren

„Seit ich täglich Fahrrad und Heimtrainer fahre, bin ich wieder beweglicher geworden und benötige glücklicherweise zurzeit keine Schmerzmittel mehr“, schrieb uns dankbar Frau Annegret H. aus Köln. Der große Vorteil des Rad- oder Heimtrainer-Fahrens besteht in der Schonung der großen tragenden Gelenke der Beine. Das Körpergewicht ruht weitgehend auf dem Sattel, und die Belastung der Hüftgelenke ist deutlich verringert. Gleichzeitig werden Muskulatur und Kreislauf gekräftigt. Es empfiehlt sich jedoch, dieses Training langsam aufzubauen und nur behutsam zu steigern

2. Nordic Walking

Immer wieder sieht man auch Spaziergänger, die zum Wandern zwei relativ lange, schlanke Stöcke zu Hilfe nehmen, deren Spitzen mit feinen Gummikufen abgerundet und gefedert sind. Ein Mitglied berichtete: „Durch leichtes ‘Nordic Walking’ (auf Deutsch: Nordisches Gehen) verliert man auf einfache Weise einige überflüssige Pfunde.“ Wichtig ist dabei der richtige Stockeinsatz: Wenn das linke Bein vorne ist, muss der rechte Stock ebenfalls vorne sein und umgekehrt. Durch dieses Abstützen beim Gehen werden die Hüftgelenke spürbar entlastet und geschont.

3. Pendeln

Wertvoll ist auch ein Hinweis, den wir bereits im ARTHROSE-INFO Nr. 23 vorgestellt haben. So schreibt Herr Helmut L. aus Hamburg: „Mit dem gesunden Bein stehe ich etwas erhöht, beispielsweise auf einem kleinen Brett. Dann pendele ich mit dem kranken Bein reichlich nach vorn und hinten, etwa zwanzig- bis dreißigmal. Dies mache ich dreimal täglich.“ Um einen festen Halt zu haben, ist es empfehlenswert, sich mit einer Hand z. B. an einer Kommode oder einem Tisch abzustützen. Das Pendeln hilft, die verspannten Muskeln des betroffenen Hüftgelenks zu lockern.

4. Mit den Beinen „in der Luft Fahrrad fahren“

Auch einfache Bewegungen in Rückenlage können die Muskeln lockern helfen. Man legt sich hierbei flach auf den Rücken, hebt beide Knie an und bewegt die Beine in der Luft wie beim Fahrradfahren. Mit dieser einfachen Übung, die man auch morgens im Bett noch vor dem Aufstehen machen kann, werden die Gelenke beweglich, die Muskeln gedehnt und außerdem der Kreislauf aktiviert. Ganz wichtig ist jedoch: Bei hohem Blutdruck sollte man diese Übung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchführen.

5. Abspreizen in Seitenlage

Sehr einfach ist auch folgende Übung, die mit der vorangehenden kombiniert werden kann, sofern man über volle Hüftstreckung verfügt. Man lege sich auf die gesunde Seite, sodass die von Arthrose betroffene Hüfte oben liegt. Dann hebt man das obere Bein langsam seitlich – bis knapp über die Horizontale – an, hält es für etwa fünf Sekunden in dieser Stellung und senkt es dann langsam wieder ab. Diese Abspreiz-Übung kann man jeweils zehnmal hintereinander wiederholen. Mit einem künstlichen Hüftgelenk sollte man sie jedoch nur nach Rücksprache mit dem Operateur durchführen.

6. Strumpf-Anzieher

Wenn das Hüftgelenk bei Arthrose zunehmend einsteift und die Beugung der Hüfte schwierig wird, kann auch das morgendliche Anziehen der Strümpfe einige Mühe bereiten. Hilfreich könnten dann Strumpf-Anzieher sein. Man zieht zuerst den Strumpf auf die Kunst stoffschale. Dann schlüpft man mit dem Fuß hinein und zieht mit zwei Zügeln die Schale samt Strumpf langsam über den Fuß. Einige Mitglieder berichten, wie dankbar sie für diese Methode sind. Die Handhabung kann jedoch recht anspruchsvoll sein, sodass eine Beratung in einem Sanitätshaus sehr empfehlenswert ist.

