Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 50

Tipps bei Sehnenerkrankungen am Ellenbogen

Ellenbogen-Schmerzen gehen längst nicht immer nur auf Arthrose zurück (ARTHROSE-INFO Nr. 40). Sehr häufig liegt die Ursache in einer Erkrankung der Sehnen. Die bekannteste dieser Erkrankungen wird als „Tennis-Ellenbogen“ bezeichnet, obwohl nur die wenigsten der Betroffenen Tennis spielen. Die ärztliche Bezeichnung lautet „Epicondylitis“ bzw. noch präziser „Epicondylitis humeri radialis“, oft auch „Epicondylopathia“. Im Folgenden beschreiben wir zunächst die erstaunlichen Symptome, erläutern die Hauptursachen, die jeder kennen sollte, und beschreiben mehrere nützliche Tipps. Als Einführung zu diesem Thema möchten wir auch die Praktischen Tipps im ARTHROSE-INFO Nr. 40 nochmals empfehlen.

1. Symptom 1: Milchtüte, Kaffeetasse … fallen aus der Hand

Sehnenschmerzen am Ellenbogen können dramatische Folgen haben. Das Herausnehmen einer Milchpackung aus dem Kühlschrank, das Hochheben einer Sprudelflasche oder sogar schon das Anfassen der Kaffeetasse können heftigste Ellenbogen-Schmerzen auslösen, die zum Fallenlassen dieser Gegenstände führen. Fast immer ist also das Greifen mit der Hand der Auslöser, obwohl Hand und Ellenbogen ja weit voneinander entfernt sind. Der Grund: Muskeln, die das Handgelenk heben, ziehen bis zum Ellenbogen. Manchmal wacht man sogar nachts vor Schmerzen auf.

2. Symptom 2: Schmerzen in Beruf und Sport

Beruflich sind besonders oft Maler, Metzger, Zimmerleute, Verkäuferinnen an Kassen, Friseurinnen, Sekretärinnen und andere Büroangestellte betroffen. So kann schon das Heben eines vollen Aktenordners oder eines schweren Buches die heftigen Schmerzen am Ellenbogen auslösen. Bei weniger als einem Drittel der Betroffenen treten die Schmerzen nach dem Tennisspiel auf, und zwar bevorzugt bei Freizeit-Sportlern. Auch nach häufigem Stockeinsatz beim Skifahren, besonders beim Skilanglauf, können Sehnenschmerzen am Ellenbogen auftreten.

3. Ursache 1: Schmerzhafte Alterung der Sehne

Bei „Tennis-Ellenbogen“ (Epicondylitis) wird oftmals angenommen, dass es sich dabei um eine Entzündung handelt. Wie wissenschaftlich bereits nachgewiesen, handelt es sich vielmehr um chronische schmerzhafte Fehlheilungsvorgänge am Sehnenansatz, die etwa ab dem 40. Lebensjahr auftreten. Betroffen ist meist die Sehne des Muskels „E.C.R.B.“ oder „Extensor carpi radialis brevis“. Von der Rückseite des Handgelenks in der Nähe des Daumens kommend, setzt er am äußeren Knochenvorsprung des Ellenbogens an. Beim Greifen und Heben wird dieser Muskel angespannt.

4. Ursache 2: Akuter Riss von Sehnenfasern

Auch eine plötzliche, akute Überbelastung, die zu kleinen Rissen von Sehnenfasern führt, kann die Ursache von Sehnenschmerzen sein. Der Freizeit-Tennisspieler, der sich bei einem besonders „langen Ball“ ungewöhnlich weit strecken muss und den Ball mit langem Arm gerade eben noch erreichen kann, berichtet dann oft: „Plötzlich habe ich einen schmerzhaften Stich am Ellenbogen verspürt.“ Betroffen kann dabei auch ein Muskel sein, den der Arzt „Extensor digitorum“ nennt und der ebenfalls vom Handgelenk zum Ellenbogen zieht und beim Rückhandschlag belastet wird.

5. Auch an das Gelenk denken

Bei der Diagnose einer Epicondylitis müssen auch Erkrankungen des Gelenks selbst ausgeschlossen werden. Eine Ellenbogen-Arthrose, eine Gelenk-Instabilität, eine schmerzhafte Schleimhautfalte („Plica“) im Inneren des Gelenks und schließlich Blockierungen des Gelenks können Schmerzen verursachen, die leicht mit Sehnenerkrankungen verwechselt werden. Bei seiner Untersuchung wird der Arzt daher prüfen, ob die Schmerzen von den Sehnenansätzen oder aber vom Gelenk selbst ausgehen. Mit einer MRT-Untersuchung kann die Diagnose gesichert werden.

