Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 43
Schon in den Ausgaben Nr. 3, 13, 23 und 33 haben wir viele nützliche Tipps zur Hüftarthrose zusammengetragen. Heute möchten wir uns nun einem Thema zuwenden, bei dem die Beratung durch den behandelnden Arzt, aber auch durch den Apotheker, besonders wichtig und unersetzlich ist. Es ist dies die Verordnung von Medikamenten gegen Schmerzen bei Hüftarthrose. Aus diesem großen Thema der medikamentösen Behandlung haben wir einige Hinweise ausgewählt, die man hierzu kennen sollte und die die Behandlung sicherer und wirksamer machen könnten. Am Ende des Kapitels fügen wir auch noch einige nützliche Tipps an, die helfen können, Medikamente einzusparen.
Bei Arthrose werden auch entzündungshemmende Medikamente eingesetzt, wenn Schmerzmittel wie Paracetamol nicht ausreichen. Medizinisch werden sie meist als nicht-steroidale Antirheumatika („NSAR“) bezeichnet. Beispiele für solche NSAR sind Ibuprofen oder Diclofenac. Sie gelten weltweit als die am häufigsten verordneten Arzneimittel. Wenn sie nur vorübergehend (max. drei Tage) und in nicht zu hoher Dosis eingenommen werden und keine Kontraindikationen vorliegen, sind sie besser verträglich als bei Dauereinnahme. Was sollte bei der Einnahme unbedingt beachtet werden?
Bei etwa 15 Prozent aller Menschen, die NSAR über Tage und Wochen einnehmen, können Magengeschwüre auftreten, bei einem Prozent sogar Magenblutungen oder ein Magendurchbruch. Zeichen einer Magenblutung ist eine schwarze Farbe des Stuhls („Teer-Stuhl“). Dies sollte man sofort dem Arzt mitteilen. Bei Magen- oder Darmgeschwüren dürfen auf keinen Fall NSAR eingenommen werden. Große Vorsicht ist auch bei Herzerkrankungen geboten, da das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls erhöht wird. Auch das Risiko von Vorhofflimmern und -flattern wird erhöht.
Ab ca. dem 65. Lebensjahr kann das Risiko von schwerwiegenden Nebenwirkungen deutlich zunehmen. Ab diesem Alter sollten diese Medikamente zusammen mit einem Magenschutzmittel (Protonenpumpenhemmer) eingenommen werden. Weiterhin sollte die Dosis gesenkt werden und die Einnahme auf Zeiten besonders heftiger Schmerzen beschränkt werden. Ab dem 65. Lebensjahr ist die Dauereinnahme dieser Arzneimittel oft keine echte Alternative zur Operation mehr. Besondere Vorsicht ist geboten bei Herz-, Magen-, Darm- und Nierenleiden sowie Bluthochdruck.
Sorgfalt und Aufmerksamkeit sind auch geboten, wenn man bereits andere Arzneimittel einnimmt. Dies betrifft z. B. auch bestimmte Mittel gegen hohen Blutdruck und gegen Depressionen („Antidepressiva“). Wenn man gleichzeitig bei mehreren Ärzten in Behandlung ist oder den Arzt wechselt, sollte man immer jeden der behandelnden Ärzte und den Apotheker über alle Medikamente vollständig informieren. Selbst wenn man sich z. B. gegen Kopfschmerzen in der Apotheke ein rezeptfreies Schmerzmittel kauft, sollte man dem Apotheker die gesamte Medikation mitteilen.
Wenn man sogenannte Blut verdünnende Medikamente benötigt, können Antirheumatika nur mit besonderer Vorsicht bzw. überhaupt nicht eingenommen werden. Wer z. B. nach einer Beinvenen-Thrombose ein gerinnungshemmendes Medikament einnimmt, muss während der gesamten Behandlungsdauer seine Blutgerinnungswerte sorgfältig überwachen lassen und sollte mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob andere medikamentöse oder nichtmedikamentöse Möglichkeiten der Schmerzbehandlung zur Verfügung stehen (zur Bedeutung der konsequenten Entlastung: s. a. Tipps Nr. 8–12).
