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Über 20 Jahre hatte sie Schmerzen in der Schulter

Frau Gerlinde W. war erst 39 Jahre, als ihre Schmerzen in der rechten Schulter begannen. Sie arbeitete als Buchhalterin in einem Verlag, und oft waren die Schmerzen so schlimm, dass sie den "Wagen" der damals noch mechanischen Schreibmaschine nur mit Hilfe beider Hände zur Seite schieben konnte. Mit dem schmerzenden rechten Arm alleine schaffte sie es nicht. Als ihr Arzt sie untersucht hatte, lautete die Diagnose: "Arthrose im rechten Schultergelenk." Zunächst konnte er ihr mit verschiedenen Behandlungen noch helfen und die Beschwerden einigermaßen erträglich halten.

 

Als sie mit sechzig in Rente ging, wurden die Schmerzen zunehmend schlimmer. Wohl durch mehrere zunächst scheinbar harmlose Unfälle – einmal knickte sie unglücklich um, dann stürzte sie bei einer Fahrradtour, und ein wenig später blieb sie mit dem Schuh in einer hochstehenden Gehwegplatte hängen – wurde ihre Schulter weiter geschädigt. Die Arbeit im Haushalt war ihr jetzt kaum mehr möglich. Keinen Handgriff konnte sie mehr ohne Schmerzen tun. Auch konnte sie kein Auto mehr fahren, jede Drehung des Lenkrads verursachte ihr heftige Schmerzen. Und an ein Durchschlafen in der Nacht war überhaupt nicht mehr zu denken. "Zum Schluss war es sehr schlimm. Es war ein Martyrium", erinnert sie sich an diese schwere Zeit. Nach eingehender Beratung mit ihrem Arzt entschloss sie sich zu einem künstlichen Schultergelenk.

 

Die Operation verlief ohne die ge­­ringsten Komplikationen und auch heute noch staunt sie in ungebrochener Dankbar­keit: "Es war wie ein Wunder! Die Schmerz­en waren weg!" Nur zwei Schmerz­tabletten täglich halfen ihr über die Beschwerden der ersten Tage. Dann begann sie sehr behutsam mit einer leichten Gymnastik. Erst wurden die Finger bewegt, dann langsam der Ellbogen und nach drei Wochen wurde die Schulter in die Bewegung mit einbezogen.

 

Eine so genannte "inversive Schulterpro­these", die nicht einzementiert wurde, hat sie erhalten. Da sie seit vielen Jahren schon Mitglied der Deutschen Arthrose-Hilfe war und regelmäßig die Informationen las, klärte sie ihr Umfeld über ihre Prothesenart anhand der Abbildungen auf, die sie in den speziellen "Arthrose-Infos" gefunden hatte. "Die Hefte waren mir eine große Hilfe." Sechs Wochen nach der Operation trat sie ihre Reha an. Sie übte fleißig jeden Tag: Mo­tor­­schiene, Wassergymnastik, Massa­ge, PMT und durfte schnell Fort­­schritte verzeichnen. Wieder zu Hause verordnete ihr Arzt ihr noch ein halbes Jahr intensive Kran­ken­gymnastik, bei der die verkümmerten Muskeln wieder aufgebaut wurden und die Beweg­lichkeit des künstlichen Gelenks optimiert wurde. Dann war sie wieder bereit für den Alltag.

 

Auf die Frage, wie denn ihr Leben seit Abschluss der Behandlung verlaufen sei, antwortet sie: "Gelegentlich hatte ich noch Schmerzen, aber nicht am Gelenk, sondern an den Muskeln, die wieder aufgebaut werden mussten." Die einge­schränk­te Beweg­lichkeit des künst­lichen Gelenks nimmt sie ohne Klagen in Kauf. Mit dem "Fach­wissen", das sie sich durch die Gespräche mit den Ärzten und den Vereins-Informationen im "Arthrose-Info" ange­eignet hat, will sie alles dafür tun, dass ihr Gelenk "nicht nur zehn, sondern fünfzehn Jahre halten soll." Dabei ist ihr Mann ihr eine unverzichtbare Hilfe und große Stütze. Auf Hilfe angewiesen zu sein, war zunächst nicht einfach für sie. "Aber irgendwann muss man bereit sein zu sagen, wenn ich die Krankheit nicht ändern kann, muss ich die Dinge ändern, die mir das Leben mit der Krankheit er­schweren." Um Gewicht zu sparen, hat sie sich eine kleinere Handtasche gekauft. "Da kommt man gar nicht erst in Versuchung, viel hinein zu packen." Damit das Frisieren einfacher geht, hat sie eine neue Fri­sur. Beim Spazieren­gehen geht sie vorsichtig und achtet darauf, nicht über eine Uneben­heit zu stürzen oder wenn möglich, hakt sie sich bei ihrem Mann ein. Er hilft ihr auch beim Anziehen be­stimmter Kleidungs­stücke und beim Föhnen der Haare.

 

Frau Gerlinde W. ist voller Dankbarkeit für die Hilfe, die ihr zuteil wurde. Das Leben ohne ständige Schmer­z­en und ihr künstliches Gelenk sieht sie als "großen Segen." Ein wenig wehmütig denkt sie dabei an ihren Vater zurück: "Der hatte so schlimm Arthrose in den 50er Jahren. Wir waren auf dem Lande und er musste pflügen hinter den Pferden, denn es gab keinen Trecker. Als er über 50 war, da waren seine Hüften verschlissen. Aber es gab damals noch keine Hüftopera­tionen wie heute. Ich bin zutiefst dankbar."

 

Herr Schwarzenbeck


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