7. Greifhilfe

Auch eine Greifhilfe wird bei schwerer Hüft-Arthrose oft dienlich sein. Mit den neueren Modellen kann man sogar kleinste Gegenstände, wie heruntergefallene Münzen, aufheben. Ein kostenloser Katalog ist z. B. erhältlich bei: Firma Bort, Am Schweizerbach 1, 71384 Weinstadt-Benzach, Tel.: 0 71 5199 20 00, Fax: 0 71 51 – 9 92 00 50, Internet: www.bort.com. Die Greifhilfe „EasyLife“ der Firma Bort ist in Sanitätshäusern, orthopädischen Fachgeschäften und Apotheken erhältlich. Auch in vielen Baumärkten findet man günstige Greifhilfen und kann sie bequem vor dem Kauf ausprobieren.

8. Rollende Einkaufstasche

Taschen mit Rädern können beim Einkaufen die von Arthrose betroffene Hüfte deutlich entlasten. Viele Mitglieder betonen, wie hilfreich diese Rolltaschen im Alltag sind. Inzwischen gibt es sie in vielen verschiedenen Ausführungen. Sehr praktisch sind solche, die man leer zusammenfalten kann. Erhältlich sind sie in Sanitäts- und Kaufhäusern. Aus der biomechanischen Forschung ist bekannt, dass jedes Kilogramm, das man auf diese Weise vom erkrankten Gelenk fernhält, wegen der Hebelwirkung das Gelenk sogar um das Dreifache entlastet und somit wirksam schützt.

9. Falt-Rad und Rucksack im Auto

Für eine weitere wertvolle Empfehlung danken wir Herrn Wilfried M. aus Ulm. Er schrieb uns: „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, beispielsweise zum Einkaufen in der Innenstadt, in der Freizeit oder im Urlaub, nehme ich mein Klapprad (neuerdings auch „Falt-Rad“ genannt) sowie einen kleinen Rucksack mit. So kann ich die bisherigen Fußmärsche bequem durch Radfahren ersetzen und bin damit viel beweglicher.“

10. Ein- und Aussteigen

Bei schwerer Hüft-Arthrose kann für Autofahrer das Ein- und Aussteigen oftmals sehr schwierig sein. So empfiehlt ein Mitglied aus Bonn hierzu: „Ich lege eine dünne glatte Einkaufstasche (oder eine Sichthülle) auf den Sitz. Dann setze ich mich quer zum Sitz auf diese, hebe beide Beine zusammen an und drehe mich in Fahrtrichtung. Dabei halte ich mich am Lenkrad fest. Meine Gehstöcke lege ich gut erreichbar auf den Beifahrersitz.“ Sobald man sicher sitzt, kann die Unterlage vor der Fahrt wieder entfernt werden. Nützlich ist auch, den Sitz zum Einsteigen so hoch wie möglich einzustellen.

11. Ernährung

„Vollwertig, naturnah und frisch“; „geruhsam und nie mit Hast essen“; „weniger essen und mehr Sport treiben“; „viel Obst und Gemüse“ lauten einige der vielen Empfehlungen unserer Mitglieder. Jedes Kilogramm weniger entlastet das erkrankte Hüftgelenk bei jedem Schritt. Hilfreich kann zudem sein: (1) nur kalorienfreie Getränke zu trinken, (2) auf regelmäßige Bewegung zu achten und (3) sich täglich morgens einmal zu wiegen. Das Zielgewicht kann leicht errechnet werden: Körpergröße in Zentimetern minus 100 = Gewicht in Kilogramm. Diese alte Regel ist am einfachsten zu merken.

12. Freude am Leben

Schließlich kann auch eine ausgeglichene Lebensweise sehr förderlich sein. Stress und Überlastungen in allen Formen sollte man bei Arthrose möglichst vermeiden. Erfüllende Aufgaben und schöne Erlebnisse helfen hingegen, sich zu erfreuen und abzulenken und so auch die schmerzende Muskulatur zu entspannen. Eine amerikanische Studie hat wissenschaftlich bestätigt, dass schon die einfache Anwesenheit schöner Blumen oder das Betrachten der Schönheit der Natur helfen können, die Schmerz-Empfindung zu mindern. Freude am Leben hilft somit auch bei Arthrose!


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