Nichtsteroidale Antirheumatika können die Harnausscheidung durch die Nieren beeinträchtigen. Im Alter nimmt die Nierenfunktion auch schon unter normalen Bedingungen bei sonst gesunden Menschen ab. Besonders gefährdet sind Patienten mit Nierenkrankheiten, Zuckerkrankheit (Diabetes), Bluthochdruck, Herzkrankheiten, gleichzeitiger Einnahme von blutdrucksenkenden Arzneimitteln oder einem Flüssigkeitsmangel. Daher sollten vor allem ältere Menschen immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und ihre Nierenfunktion regelmäßig überprüfen lassen.
Wer eine Hüftarthrose hat, ist oft besonders dankbar für die Beweglichkeit und Unabhängigkeit, die durch das Autofahren ermöglicht werden, auch wenn man bei längeren Fahrten öfter Pausen einlegen sollte. In einigen Fällen kann die Einnahme von Antirheumatika zu Müdigkeit führen und die Fahrtüchtigkeit einschränken. Diese Nebenwirkung beobachteten die von uns bundesweit befragten Ärzte für Orthopädie bei etwa einem Prozent ihrer Patienten. Wenn man dies bei sich selbst feststellen sollte, darf man selbst nicht Auto fahren. Das Gleiche gilt für die Bedienung von Maschinen.
Wenn bei Arthrose der Gelenkknorpel geschädigt ist und abgerieben wird, entzündet sich die Gelenkinnenhaut oft schon bevor die Gelenkknochen direkt miteinander in Kontakt kommen („Knochen-Knochen-Kontakt“). Nicht in allen, aber in vielen Fällen verstärkt gerade die Belastung diese Entzündung im Innern des Gelenks und ist eine der häufigsten Ursachen für Gelenkschmerzen. Je mehr das betroffene Gelenk entlastet wird, umso geringer wird die Entzündungsreaktion sein, und umso weniger Medikamente (Antirheumatika) benötigt man. Wie kann man nun entlasten?
Weiche Schuhsohlen bei gleichzeitig festem Halt im Schuh können die Belastung des Hüftgelenks vermindern helfen. Aber die richtigen Schuhe zu finden, ist für viele Menschen mit Hüftarthrose nicht einfach. Unser Mitglied Frau Ortrud H. aus Freiburg schildert dies so: „Fast alle Sohlen empfinde ich als zu hart, besonders wenn ich auf der Straße gehe. Am angenehmsten sind für mich Schuhe von Remonte.“ (Hersteller: Fa. Schuh-Union GmbH, Gänsäcker 31, 78532 Tuttlingen, Tel.: 07462-2010. Dort kann man die nächstgelegenen Schuhfachgeschäfte erfragen.)
Bei Hüftarthrose kann das Benutzen eines Stocks (oder Stockschirms) das Hüftgelenk bis zu 30 % entlasten und auch Medikamente einsparen helfen. Stets sollte man den Stock auf der gesunden Seite tragen. Beim Gehen bewegt man den Stock dabei im Gleichschritt mit dem betroffenen Bein, das dadurch zeitgleich entlastet wird. Am besten kann man diese Gangart unter Anleitung eines Krankengymnasten einüben. Hinweis: Beim Tragen von Taschen, Tüten oder Koffern gilt das Umgekehrte (siehe auch unsere Hinweise zu den Messungen der Berliner Forschungsgruppe in Heft 33, S. 12).
Das Nützliche mit dem Schönen verbinden kann man auch durch moderne Teleskop-Stöcke. Wanderer wissen schon lange, dass das Benutzen eines Stocks die Gelenke entlastet und durchaus sportlich ist. Sehr praktisch für Wanderungen und Spaziergänge in der Natur können z. B. die Teleskop-Stöcke der Marke Leki sein. Ein bestimmtes Modell mit Quergriff hat eine besonders griffige Oberfläche, die fast an Korkmaterial erinnert (verschiedene Modelle in verschiedenen Sportgeschäften und Versandhäusern erhältlich).
Immer wieder bestätigt wird die günstige Wirkung von Krankengymnastik (Physiotherapie) bei Arthrose. Die Rückgewinnung der verlorenen Beweglichkeit sowie die Kräftigung bestimmter Muskelpartien helfen, die Belastung auf eine größere Gelenkfläche zu verteilen. Von vielen Physiotherapeuten wird auch das Aquajogging empfohlen. Durch das Tragen von Schwimmkörpern werden die Gelenke dabei sogar vollständig vom Körpergewicht befreit und können systematisch und auf besonders wirksame Weise trainiert werden. Für viele Betroffene ist dies ein wunderbares Erlebnis.