Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - INFO Nr. 94
Bei jedem Gehen und Stehen beanspruchen wir auf besondere Weise das oberste Gelenk des Fußes, das sogenannte obere Sprunggelenk, auch als „Fußgelenk“ oder „Knöchelgelenk“ bezeichnet. Dieses Gelenk verbindet Unterschenkel und Fuß und ermöglicht das Heben und Senken des Fußes. Eine Arthrose in diesem verletzlichen Gelenk kann in vielen Fällen konservativ behandelt werden. In den ARTHROSE-INFOS Nr. 4, 14, 64 und 74 haben wir hierzu viele nützliche Tipps beschrieben. Wenn aber trotz besten Bemühens eine Operation unausweichlich geworden ist, kann in manchen Fällen heute auch ein künstliches Gelenk empfohlen werden. Bei diesem Prothesentyp sind jedoch einige wichtige Besonderheiten zu beachten, die wir im Folgenden vorstellen.
Arthrose im Sprunggelenk führt nicht nur zu Entzündung, Anschwellung und sichtbarer Verbreiterung der Knöchelregion sowie zunehmender Einsteifung. Es können auch heftige Schmerzen auftreten – zunächst beim Bergauf- und Bergabgehen – und schließlich sogar beim einfachen Treppengehen. Je weiter die Arthrose fortschreitet, desto schmerzhafter kann aber auch jedes Gehen und Stehen werden. Patienten berichten dann: „Ich kann nur noch wenige Schritte gehen! Dann ist es einfach unerträglich!“
Aber nicht nur das Zufußgehen kann Probleme bereiten. Auch Radfahren und sogar Autofahren können immer schwieriger werden. Wer auf Fahrrad oder Auto angewiesen ist, aber beim Kuppeln und Bremsen heftigste Schmerzen verspürt, kann im Straßenverkehr sich selbst und andere leicht in gefährliche Situationen bringen. Wie aber soll man dann zur Arbeit kommen? Wie soll man dann noch einkaufen und andere Besorgungen erledigen?
Anders als bei Knie- und Hüftarthrose sind Patienten mit schwerster Sprunggelenk-Arthrose oft noch relativ jung. Viele sind erst zwischen 40 und 50 Jahre alt und haben bereits mehrere Operationen hinter sich. Nicht selten leiden sie auch darunter, ihren bisherigen Sport nicht mehr ausüben zu können. Was aber ist eine der wichtigsten Ursachen dieser frühen schweren Sprunggelenk-Arthrose?
Die häufigste Ursache einer schweren Sprunggelenk-Arthrose sind Unfall-Verletzungen. Wenn die gebrochenen Knochen im Knöchel- oder Unterschenkelbereich wieder heilen und die Schmerzen abklingen, kann man sich leicht in falscher Sicherheit wiegen. Denn wenn die Knochen nicht in idealer Stellung zusammenwachsen oder wenn auch die Gelenkknorpelfläche betroffen war, ist für immer Vorsicht und Schutz geboten. Nach einigen Jahren kann sich sonst eine Arthrose entwickeln und nicht selten zu immer weiter zunehmenden Beschwerden führen.
Künstliche Sprunggelenke bestehen heute meist aus drei Komponenten. Damit werden sowohl die Gelenkfläche des Schienbeinknochens als auch die oberste, kuppelförmige Gelenkfläche des Fußes durch Metallteile ersetzt, die bei einem Modell zudem mit Schrauben befestigt werden. Um die Reibung zwischen diesen beiden Metallschichten zu vermindern, besitzen die neueren Gelenke dazwischen noch eine dritte Schicht, die aus Kunststoff besteht und frei gleiten kann.
In den Jahrzehnten seit es künstliche Sprunggelenke gibt, wurden Form und Aussehen dieser Prothesen ständig verändert und verfeinert. Auch haben die Operateure immer genauer erkannt, für welche Patienten diese Operation geeignet ist – und welchen anderen Patienten sie eher nicht empfohlen werden sollte. Die 10-Jahres-Haltbarkeit wird inzwischen von Experten auf bis zu 80 Prozent geschätzt. Dies bedeutet, dass bei acht von zehn Patienten die Prothese etwa zehn Jahre und länger funktionsfähig bleibt. Welche Voraussetzungen müssen dazu aber beachtet werden?
