Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. - Arthrose-Info Nr. 28
Im Folgenden beschreiben wir eine weitere Auswahl praktischer Tipps zum künstlichen Hüftgelenk. Auch die 36 Hinweise in den ARTHROSE-INFOS Nr. 7, 8 und 18 möchten wir als Grundlage der heutigen Darstellung nochmals empfehlen, da sie insbesondere auch viele Anregungen zur sinnvollen Vorbereitung enthalten.
In Europa und Nordamerika werden inzwischen jährlich ca. 1 Million künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Die Mehrzahl der Patienten sind Frauen. Es wird geschätzt, dass ihr Anteil fast zwei Drittel aller Patienten beträgt. Gleichzeitig scheinen Frauen diese Operation im Durchschnitt mehrere Jahre später durchführen zu lassen als Männer. Beide Beobachtungen könnten auch durch die höhere Lebenserwartung der Frauen bedingt sein.
Obwohl künstliche Hüftgelenke in den letzten Jahren zunehmend auch bei jüngeren Menschen eingesetzt werden, ist die große Mehrzahl der Patienten (zwei Drittel) dennoch zum Zeitpunkt der Operation bereits über 65 Jahre alt. Aus den USA ist bekannt, dass bei Männern die größte Häufigkeit dieser Operation zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr und bei Frauen sogar zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr liegt.
Nach Jahrzehnten der Entwicklung und Ausreifung wird heute geschätzt, dass das eingesetzte künstliche Gelenk in über 90 Prozent der Fälle ein Leben lang hält und nie ausgetauscht werden muss. Voraussetzung dafür ist aber auch ein vernünftiges und behutsames Verhalten (siehe hierzu auch unsere Tipps Nr. 10 und Nr. 12). Im großen Durchschnitt ist heute vermutlich nur bei weniger als jedem zehnten Patienten im Laufe seines Lebens eine Austauschoperation erforderlich.
Zur guten Vorbereitung auf die Operation gehört auch die Überprüfung der bisherigen Medikamenten-Einnahme. Wer regelmäßig Aspirin oder Plavix einnimmt, sollte mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob ein Absetzen etwa eine Woche vor der Operation sinnvoll und zwingend notwendig ist oder nicht, da diese Substanzen die Blutgerinnung beeinflussen. Ähnliches gilt für Hormone, die zur Osteoporose-Therapie oder bei jüngeren Frauen als „Pille“ eingenommen werden.
Patienten haben nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks oftmals auffallend wenig Schmerzen. Erstaunt und überrascht berichten viele Ärzte und Patienten immer wieder, wie gering die Schmerzen in vielen Fällen nach der Operation sind. Vor den Schmerzen bei diesem Eingriff braucht man sich daher jedenfalls in keiner Weise zu fürchten
Wenn nach der Operation die ersten Schritte geübt werden, kann manchmal ein Gefühl auftreten, „als ob das operierte Bein zu lang wäre“. Oft ist dies ein subjektives Gefühl, da man sich an die vorherige arthrosebedingte Verkürzung gewöhnt hatte. Manchmal muss aber während der Operation ein etwas größeres Gelenk gewählt werden, wenn Muskeln und Weichteile nicht genügend Spannung besitzen. Damit soll das Ausrenken des neuen Gelenks vermieden werden. Nachmessung und ggf. Korrektur erfolgen während der Klinikbehandlung und meist nochmals nach der Vollbelastung des Beins.
Gelegentlich können nach der Operation zunächst neue Schmerzen in anderen Gelenken auftreten. Oft betreffen diese die Lendenwirbelsäule oder aber Knie, Sprunggelenk und Oberschenkel. Meistens sind diese Beschwerden auf eine Umstellung der Belastung zurückzuführen und bessern sich, wenn die Beanspruchung nicht zu stark forciert wird. Schmerzen im Oberschenkel können gelegentlich auch durch eine geschwächte Muskulatur auftreten, die sich aber durch Physiotherapie bald wieder bessern.
In den ersten Wochen nach der „hinteren“ Operation darf das Gelenk nicht zu weit gebeugt werden. Folgende Alternativen können daher nützlich sein:
(A) Hinknien: 1. Abstützen mit der Hand auf der Tischkante, 2. vorsichtig auf die operierte (!) Seite knien, 3. Hüftbeugung nur auf der nicht operierten Seite;
(B) Operiertes Bein wird nach hinten gestreckt: 1. Abstützen mit der Hand auf der Tischkante, 2. Operierte Seite nach hinten strecken, 3. Anbeugen der nicht operierten Seite.
Diese Abläufe werden meist in der Physiotherapie eingeübt
Auch die folgenden Hilfsmittel können dienlich sein:
(1) „Helfende Hand“: Dieses praktische Gerät gibt es in verschiedenen Ausführungen und kann am besten in Sanitätsfachgeschäften ausprobiert werden.
(2) „Kehrgarnitur“: Die langen Stiele dieses einfachen und doch sehr wirksamen Hilfsmittels ermöglichen es, Kehr-Arbeiten ohne Belastung des Hüftgelenks durchzuführen. (Beide Hilfsmittel können in Sanitätshäusern bezogen werden.)
Das Benutzen von zwei Unterarmgehstützen ist nach heutiger Überzeugung abhängig von der Stabilität der Prothesenverankerung und vom Zustand der Muskulatur nach der Operation. Beides wird der Operateur bei seiner Empfehlung berücksichtigen. Ziel der Benutzung von Gehstöcken ist die Förderung der Koordination, das Wiedererlangen eines aufrechten, flüssigen Gangbilds und die Unterstützung der heilenden Muskulatur. In der Regel wird die Benutzung von zwei Unterarmgehstützen für vier bis sechs Wochen empfohlen.
Die gesetzliche Verantwortung für die Fahrtauglichkeit liegt bei uns ganz in der Hand des Patienten selbst. Die Pedale kann man in der Regel dann wieder bedienen, wenn man höchstens noch einen Stock benutzen muss (meist nach etwa 4 Wochen). Gern sollte man sich anfangs auf Tageszeiten beschränken, zu denen wenig Verkehr herrscht, und vielleicht zunächst in Ruhe üben. Es empfiehlt sich, (a) die Sitze möglichst weit nach hinten zu schieben und (b) die Rückenlehne eher weiter nach hinten einzustellen, um eine zu starke Hüftbeugung zu vermeiden.
Sportarten mit Sturzgefahren sollten vermieden werden. So ist das alpine Skifahren mit einem künstlichen Hüftgelenk riskant. Überaus positiv wird hingegen die Verwendung eines Heimtrainers (Standfahrrads) eingeschätzt. Das Hüftgelenk ist hierbei vom Körpergewicht befreit, wird wohl dosiert bewegt, und Muskeln und Sehnen werden gekräftigt. Sattel und Lenker sollten nach einer Hüftoperation eher hoch eingestellt werden, und man wird den Tretwiderstand nach den eigenen Möglichkeiten wählen. Als Trainingsdauer empfehlen sich zunächst täglich 5 bis 10 Minuten.