6. Sind Schultern und Wirbelsäule gesund?

Des Weiteren können Schmerzen am Ellenbogen erstaunlicherweise aber auch weit oberhalb, nämlich in den Schultern und der Hals- oder Brustwirbelsäule ihre eigentliche Ursache haben. Deshalb wird der Arzt stets auch die Schultern und die Wirbelsäule überprüfen. Viele Experten vermuten, dass ebenso schon eine ständig nach vorn gebückte Haltung mit nach vorn gezogenen Schultern Beschwerden an den Ellenbogen auslösen kann. Im Rahmen der physiotherapeutischen Behandlung wird daher auch die gesamte Haltung berücksichtigt, mitbehandelt und korrigiert.

7. Förderung der Heilung durch Schonung

Das konsequente Vermeiden der schmerzauslösenden Belastungen ist für die Heilung von zentraler Bedeutung. Nur dann kann nach vielen Wochen wieder der normale Zustand erreicht werden. Wie kann man schonen? (1) Heben und Tragen mit den Handinnenflächen nach oben und dabei zusätzlich den Ellenbogen beugen – (2) Hilfsmittel einsetzen (statt des normalen Schraubenziehers empfiehlt sich ein elektrischer Schraubenzieher) – (3) Sportpause für einige Wochen einhalten, beim Tennis Technik und Schläger optimieren und sich in Fachgeschäften beraten lassen.

8. Krankengymnastik (Physiotherapie), Bandagen

Krankengymnastik mit Dehnung und Kräftigung der Unterarmmuskeln, Lösen von Blockierungen, Friktions- Massage der Sehnen und eine Verbesserung der gesamten Haltung können sehr wirksam sein. Auch Kühlung mit Kaltpacks aus der Apotheke oder Wärmeanwendungen, z. B. mit Fango, können hilfreich sein. Oft werden auch Ellenbogen-Bandagen verordnet („Epicondylitis-Bandagen“ oder „Epicondylitis-Spangen“), die die schmerzenden Sehnenanteile entlasten und sie damit schützen. Für nachts kann eine Handgelenk-Bandage verordnet werden, um Schmerzen zu lindern.

9. Ultraschall, Medikamente, Injektionen, Akupunktur …

Bei starken Schmerzen kann der Arzt eine Ultraschall-Behandlung einsetzen und schmerzstillende Medikamente verordnen. Viele Ärzte injizieren in besonderen Fällen auch Cortison. Allerdings darf die Injektion höchstens zwei Mal wiederholt werden, da Nebenwirkungen (wie z.B. Sehnenschwächungen) auftreten können. Manche Spezialisten verzichten ganz auf Injektionen und führen eine Behandlung mit niedrig-energetischen Stoßwellen durch, die in einigen Fällen zu Schmerzfreiheit führen können. Gelegentlich wird auch die Akupunktur eingesetzt.

10. Operation nur selten

Obwohl die operative Behandlung eigentlich nur ein kleiner Eingriff ist, wird dennoch empfohlen, zunächst die genannten konservativen Maßnahmen mindestens sechs bis zwölf Monate lang durchzuführen. In dieser Zeit bessern sich die allermeisten Fälle. 90 bis 95 Prozent aller Betroffenen sind nach einem Jahr auch ohne Operation beschwerdefrei. In weniger als 5 Prozent der Fälle ist eine Operation erforderlich, bei der heute die erkrankten Sehnengewebeteile entfernt werden. Einige Spezialisten führen diese Operation auch mit einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durch.

11. Heilungsaussichten

Mit konsequenter eigener Mithilfe des Patienten sind die Aussichten am besten, wenn eine akute sportliche Überbelastung die Ursache war. Im Arbeitsleben wird eine Besserung oft dann erzielt, wenn entlastende Hilfsmittel eingesetzt werden. Die langfristig positiven Aussichten können einen ermutigen, die lange Heilungszeit von oft mehreren Monaten dennoch optimistisch durchzustehen. Unser Mitglied Herr Erich P. aus Freiburg berichtet: „Anfangs konnte ich nicht einmal ein Blatt Papier ohne Schmerzen hochheben. Jetzt ist alles wieder gut!“

12. Vorbeugen

Wenn man über vierzig ist und wöchentlich normalerweise zwei Stunden Tennis spielt, sollte man dies nicht einfach auf sechs Stunden steigern. Ebenso sollte man nur mit leichtem, trockenem Ball spielen und auf Schläger und Technik achten: Mittelgroße Schläger mit Darmbespannung und nicht zu kleinem Griff sind günstiger. Bei Büroarbeiten am PC können Polsterablagen für die Hände die Sehnen entlasten. Auch empfiehlt es sich, immer auf eine gute Haltung zu achten. Stets sollte es heißen: „Brust raus!“ Dies wird sich auch auf Schultern und Rücken positiv auswirken.


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