Eine mindestens 10-Jahres-Haltbarkeit von etwa 80 Prozent kann bei künstlichen Sprunggelenken nur erwartet werden, wenn der Eingriff von einem Operateur durchgeführt wird, der mit dieser neuen Operation bereits über große Erfahrung verfügt und sie regelmäßig durchführt. Für diesen anspruchsvollen und komplizierten Eingriff lohnt es sich deshalb unbedingt, auch größere Entfernungen zu einem besonders erfahrenen Operateur in Kauf zu nehmen. Außerdem empfiehlt es sich, offen und ohne Scheu nach der Zahl der bereits eingesetzten Prothesen zu fragen.
Bei allem Fortschritt mit diesen neuen Gelenken hat sich aber auch gezeigt, dass sie nicht hoch beansprucht werden dürfen. Wer schwere körperliche Arbeit verrichten muss und diese nicht umgehen oder vermeiden kann, dem kann ein künstliches Sprunggelenk nicht empfohlen werden. Auch deutliches Übergewicht spricht gegen das Einsetzen dieser Prothesen und muss zuvor abgebaut werden. Hohe sportliche Belastungen sind mit diesen Prothesen ebenfalls nicht möglich (siehe auch Tipp Nr. 12). Zudem werden sie meist erst ab dem 60. Lebensjahr empfohlen.
Wenn keine normale Beinform („Beinachse“), sondern eine deutliche O-Bein- oder X-Beinform vorliegt, wirken hohe Belastungen nicht nur auf die Knie, sondern auch auf die Sprunggelenke. Dabei werden die Gelenke zu einseitig und zu sehr „auf Kante“ belastet. Die meisten Operateure sehen deshalb auch eine normale Beinform als weitere wichtige Voraussetzung für den bestmöglichen Erfolg eines künstlichen Sprunggelenks an. Neben diesen drei genannten Voraussetzungen gibt es noch viele weitere, zu denen u. a. auch die folgende gehört.
Viele Experten beobachten ebenso immer wieder, dass die Erfolgsaussichten für die Sprunggelenk-Prothese auf Dauer besser sind, wenn die Beweglichkeit des Gelenks vor der Operation noch nicht vollständig aufgehoben und eine Restbeweglichkeit von etwa 20 bis 30 Grad erhalten ist. Keineswegs sollte man deshalb mit der Entscheidung zur Operation zu lange zögern, da man diesen wichtigen Zeitpunkt sonst verpassen könnte.
Anders als bei den künstlichen Hüft- und Kniegelenken muss die Sprunggelenk-Prothese nach der Operation meist einige Wochen lang ruhig gestellt werden. Oft muss man deshalb zunächst eine bestimmte Orthese („Walker“, gesprochen „woaker“) tragen. Die Zeit nach der Operation muss somit schon vorher gut und sorgfältig geplant werden. So sollte man am besten auch überlegen und besprechen: „Wer kann mir regelmäßig helfen? Auf wen kann ich mich in dieser langen Zeit zu hundert Prozent verlassen?“
Ein künstliches Sprunggelenk darf und soll benutzt werden. Hohe Belastungen wie schweres Tragen oder Sportarten, die mit Sprüngen einhergehen, muss man aber vermeiden. Wie bei jedem künstlichen Gelenk muss bei allen bakteriellen Entzündungen beachtet werden: Bakterien können zum Gelenk wandern und dieses lockern. Die Amerikanische Akademie der Orthopäden (AAOS) empfiehlt bei allen professionellen Zahnreinigungen, Zahnfleischbehandlungen und anderen „blutigen“ Eingriffen die vorherige Einnahme von Antibiotika. Darauf sollte man auch selbst stets hinweisen.